Kraniche sind am Donnerstag (18. Februar) über den Marktplatz in Werne geflogen. Es waren allerdings nicht die ersten Vögel, die sich in Richtung Norden aufgemacht haben. © Jörg Heckenkamp
Zugvögel über Werne

Erste Kraniche zu sehen? Von wegen! Sie fliegen schon länger über Werne

Passend zu frühlingshaften Temperaturen waren Kraniche nun über Werne zu sehen. Allerdings war das nicht der erste Vogelzug 2021, wie ein Experte erklärt. Kraniche flogen schon eher - trotz der Kälte.

Der ohrenbetäubende Lärm und der Flug in V-Formation – Kraniche sind unter anderem an diesen Merkmalen zu erkennen. Viele Werner haben am Donnerstag (18. Februar) wieder ihren Blick in den Himmel gerichtet, als sie die markanten Zugvögel gesehen haben. Mit den ersten frühlingshaften Temperaturen also fliegen auch wieder die ersten Kraniche über die Lippestadt?

Von wegen, meint Klaus Nowack, Ornithologe aus Werne. Das waren nicht die ersten Kraniche, die sich in diesem Jahr in Richtung Norden aufgemacht haben. „Manche haben sich schon vor der Kälteperiode auf den Weg gemacht. Das waren zwar erst bis zu 100 Tiere. Aber das hat mich persönlich schon ziemlich überrascht“, sagt Klaus Nowack.

Erste Kraniche sind im Schnee über Werne geflogen

Der erfahrene Vogelkundler erklärt, dass er bereits am 9. Februar und damit kurz nach dem extremen Wintereinbruch am Sonntag (7. Februar) und mitten im Schneefall die ersten Kraniche über Werne wahrgenommen hat. „Das waren nicht so viele wie jetzt zu sehen sind und sie sind auch nicht wie jetzt stündlich geflogen. Aber 70 Kraniche waren es in etwa“, sagt Nowack.

Danach seien sie aber wohl in einen sogenannten Zugstau gekommen. „Sie wurden von der Kälte überrascht. Vor Erschöpfung kamen sie nicht weiter und mussten pausieren. Sie gehen dann irgendwann runter, um zu überleben“, erklärt der Vogelkundler.

Viele weitere Kraniche am Himmel erwartet

Nun aber erwartet Klaus Nowack in den nächsten Tagen aber deutlich mehr Kraniche am Himmel. Bei diesen nun angekündigten, milden Temperaturen beginnt die eigentliche Zugzeit der Kraniche. Sie warten ab, bis sie genügend Thermik finden. Dann machen sie sich auf in ihre Brutgebiete.

Jetzt, so Nowack, werden sie sich in Richtung Skandinavien begeben. Dabei sind wieder einige Jungvögel zu beobachten. Sie sind an ihrem Klang zu erkennen. „Sie rufen viel heller. Das ist schon fast ein Piepsen“, erklärt Klaus Nowack. „Wenn man die Jungen hört, dann geht mir immer das Herz auf.“

Nicht alle Kraniche machen sich auf in Richtung Norden. Manche Vögel, so der Experte weiter, blieben auch in Ostdeutschland und andere sogar am Dümmer in Niedersachsen. Für Klaus Nowack ist der Anblick der Zugvögel jedes Mal aufs Neue ein beeindruckendes Naturschauspiel.

„Wenn sie wegziehen, dann ist das gleichzeitig auch ein Versprechen für ihre Rückkehr. Das ist ein kleiner Trost über den Winter“, sagt der Ornithologe. Die Kraniche sind dann wohl wieder im Oktober 2021 über Werne zu sehen. Meistens fliegen sie zur Sim-Jü-Zeit gen Süden.

Über die Autorin
Redaktion Werne
Studium der Sportwissenschaft. Nach dem Volontariat bei Lensing Media zunächst verantwortlich für die digitale Sonntagszeitung, nun in der Lokalredaktion Werne der Ruhr Nachrichten.
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Andrea Wellerdiek

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