Ein Jahr Solebad Werne: „Im Moment fehlen uns einfach die Gäste“

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Das Solebad wurde vor einem Jahr eröffnet. Nun ist es aufgrund der Corona-Krise geschlossen. Badleiter Jürgen Thöne spricht über einen traurigen Geburtstag, hohe Besucherzahlen und neue Tarife.

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, 14.04.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Vor einem Jahr wurde das Solebad Werne nach zweijähriger Bauzeit eröffnet. So feierlich der Neustart war, umso trauriger ist der erste Geburtstag des Bades. Aufgrund der Corona-Krise ist das Solebad seit dem 16. März geschlossen. Badleiter Jürgen Thöne (56) blickt im Interview auf ein ereignisreiches, erfolgreiches erstes Jahr im Solebad zurück, das außergewöhnlich endet.

Ausgerechnet zum ersten Geburtstag ist das Solebad geschlossen. Gibt es wenigstens eine kleine Feier im Kreise der Mitarbeiter?

Es ist schon ein trauriger Geburtstag, weil wir ohne Gäste unseren ersten Geburtstag haben. Die Vernunft siegt aber und deshalb gibt es zum Schutz unserer Mitarbeiter auch keine Feier im internen Kreis. Wir versuchen aber auf jeden Fall, die Feier mit Gästen und Mitarbeitern nachzuholen. Aber im Moment ist es wirklich sehr schwierig. Im Moment fehlen uns einfach die Gäste. Das ist auch bei der Motivation der Mitarbeiter zu spüren. Wir bereiten alles so vor, dass wir schnell wieder öffnen können, wenn wir wieder dürfen.

Wird das Bad denn dann in gewohnter Form wieder eröffnen können?

Die Rahmenbedingungen gibt die Politik vor. Da müssen wir abwarten, was da kommt. Wir haben aber uns schon einige Gedanken zu möglichen Szenarien gemacht. Vielleicht dürfen wir zum Beispiel unter bestimmten Bedingungen und mit einer begrenzten Besucherzahl wieder eröffnen.

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Wie ist aus Ihrer Sicht das erste Jahr im neuen Solebad gelaufen?

Wir haben einen sehr guten Start hingelegt. Bis zu der Schließung jetzt haben wir fast 200.000 Besucher gezählt. Wenn wir es hochrechnen, hätten wir ohne die Schließung wegen des Coronavirus etwa 235.000 Besucher bis jetzt gehabt. Und diese Besucherzahl hatten wir auch so geplant. Der stärkste Tag war der 25. August 2019 mit 2284 Gästen. Und der 22. April, der Ostermontag, war mir 1629 Besuchern auch schon ein Knaller. Das war ein paar Tage nach der Eröffnung und noch ohne Freibad-Betrieb. Die Besucherzahlen haben gezeigt, wie heiß und erwartungsvoll die Gäste auf das neue Solebad waren.

Im September 2017 legten die Verantwortlichen und Bürgermeister Lothar Christ (r.) den Grundstein für den Neubau des Solebads.

Im September 2017 legten die Verantwortlichen und Bürgermeister Lothar Christ (r.) den Grundstein für den Neubau des Solebads. © Vanessa Trinkwald (A)

Das Solebecken sollte das neue Aushängeschild des Bades werden. Wird das auch von den Gästen so wahrgenommen?

Anhand der Besucherzahlen ist zu erkennen, dass insgesamt 77 Prozent der Gäste auf das Jahr gesehen das Solebecken genutzt haben. 20 Prozent entfallen auf das Familienbad und 3 Prozent auf die Kurse. Wir freuen uns sehr, dass auch unser Kursprogramm mit einer fast 100-prozentigen Auslastung sehr gut angelaufen ist. Insgesamt haben wir 83 Kurse angeboten mit insgesamt 940 Teilnehmern. Gut angekommen ist auch unser Schwimmunterricht, in dem wir neue Konzepte anbieten. So können zum Beispiel die Eltern mitkommen zum Unterricht.

Neben dem eigenen Kursprogramm müssen auch Schulen und Vereine Platz im neuen Solebad finden. Vor allem mit der Schließung des Lehrschwimmbeckens in Stockum sorgte der Belegungsplan des Solebads für Diskussionsstoff. Wie schätzen Sie die Lage nun ein?

Wir haben das Belegungsmanagement nun abgeschlossen. Es war eine Herausforderung, Schulen und Vereine mit ihren Zeiten unter einen Hut zu bekommen. Aber mittlerweile haben sich alle Gruppen im neuen Bad eingespielt, sie sind in ihrem neuen Bad angekommen. Da hat vor allem der Stadtsportverband sehr geholfen, der alle Punkte und die Kritik der Vereine aufgenommen hat. Wir sind froh, dass jetzt alle ihre Zeiten gefunden haben.

