Auseinandergerückte Tische, wenig Deko und kein lockerer Plausch am Tresen: In Werner Gaststätten wirkt es nach der Wiedereröffnung eher steril. Das Leben kehrt nur langsam in die Gastronomie zurück.

Werne

, 13.05.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Sieben lange Wochen waren die Restaurants in Werne geschlossen - nun geht es endlich wieder los. Die Gastwirte öffnen in dieser Woche mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Lachend, weil sie überglücklich sind, ihre Stammkunden wieder bewirten zu dürfen - weinend, weil sich die Öffnung mit begrenztem Sitzplatzangebot kaum rentiert.

„Wir machen das aus Leidenschaft und hoffen, dass bald die Normalität zurückkehrt. Auch wenn es sich aus wirtschaftlicher Sicht momentan kaum lohnt, zu öffnen, möchten wir für unsere Gäste da sein“, so Steffen Kroes, Inhaber des Hotels am Kloster.

Magere Einnahmen am Wiedereröffnungstag

Ähnlich sieht das Nicole Kiwitt, Inhaberin von Omas Café: „Gestern habe ich 12 Stunden im Laden gestanden für schlappe 86 Euro. Damit kann ich gerade den Materialeinsatz bezahlen und meine Mitarbeiter nicht zurück ins Geschäft holen, so gerne ich das auch würde.“ Gefreut hätten sich die Kunden sehr darüber, dass sie wieder im Café Cappucino schlürfen dürfen - doch die Stadt sei häufig wie ausgestorben.

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In den letzten Wochen bot Omas Café seine Speisen „to go“ an. Abgeholt habe die aber kaum jemand und so mancher Kuchen endete in der Tonne, weil die Kundschaft fehlte. „Ich habe drei Tage am Stück nicht ein einziges Mittagsgericht verkauft. Mal schauen, wie sich das entwickelt, jetzt wo die Kunden wieder hier essen können. Ich wünschte, ich könnte in die Glaskugel schauen“, so die Inhaberin.

Auch Omas Café hat wieder geöffnet - die Kunden werden nun mit Mundschutz bedient.

Auch Omas Café hat wieder geöffnet - die Kunden werden nun mit Mundschutz bedient. © Kiwitt

Kaffeekränzchen für Senioren fallen flach

Zu manchen Kunden sei es noch nicht durchgedrungen, dass das Café wieder geöffnet hat: „Mich haben heute schon drei Stammkunden angerufen und gefragt, ob wir offen haben. Vielleicht hat es sich einfach noch nicht rumgesprochen“, sagt Kiwitt. Sowohl die Geschäftsleute als auch die älteren Herrschaften, die normalerweise zum Kaffeekränzchen vorbeikämen, blieben momentan daheim.

Wer im Restaurant essen möchte, muss nun ein kleines Formular ausfüllen.

Wer im Restaurant essen möchte, muss nun ein kleines Formular ausfüllen. © Steffen Kroes

Außerdem fiele das Frühstücksgeschäft in Omas Café weg, weil Buffets nach den aktuellen Auflagen nicht erlaubt sind. Ein Frühstücksbuffet bietet das Konrads normalerweise ebenfalls an. Nun sei man auf eine kleine Frühstückskarte umgestiegen, erzählt Inhaberin Daniela Herte.

Die Werner freuten sich aufs frische Fassbier

„Der erste Tag war ganz schön stressig. Manche Gäste haben noch nichts von den neuen Richtlinien gehört und dachten, hier wäre wieder alles wie früher. Da musste man viel erklären“, so Herte. Die Speisekarte habe sich verkleinert, es gibt keine Tischdecken mehr und es wird regelmäßig desinfiziert. Gefreut hätten sich die meisten Gäste dennoch.

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Das Highlight des ersten Tages sei das Fassbier gewesen - davon floss am ersten Abend Einiges. „Endlich wieder frisch Gezapftes aus dem Glas!“, sagten die Gäste. Denn während der Zeit der Schließung gab es lediglich Bier im Plastikbecher zum Mitnehmen.

