Werner Ehepaar über Zustände in seiner zweiten Heimat: „Das Land liegt im Koma!“

dzCorona-Pandemie

Margit Schazmann und ihr Mann haben die Dominikanische Republik in letzter Sekunde verlassen. Nun blicken sie besorgt auf die Lage in ihrer zweiten Heimat – auch wegen eines Corona-Propheten.

Werne

, 07.05.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn sie an die Dominikanische Republik denken, dann haben die meisten Menschen wohl traumhafte Sandstrände und Palmen vor Augen. Warum sollte es auch anders sein? Man liest doch schließlich auf nahezu jedem Urlaubsportal von dem tollen „karibischen Flair“ und „paradiesischen Wetter“.

Doch aktuell ist die Lage in dem Karibikstaat auf der Insel Hispaniola alles andere als paradiesisch. „Viele Leute in Deutschland schimpfen über die Maßnahmen anlässlich der Corona-Pandemie hierzulande. Aber das ist ein Spaziergang im Vergleich zu dem, was dort passiert“, sagt Margit Schazmann. Sie und ihr Mann verbringen seit vielen Jahren immer mal wieder Zeit im Norden der Insel. Doch ihren jüngsten Aufenthalt mussten die beiden vorzeitig beenden.

„Tausende Menschen, dicht an dicht - das kann doch nur zu einer Masseninfektion führen.“
Margit Schazmann

„Die Lage hat sich derart zugespitzt, dass wir uns gesagt haben: ‚Wir müssen hier raus‘“, so Schazmann. Das war am 11. März. Mit einem der letzten Flugzeuge, die das Land Richtung Deutschland verließen. Und gerade so eben noch ohne Quarantäne-Maßnahmen.

Inzwischen ist die Situation in der Dominikanischen Republik erschreckend. „Das ganze Land liegt im Koma“, sagt die Wernerin. Und der Plan für die „Lockerungsmaßnahmen“ zieht sich bis mindestens in den August hinein. Aktuell herrscht zwischen 17 Uhr nachmittags und 6 Uhr morgens eine totale Ausgangssperre.

Sperrstunde und begrenzte Einkaufszeiten

Nahezu alle Dienstleister haben geschlossen - Restaurants, Schulen und Baumärkte sowieso. Selbst Lebensmittelgeschäfte haben nur stundenweise geöffnet. Personen ab 60 Jahren dürfen lediglich in der Zeit von 7.30 Uhr bis 8.30 Uhr einkaufen gehen. Und wer nicht motorisiert ist, dem bleibt nur der Fußweg, um von A nach B zu gelangen.

„Wir telefonieren jeden zweiten Tag mit unseren Bekannten dort. Und wir machen uns große Sorgen. Keiner weiß so recht, wie es weitergeht“, erklärt Schazmann. Die Zukunft ihrer „zweiten Heimat“ sieht düster aus, befürchtet sie.

Corona-Prophet verspricht Bevölkerung Heilung

Wie verzweifelt die Bevölkerung in dem gut 7500 Kilometer Luftlinie enternten Staat ist, zeigt sich auch an einem Ereignis, das sich am 26. April dort abgespielt hat: Ein selbst ernannter Prophet namens Peregrino (zu deutsch: der Pilger) zieht in Begleitung von Tausenden Menschen mit einem geschulterten Kreuz durch den Ort Puerto Plata entlang des Malecon - der Straße entlang des Meeres - und stapft schließlich einige Schritte in den Atlantik, um dort das Kreuz aufzustellen.

Corona-Fälle und Notstand

  • Stand Mittwoch (6. Mai) gibt es in der Dominikanischen Republik 8.480 bestätigte Corona-Fälle. 1.905 Menschen gelten als genesen. 354 infizierte Personen sind gestorben.
  • Der Notstand in dem Inselstaat wurde inzwischen bis zum 17. Mai verlängert. Solange gilt weiter die Sperrstunde sowie ein Reiseverbot - auch innerhalb des Landes.

Das Versprechen des Propheten: Jeder, der das Kreuz berührt, wird von dem Virus befreit. Innerhalb von zwei Tagen könne er, der Prophet, das ganze Land aus der Krise führen. „Als wir das gesehen haben, konnten wir uns nur an den Kopf fassen. Das war ja purer Wahnsinn. Tausende Menschen, dicht an dicht - das kann doch nur zu einer Masseninfektion führen“, sagt Schazmann.

Daraufhin habe die Regierung ganz Puerto unter Quarantäne gestellt. Diese Maßnahme bewirkt zu haben, scheint das einzige „Wunder“ zu sein, das der Prophet mit seiner Aktion vollbracht hat. Und es ist alles andere als paradiesisch.

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