Dr. Timo Ulrichs (39) steht für junge Familien im Kirchenvorstand von St. Christophorus

dzSt. Christophorus

Kirchen klagen über Nachwuchsprobleme. Oft kümmern sich ältere Menschen um das Geschehen in der Gemeinde. In St. Christophorus steht Dr. Timo Ulrichs (39) stellvertretend für junge Familien.

Werne

, 14.01.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Im Kirchenvorstand von St. Christophorus zu sitzen und mitbestimmen zu können, wie es in den kommenden Jahren weitergeht: Das hätte sich Dr. Timo Ulrichs nicht ausmalen können, als er mit seiner Frau und seinen Kindern vor drei Jahren von Bochum nach Werne gezogen ist.

Doch 2018 wurde das wahr, der Familienvater so schnell nicht erwartet hätte: Die Gemeindemitglieder haben ihn in den Kirchenvorstand gewählt. Dort ist er aber nicht irgendein Mitglied. Er ist mit seinen 39 Jahren der Jüngste des Vorstandes.

Ulrichs: „Ich war schon überrascht“

„Ich war schon überrascht“, sagt Ulrichs im Gespräch mit dieser Redaktion. „Ich bin noch relativ jung und noch nicht so lange in Werne, da war es alles andere als selbstverständlich, dass mich so viele Menschen wählen.“

Doch Ulrichs ist in der Gemeinde bekannt. Seine drei Kinder haben alle die katholische Kita St. Johannes besucht. Hier hatte er seinen ersten Kontakt mit der Gemeinde, unterstützte Veranstaltungen des Gemeindelebens und lernte dort Gemeindemitglieder kennen. So auch Pfarrdechant Jürgen Schäfer.

Ulrichs steht stellvertretend für die jüngere Generation

Schon damals sprach Schäfer den Familienvater an, ob er sich nicht zu Pfarreiratswahl stellen wolle. Ulrichs sagte zu, doch wurde nicht hineingewählt. 2018 kam der Pfarrdechant erneut auf ihn zu, um ihn für die Wahl für den Kirchevorstand zu gewinnen. „Und dieses Mal hat es funktioniert.“

In St. Christophorus steht Ulrichs stellvertretend für die jüngere Generation - und die ist für Kirchen mittlerweile immer schwieriger zu finden.

Vorteil älterer Mitglieder ist die langjährige berufliche Erfahrung

„Die Tätigkeit im Kirchenvorstand ist wohl leichter, wenn man über langjährige berufliche Erfahrungen beispielsweise im kaufmännischen oder im juristischen Bereich verfügt. Das ist bei jungen Menschen eben noch nicht der Fall und kann sie abschrecken“, sagt Anke Lucht, stellvertretende Pressesprecherin des Bistums Münster.

Hinzu komme, dass junge Menschen oft durch Berufsausbildung und Familienarbeit stark eingespannt oder noch nicht endgültig in einer Kirchengemeinde sesshaft seien, so Lucht.

Altersdurchschnitt im Kirchenvorstand liegt bei 57 Jahren

„Oft ist es auch so, dass ältere Mitglieder einfach bekannter in der Gemeinde sind und deshalb mehr Stimmen bei einer Wahl bekommen“, sagt Theodor Bolzenius vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken.

In der Christophorus-Gemeinde beträgt der Altersdurchschnitt 57 Jahre, sodass sich auch hier zeigt, dass sich besonders Gemeindemitglieder im höheren Alter engagieren. „Dabei ist es wichtig, dass sich möglichst alle Generationen einbringen“, so Bolzenius.

Ulrichs sieht Chancen, junge Menschen für Gemeinde zu gewinnen

„Es geht darum, wie die Gemeinde ihr Geld einsetzt - und da sollten auch die Interessen junger Familien vertreten sein.“
Theodor Bolzenius vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken
„Es geht darum, wie die Gemeinde ihr Geld einsetzt - und da sollten auch die Interessen junger Familien vertreten sein“, sagt Bolzenius. Und genau hier setzt Ulrichs an. Er sei zwar auf kein Thema festgelegt, aber Kindergärten lägen ihm am Herzen.

Hier sieht Ulrichs auch Chancen, junge Menschen für die Gemeinde zu gewinnen: „Es ist wichtig, wie man junge Familien anspricht und Kinder begeistert.“ Besonders kritisch sei dabei die Teenagerzeit, in der häufig der Kontakt zur Kirche verloren gehe.

Glaube begleitet Ulrichs schon ein Leben lang

„Wir sind hier gut aufgestellt und haben ein aktives Gemeindeleben“, sagt Ulrichs, der in den kommenden sechs Jahren viel lernen möchte - aber auch gleichzeitig hofft, mit seinem frischen Blick Dinge voranzutreiben.

Doch was treibt den 39-Jährigen selbst in seinem Glauben an? „Er verbreitet eine Friedensbotschaft, nach der ich versuche, zu leben“, so Ulrichs. Aber auch das Bewusstsein, zwischen Recht und Unrecht zu entscheiden, habe er durch seinen Glauben schärfen können. Denn der begleitet ihn schon sein Leben lang.

Ulrichs wurde gut und offen aufgenommen

Seine Eltern haben ihn katholisch taufen lassen, über die Kommunion ist der Lebensmittelchemiker zur Jugendarbeit gekommen. Im Studium in Münster ruhte die Gemeindearbeit etwas, doch Messen besuchte er trotzdem und sein Glauben half ihm - auch als Ausgleich zur Wissenschaft. Das ist auch heute noch so.

Einmal hat er die anderen Mitglieder des Kirchenvorstandes bislang bei der konstituierenden Sitzung gesehen. „Es war angenehm und die anderen waren sehr offen“, beschreibt Ulrichs seine ersten Eindrücke.

„Es gibt eine große Bandbreite und viele Mitglieder, die schon jahrelange Erfahrung haben“, so Ulrichs. Er ist gespannt, welche Herausforderungen ihn in den kommenden Jahren in der Gemeinde erwarten. „Wer weiß, was bis dahin noch so alles passiert. Das hier konnte ich mir vor drei Jahren auch nicht vorstellen.“

Das ist der Kirchenvorstand von St. Christophorus

Wolfgang Bille, Dr. Hans-Peter Böhm, Nicole Effgen, Anne Feuerborn-Pollmann, Michael Jardin, Dr. Paul Kerzel, Bernhard Kroes, Josef Meinke, Beate Scheer, Robert Schulze-Kalthoff, Christian Schwenniger, Egon Sickmann, Anne Steinweg, Jörg Stengl, Friedrich Telgmann, Dr. Timo Ulrichs
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