Gruppen müssen auf mehrere Tische verteilt werden

Den Montag und Dienstag hat das Restaurant des Hotels am Kloster noch damit verbracht, die Forderungen der Regierung umzusetzen, die Mitarbeiter zu schulen und Lebensmittel zu bestellen. Am Mittwoch nimmt das Restaurant wieder den Betrieb auf. Die ersten Gäste hätten bereits Plätze reserviert - Feiern und Tagungen gestalten sich jedoch aktuell noch schwierig.

Die Karte des Hotels am Kloster kann auch auf dem Handy aufgerufen werden - so muss die Speisekarte nicht angefasst werden.

Die Karte des Hotels am Kloster kann auch auf dem Handy aufgerufen werden - so muss die Speisekarte nicht angefasst werden. © Steffen Kroes

„Wir müssen neun Leute auf fünf Tische verteilen. Und wenn man mit einer Gruppe essen geht, möchte man ja vermeiden, dass einer alleine sitzen muss“, so Kroes. Er freut sich, dass es wieder losgeht: „Es ist wieder Leben im Haus. Die Lieferanten kommen vorbei, die Fensterputzer sind da und die Küche bereitet sich vor. Endlich wieder bekannte Gesichter und keine gespenstische Stille mehr.“

Die Speisekarte auf dem Smartphone

Damit die Gäste nicht mit den Speisekarten in Berührung kommen müssen, kann die Karte mit dem Smartphone abgerufen werden. Nur rund die Hälfte der Sitzplätze können besetzt werden und die Tischdecken müssen nach jedem Gast gewaschen werden. „Man will alle Regeln befolgen, aber es gibt viele Sonderregeln und ständige Änderungen. Im Hotel gelten bei uns andere Auflagen als im Restaurant. Verbindliche Vorgaben würden uns helfen“, so Kroes.

Die Mundschutzpflicht wird auch in der Küche durchgesetzt.

Die Mundschutzpflicht wird auch in der Küche durchgesetzt. © Steffen Kroes

Das Restaurant Baumhove startete am Dienstag. Auch dort wurde am Montag noch ausgiebig geschult und umgeräumt. Die Hälfte der Tische „flog raus“. Der Thekenbetrieb ist nach den aktuellen Auflagen noch verboten. Aktuell ist der Restaurantbesuch bei Baumhove nur mit Reservierung möglich. Die habe es laut Siggi Baumhove auch schon gegeben - doch in keinem Maße, in dem sich der Betrieb rentieren würde.

Keine Tischdecken bei Baumhove

„Die Stammkunden freuen sich darüber, wieder bei uns Kaffee trinken zu können. Auch die Mitarbeiter sind erleichtert, ein Stück weit in die Normalität zurückzukehren“, so Baumhove. Doch richtig kuschelig sei es im Restaurant nicht mehr: „Wir decken die Tische nicht, weil wir sonst in einer Tour Tischdecken waschen müssten. Wir verzichten auf Deko. Der Gastraum wirkt ungewohnt kahl.“

In Zeiten von Corona werden Tische auseinander gerückt. Auf Tischdecken und Deko wird aus Hygienegründen verzichtet - nach Siggi Baumhoves Geschmack viel zu steril.

In Zeiten von Corona werden Tische auseinander gerückt. Auf Tischdecken und Deko wird aus Hygienegründen verzichtet - nach Siggi Baumhoves Geschmack viel zu steril. © Siggi Baumhove

Da das Ambiente nicht stimmt, blieben manche Gäste fern, mutmaßt Baumhove.

Die Möglichkeit, Essen abzuholen und gemütlich Zuhause zu essen, bleibt bestehen. Da liefe es aktuell nicht schlecht: Sonntags sei der stärkste Tag, an dem etwa 50 Essen abgeholt werden. Unter der Woche seien es knapp halb so viele. „Wir müssen jetzt abwarten, wie sich die Lage weiter entwickelt. Vielleicht müssen wir bald auch schon wieder dicht machen - wie schnell das gehen kann, sieht man im Kreis Coesfeld.“

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