Enkel-Trick, falscher Polizist: Polizei warnt, Banken sind machtlos

dzBetrugsfälle in Werne

Immer wieder warnt die Polizei eindringlich, nicht auf falsche Enkel und falsche Polizisten hereinzufallen. Trotzdem geschieht genau das immer wieder. Wir haben mit der Polizei Unna und der Volksbank über das Phänomen gesprochen.

Werne

, 13.07.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Immer wieder warnen Polizeibehörden eindringlich: vor falschen Enkeln und Polizisten, die Geld fordern. Und trotzdem folgen in regelmäßigen Abständen Meldungen darüber, dass die Betrüger erfolgreich waren.

Erst in der vergangenen Woche (7. und 10. Juli) ist es Dieben in Werne gleich zwei Mal gelungen, Senioren um mehrere zehntausend Euro sowie Schmuck zu bringen. Im Falle der bestohlenen Werner Seniorin vom Freitag (10. Juli) haben die Täter einen mittleren fünfstelligen Bargeldbetrag sowie Schmuck erbeutet, sagt Christian Stein, Pressesprecher der Polizei Unna: „Es ist leider kein seltenes Phänomen.“

Neun Fälle im Kreis Unna am vergangenen Wochenende

Insgesamt neun Fälle wurden der Polizei darüber hinaus vom vergangenen Freitag bis Sonntag (12. Juli) im gesamten Kreis Unna gemeldet. Die Maschen, mit denen sich die Betrüger melden, können variieren - vom am Coronavirus erkrankten Enkel, dem finanziell in Schwierigkeiten geratenen Enkel, dem Gesundheitsamtsmitarbeiter, dem Rauchmelder-Prüfer bis hin zum falschen Polizisten, der die Nachbarn nach der Festnahme eines Diebes vor möglichen Komplizen warnen wolle.

Je nach Saison versuchten die Betrüger, verschiedene Maschen anzuwenden, um die Angst der Bürger auszunutzen, erklärte Stein bereits im März dieses Jahres auf Anfrage unserer Redaktion. Er warnt eindringlich: „Die Polizei kommt nicht vorbei oder ruft an und will Geld haben, das macht kein Polizeibeamter. Das ist ein ganz gefährliches Zeichen. Wenn das schon kommt, sofort das Gespräch beenden und die Polizei rufen“, so Stein.

Den Banken sind in diesen Fällen weitestgehend die Hände gebunden. Denn auch ältere Menschen können über ihr Geld verfügen, wie sie möchten. „Seitdem dieses Phänomen aufgetaucht ist, werden unsere Mitarbeiter daraufhin geschult“, sagt Philipp Gärtner von der Volksbank in Werne. Wenn größere Geldbeträge abgehoben werden, seien die Mitarbeiter etwa dazu angehalten, den Kunden diskret danach zu fragen, welches Vorhaben dahinter steckt. „Sobald wir dann eine Vermutung haben, schalten wir die Polizei ein“, so Gärtner. Mehr gehe aber auch nicht: „Wir können nur Vorsichtsmaßnahmen treffen.“

Konkret sollen Senioren, wenn sie von falschen Enkeln, Polizisten oder sonstigen Betrügern angerufen werden, Folgendes notieren: angezeigte Telefonnummer, Mann oder Frau, Name, mit dem sich die Person meldet (dies seien oft typisch deutsche Namen wie Schwarze oder Meyer, so Stein), Funktion (zum Beispiel Kommissar) und Name der Dienststelle (zum Beispiel Kripo Dortmund oder Kripo Unna). „Für Ermittlungserfolge benötigen wir diese Informationen“, so Stein.

Banden greifen auf nächste Masche zurück, wenn eine scheitert

Außerdem bittet die Polizei eindringlich darum, auch verdächtige Anrufe zu melden, bei denen der Anrufer sich nicht zu Wort meldet und einfach wieder auflegt. „Wir appellieren daran, dass Sie einmal den Notruf 110 wählen und das melden, aus Gründen der Ermittlung“, so Stein.

Bei den Drahtziehern, die hinter den Betrugsvorfällen stecken, handelt es sich in der Regel um Hintermänner, die in Callcentern im Ausland sitzen. Personen, die vor Ort sind, werden dann damit beauftragt, die „Beute“ in Empfang zu nehmen. In wellenförmigen Abständen konzentrieren sich die Täter dann auf bestimmte Regionen, beispielsweise Werne und Selm, wo in bis zu drei Tagen geballt Haushalte angerufen werden. In den Tagen darauf zieht die Bande dann weiter, etwa nach Dortmund. „Nach einer Woche sind sie dann wieder da“, so Stein.

„Die Gruppen wenden immer unterschiedliche Maschen an. Es gibt auch Kombinationen: Wenn ein Senior nicht auf den Enkeltrick hereinfällt, dann ruft kurz darauf der falsche Polizeibeamte an, der sagt, dass der Senior ja gerade fast Opfer eines Enkeltricks geworden sei“, sagte der Pressesprecher der Polizei Unna Bernd Pentrop Mitte März 2020.

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