Dr. Piepenbrock zur Hausarzt-Lage Werne: Düstere Prognose wird allmählich Realität

dzÄrzte in Werne

Im November 2018 malte Dr. Hans Piepenbrock ein düsteres Bild über die Zukunft der Hausärzte in Werne. Nach dem angekündigten Aus zweier Ärzte wird das Zukunftsszenario langsam Realität.

Werne

, 20.02.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Ja, die Vorhersage wird langsam Realität“, sagte Dr. Hans Piepenbrock, Sprecher des Ärztenetzes Werne, auf Anfrage der Redaktion. Im März 2020 gibt Dr. Peter Fiegenbaum aus Altersgründen seine Praxis auf: Ein Nachfolger ist bis jetzt nicht gefunden. Außerdem kehrt die angestellte Hausärztin Dr. Christiana Middelhoff-Jäger der Werner Praxis von Dr. Iris Mumm den Rücken, um zurück in die Gemeinde Ascheberg zu gehen. Nachfolge? Fehlanzeige.

Erfolglose Suche nach Nachfolger für Fiegenbaum-Praxis

Das Fatale an der bisher erfolglosen Suche nach einem Nachfolger für die Fiegenbaum-Praxis im Steinhaus-Center am Moormannplatz: Da Werne statistisch mit Hausärzten überversorgt ist, „würde dieser Sitz dann ersatzlos wegfallen“, sagt Piepenbrock. Bedeutet: Ist die Praxis einmal zu, bleibt sie es auch. Selbst, wenn später ein Nachfolger antreten würde.

Dr. Hans Piepenbrock (r.) warnte schon im November 2018 bei einer Diskussion unter anderem mit NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (3. v. r.) vor einem Wegbrechen von Hausarzt-Praxen in Werne.

Dr. Hans Piepenbrock (r.) warnte schon im November 2018 bei einer Diskussion unter anderem mit NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (3. v. r.) vor einem Wegbrechen von Hausarzt-Praxen in Werne. © Bernd Warnecke (A)

Stichwort Nachfolger: Laut Piepenbrock gebe es diverse Gründe, warum es so schwierig ist, Kandidaten für einen Hausarzt-Posten zu finden. Da sei einmal „die eher gestückelte Ausbildung zu einem Hausarzt“, sagt er. Viele angehende Mediziner würden die gradlinigere Ausbildung zum Facharzt bevorzugen. „Die angehenden Mediziner werden kaum an den Hausarzt-Beruf herangeführt“, erklärt Piepenbrock.

Hausärzte: Schlechtere Bezahlung bei mehr Arbeit

Weiteres wichtiges Kriterium: die im Vergleich schlechtere Bezahlung der Allgemeinmediziner bei hoher Arbeitsbelastung. „Wo früher klaglos 1000 Stunden gearbeitet wurde, wollen die jungen Mediziner nur 800 Stunden arbeiten“, macht Piepenbrock an einem fiktiven Vergleich deutlich. Das Thema sei aber schon seit rund 15 Jahren bekannt. Bisher habe sich leider nicht viel getan.

Außerdem: Der Mediziner-Nachwuchs sei mehr und mehr weiblich. „Und Frauen haben oftmals eine andere Berufs- und Lebensplanung.“ Eigentlich müsste man beim Medizinstudium eine Männerquote einführen.

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Auch er sieht, dass die Wartezimmer der Werner Allgemeinmediziner gut gefüllt sind. Aber statistisch lasse sich an der ausgerechneten Versorgungsquote von mehr als 100 Prozent nicht rütteln. „Im Vergleich zu etwa Bergkamen geht es uns in Werne tatsächlich noch sehr gut.“

Die vollen Wartezimmer erklärt er auch mit den zunehmenden Vorsorgeuntersuchungen, die die einzelnen Krankenkassen anbieten würden, „um ihren Mitgliedern etwas Gutes zu tun“. Dabei seien etliche dieser Untersuchungen noch nicht einmal „auf ihre Effizienz letztlich ausgewertet“.

Regelung in den Niederlanden: Immer erst zum Hausarzt

Der Sprecher des Ärztenetzes Werne würde eine Regelung wie in den Niederlanden begrüßen. Jeder, der zum Facharzt wolle, „müsse auf jeden Fall vorher zu seinem Hausarzt“, um dann überwiesen zu werden. Aber würde das die Wartezimmer der Allgemeinmediziner nicht noch mehr füllen? „Ja“, sagt Piepenbrock, „aber dann würde es auch mehr Hausärzte als Fachärzte geben.“

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Seine düstere Prognose über die hausärztliche Versorgung in Werne machte Piepenbrock im November 2018 auf einem Themenabend „Gesundheit vor Ort“ mit NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann. Damals prognostizierte Piepenbrock, dass von den damals 13 Arztpraxen aufgrund der Altersstruktur der Inhaber „in den nächsten fünf Jahren die Hälfte der Praxen wegbricht“.

Mit dem wahrscheinlichen Ende der Praxis Fiegenbaum mangels Nachfolgeregelung nimmt dieser bedenkliche Prozess in der Lippestadt schon 15 Monate nach der Prognose seinen Lauf.

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