Wie werden die unterschiedlichen Tarife des Solebads - es gibt etwa eine Frühschwimmerkarte - von den Kunden wahrgenommen?

Die Frühschwimmerkarte, die es ja auch im alten Solebad gab, nutzen mehr als 100 Kunden. Es sind vor allem Stammkunden, die in den ersten beiden Betriebsstunden das Bad besuchen. Allerdings ist eigentlich die Solecard, die man auch nachmittags nutzen kann, flexibler. Man merkt, dass sich die Nutzung geändert hat. Auf die Solecard haben wir einen hohen Zuspruch mit mehr als 6300 Besitzern. Darunter sind viele, die ihre Karte aus dem alten Solebad umgetauscht haben. 26 Prozent sind aber auch Neukunden. Und das ist sehr positiv, denn genau diese Gäste können wir ja an unser Bad binden. Die Sommerferienkarte für Schüler wurde 258 Mal verkauft. Dabei können Schüler für 25 Euro in den Sommerferien so häufig ins Solebad, wie sie möchten. Auch in diesem Jahr soll es wieder eine solche Karte geben.

Badleiter Jürgen Thöne blickt auf ein erfolgreiches, erstes Jahr im neuen Solebad zurück.

Badleiter Jürgen Thöne blickt auf ein erfolgreiches, erstes Jahr im neuen Solebad zurück. © Jörg Heckenkamp (A)

Wird sich etwas an den Preisen ändern?

Nein, die Preise bleiben gleich. Wenn ich ein Fazit ziehe, werden die Tarife im Großen und Ganzen gut angenommen. Auch die Tageskarte, über die diskutiert wurde, wird voll akzeptiert. Vor allem von auswärtigen Besuchern hören wir häufig, dass wir ein gutes Preis-Leistungsverhältnis anbieten. Das war ein Ziel, das wir verfolgt haben.

Wie hoch sind die Umsatzeinbußen aufgrund der Schließung in der Corona-Krise?

Das werden wir in der Gesellschafterversammlung am 22. April berichten. Wir versuchen, an allen möglichen Stellen die Kosten so gering wie möglich zu halten. Wir haben die Energiekosten runtergefahren. Wir können einige Geräte aber nicht einfach ausstellen. Sonst würden sie beschädigt. Außerdem ist ein Teil unserer Mitarbeiter in Kurzarbeit. Aber je länger das Bad zubleibt, umso schwieriger wird es natürlich. Der einzige positive Effekt des ganzen Dramas ist, dass wir einige Arbeiten in der Instandhaltung vorgezogen haben. Dazu zählt zum Beispiel die Reparatur an den Sprudelliegen im Solebecken. Sonst hätten wir wochenlang das Solebecken während des laufenden Betriebs in den Sommerferien schließen müssen - das will ja auch keiner. Die zuständigen Firmen übernehmen die Kosten im Rahmen der Gewährleistung. Außerdem werden jetzt weitere Revisions- und Wartungsarbeiten vorgezogen.

Was war Ihr persönliches Highlight im ersten Jahr des Solebads?

Die Freude der Gäste zu sehen, dass das Bad wieder öffnet. Man hat die tiefe Verbundenheit der Werner Bürger gespürt. Auch das positive Feedback der Besucher ist der Lohn für ein sehr anstrengendes Jahr.

Und was waren Momente zum Vergessen?

Das Drehkreuz zwischen Sole- und Familienbereich musste während der Revisionsarbeiten ausgetauscht werden. Mit dem Drehkreuz hatten wir durch die hohe Belastung große Probleme. Deshalb haben wir es durch einen Doppel-Drehkreuz ausgetauscht. Das hätten wir von vornherein so einbauen lassen sollen. Ansonsten bin ich aber insgesamt sehr zufrieden mit dem ersten Jahr im neuen Solebad.

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  • Das ehemalige Solebad wurde im April 2015 geschlossen. Nach dem Abriss wurde der Grundstein für das neue Bad im September 2017 gelegt. Knapp zwei Jahre später wurde das neue Solebad am 14. April 2019 für Besucher eröffnet. Tags zuvor gab es einen Tag der Offenen Tür für die Bürger und geladene Gäste. Die ersten Bahnen schwimmen durften die Besucher dann am 14. April.
  • Wie teuer der Neubau des Solebads insgesamt war, wird der Politik und damit der Öffentlichkeit wohl erst im Juni 2020 mitgeteilt. Während 2015 der Neubau des Bades noch weniger als 14,7 Millionen Euro zuzüglich der Abrisskosten kosten sollte, sei 2017 bereits klar gewesen, dass der Bau nicht unter 17 Millionen Euro kosten würde.
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