Elternsprechtag digital oder analog? Die Gymnasiumsleiter in Werne sind da geteilter Meinung. © picture alliance/dpa
Elternsprechtag und Corona

Digitale Elternsprechtage? Schulleiter in Werne sind gegensätzlicher Meinungen

Sollen auch die Eltern wieder in die Schulen zurückkehren nach 1,5 Jahren Pandemie? Während ein Schulleiter in Werne klar dafür ist, ist ein zweiter klar dagegen.

In der Coronapandemie hat sich der Schulalltag fast komplett ins Internet verlagert. Unterricht fand digital statt, doch auch für die Elternsprechtage kamen die Eltern nicht mehr wie gewohnt in die Klassenräume, sondern schalteten sich mit den Lehrern aus den eigenen vier Wänden zusammen. Nun flacht die Pandemie langsam ab. Die Kinder sind in die Schulen zurückgekehrt. Und was ist mit den Eltern?

Thorsten Schröer, Schulleiter des St.-Christophorus-Gymnasiums (GSC), ist klar ein Favorit des persönlichen Elternsprechtags. „Die digitale Lösung ist etwas, was als Ersatz gut funktioniert hat. Aber die wirkliche Begegnung ist für beide wahrscheinlich doch deutlich erquickender. Elternsprechtage sollten dauerhaft wieder Face-to-Face-Begegnung beinhalten.“

Viel Arbeit durch digitale Elternsprechtage am GSC

Doch wie die Regelung am Ende wirklich aussehen wird, könne man derzeit noch nicht abschließend sagen, weil das NRW-Schulministerium bisher noch keine Schulmail mit klaren Regeln für die Elternsprechtage verschickt hat, so Schröer. Wenn allerdings Elternpflegschaften mit 100 Eltern stattfinden könnten, gehe er auch davon aus, dass der Elternsprechtag wieder in gewohnter Form stattfinden kann. „Ich wüsste nicht, was dagegen spricht, das in der Schule mit Hygienekonzept zu machen.“ Es sei denn, die Vorschriften verschärften sich auf 2G, sodass nur noch Geimpfte und Genesene die Schule betreten dürften.

Ansonsten soll es den digitalen Elternsprechtag weiterhin geben, allerdings nur für die Eltern, die sich beim persönlichen Besuch in der Schule unwohl fühlen oder verhindert sind. „Es können immer Probleme auftreten“, so Schröer. Der Schulleiter ist auch kein Fan der digitalen Lösung, da sie zu einem deutlichen Arbeitsaufwand seiner Kollegen geführt hatte. „Letztendlich hat alles geklappt, das ist ja jetzt schon drei Mal so gelaufen. Aber es ist deutlich zeitaufwendiger.“ Auch der Tag der Offenen Tür am St.-Christophorus-Gymnasium, der einen Tag nach dem Elternsprechtag, am 13. November, stattfindet, soll in Präsenz in kleinen Gruppen stattfinden.

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Neben dem Kern-Elternsprechtag am Freitag hatten die Lehrer eher eine Elternsprechtagswoche mit individuellen Terminen. Viel Arbeit sei dabei bei den Klassenleitern aufgelaufen. Vor allem in der 5. und 6. Klassen fielen klassischerweise viele Gespräche an, da die Eltern hier noch deutlich schulaffiner seien, bevor die jugendlichen Schülerinnen und Schüler in den höheren Stufen ihre Angelegenheiten selber klären.

Eine Sache, die Schröer aber gern in digitaler Form beibehalten möchte, sind die Kennenlerngespräche für Familien mit angehenden Fünftklässlern. „Das nehmen 3/4 der Interessierten wahr.“ Über 80 Gespräche habe er im vergangenen Jahr mit interessierten Familien geführt. In der jeweils halben Stunde habe der Schulleiter einen guten Eindruck in das Leben der Familien, die ihnen von der eigenen Wohnzimmercouch zugeschaltet waren, gewinnen können. „Das hatte Charme“, so Schröer. „Das fand ich absolut vergleichbar.“

Gut digital funktioniert haben auch die Coachings, bei denen Lehrer Schülerinnen und Schülern helfen, sich aufs Abi vorzubereiten, sich besser zu organisieren oder Motivation fürs Lernen zu finden, insbesondere während der Pandemie, so Schröer. „Da hat Corona auch Alternativen aufgezeigt.“

Anders als Thorsten Schröer ist der Leiter des Anne-Frank-Gymnasiums (AFG) Marcel Damberg klarer Favorit der digitalen beziehungsweise telefonischen Elternsprechtagslösung. Wenn die Vorgaben es zulassen, soll am AFG im November auch wieder eine digitale Lösung angeboten werden. „Wir haben da sehr gute Erfahrungen gemacht“, so Damberg. Grund dafür sei auch, dass die ein Jahr vor Pandemiebeginn installierte schuleigene Lernplattform es den Eltern nicht nur ermögliche, die Klassenbucheinträge und Hausaufgaben ihres Kindes jederzeit abzurufen, sondern auch, dass sich Eltern für die Elternsprechtage digital anmelden können.

Am AFG ist Organisationsaufwand durch Plattform gering

Entsprechend sei der Organisationsaufwand gering. Die Elternsprechtage seien per se „entspannt“, weil dort keine bösen Überraschungen auf die Eltern warten, so der Schulleiter. Darüber hinaus gebe es losgelöst davon jede Woche die Möglichkeit, ein Gespräch mit einem Lehrer unter vier Augen zu vereinbaren. „Wenn schon was anbrennt, ist der Elternsprechtag sowieso schon der falsche Termin“, so Damberg. Diese dienten eher dem Überblick der Eltern. „Wenn Probleme da sind, dann werden die durch die Lehrkräfte angesprochen.“

An der fernmündlichen Lösung will Damberg auch coronabedingt festhalten: Das alle Eltern wieder in die Schule reinkönnen, sehe er erstmal nicht. „Solange nicht alle durchgeimpft sind, gibt es auch keine gewinnbringende Sicherheit. Wenn die Temperaturen wieder runtergehen, kann es auch zur Grippe kommen.“ Und das Immunsystem sei durch die Hygiene- und Abstandsmaßnahmen gar nicht mehr auf Krankheitserreger eingestellt. „Wenn Corona vorbei ist, dann freue ich mich, dass hier das Haus voll mit Eltern ist.“

Auch, ob die Eltern mit der digitalen Lösung zufrieden sind, hat das AFG abgefragt. Das Fazit: sind sie. „Man muss nicht den ganzen Nachmittag von Raum zu Raum laufen“, so Damberg. Auch die Zeitfenster für Gespräche seien von 5 auf 10 Minuten verdoppelt worden. Der Tag des offenen Unterrichts soll allerdings in der Schule stattfinden. Am 25. November um 18.30 Uhr gibt es zunächst eine Infoveranstaltung in der Schule mit einem 60-minütigen Vortrag. Zum 27. November dann können sich die Eltern anmelden über die App Terminland. Neben Touren durch die Schule gibt es unter anderem eine Experimentalshow, ein Elterncafé mit der Elternpflegschaft und dem Förderverein und den Start eines Stratosphären-Ballons.

Über die Autorin
Redakteurin
Gebürtige Münsterländerin, seit April 2018 Redakteurin bei den Ruhr Nachrichten, von 2016 bis 2018 Volontärin bei Lensing Media. Studierte Sprachwissenschaften, Politik und Journalistik an der TU Dortmund und Entwicklungspolitik an der Philipps-Universität Marburg. Zuletzt arbeitete sie beim Online-Magazin Digital Development Debates.
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Eva-Maria Spiller

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