Warum es in Werne bisher keine offiziellen Klimaschutz-Demonstrationen gibt

dzFriday For Future

Friday for Future – der Schulstreik fürs Klima zieht freitags regelmäßig tausende junge Menschen auf die Straße, um für mehr Klimaschutz zu demonstrieren. In Werne gibt es das nicht. Warum?

Werne

, 16.04.2019 / Lesedauer: 4 min

Sie haben klare politische Forderungen. Es geht ihnen um den Klimaschutz und ihre Zukunft. Deshalb gehen Schüler zum Demonstrieren auf die Straße. Die „Friday-for-Future-Streiks“ sind derzeit ein Massenphänomen. In Werne spielen diese Demonstrationen jedoch bisher keine Rolle – zumindest nicht auf den Straßen der Stadt.

Friday For Future:
  • Die 15-jährige Schwedin Greta Thunberg löste im August 2018 die Bewegung aus.
  • Sie setzte sich mit ihren Schulbüchern vor das Parlament und forderte die Regierung auf, sich konsequenter für den Umweltschutz einzusetzen.
  • Der Schulstreik dient dabei der maximalen Aufmerksamkeit.
  • In Deutschland gab es die erste große Demo am 26. November in Berlin.
  • In der Regel finden die Demonstrationen am Freitag statt.
  • Die Aktivisten fordern das Einhalten des „Pariser Abkommens“.
  • Speziell für Deutschland lauten die Ziele unter anderem: Kohleausstieg bis 2030 und 100 Prozent erneuerbare Energieversorgung bis 2035.

Weil dem so ist, mussten am vergangenen Freitag (12. April) acht Schülerinen der Marga-Spiegel-Schule während eines Projekttages aus Werne mit dem Zug nach Dortmund fahren, um dort an einer angemeldeten Demonstration teilzunehmen. Polizeiangaben zufolge waren in Dortmund etwa 200 Schüler zur Demonstration gekommen. NRW-weit sollen laut Veranstalter etwa 2200 Teilnehmer auf den Straßen gewesen sein.

In Werne will keiner die Organisation übernehmen

Doch warum gibt es in Werne bisher keine Demonstrationen? Ganz einfach: Weil jemand die Verantwortung in die Hand nehmen muss, um eine solche Kundgebung ordnungsgemäß auf die Beine zu stellen. Das ist in Werne bisher nicht in letzter Konsequenz passiert. Und, weil die Teilnahme generell – so sie nicht im Rahmen einer Schulveranstaltung stattfindet – die Schulpflicht verletzt. Dies zieht Konsequenzen für die Schüler in Form von Fehlstunden nach sich.

„Wir haben eine klare Linie. Das unerlaubte Fernbleiben vom Unterricht tolerieren wir nicht“, sagt Schulleiter Hubertus Steiner von der Marga-Spiegel-Sekundarschule auf Nachfrage. Dennoch schätze man seitens der Schule das Engagement der Schüler. „Das Interesse ist bei unseren Schülern definitiv vorhanden, aber der Rahmen dafür muss stimmen.“

Demonstration am 15. März in Werne platzte

Diesen Rahmen hätte es beinahe zum ersten Mal am 15. März dieses Jahres gegeben. „Bei uns wurde eine Friday-for-Future-Demonstration angemeldet“, sagt Vera Howanietz von der Pressestelle der Polizeikreisbehörde Unna. Da es sich um das Versammlungsrecht und nicht um eine Sondernutzung handelt, ist die Polizeikreisbehörde und nicht das Ordnungsamt der Stadt Werne zuständig.

Es sei die bis dato einzige angemeldete Kundgebung aus Werne gewesen, so die Polizeipressesprecherin. Stattgefunden hat die Veranstaltung nicht. „Der Veranstalter hat die Demo kurzfristig selbst wieder abgesagt.“

„Der Veranstalter hat die Demo selbst wieder abgesagt.“
Polizeipressesprecherin Vera Howanietz

Nachfrage bei der Marga-Spiegel-Schule, die für die Anmeldung verantwortlich war. „Die Schülervertretung (SV) ist auf mich zugekommen und hat mir ihr Vorhaben vorgestellt“, erklärt Schulleiter Steiner. Der Plan sah vor, zusammen mit anderen Schulen der Stadt, ein Konzept für die Veranstaltung auf die Beine zu stellen, das eine Durchführung während der Schulzeit gerechtfertigt hätte.

Offiziellen Auflagen im Vorfeld nicht eingehalten

„Letztlich kam die Veranstaltung meines Wissens nach nicht zustande, weil irgendwelche offiziellen Auflagen im Vorfeld nicht eingehalten wurden“, so Steiner. Etwas, dass sich die SV ankreiden müsse.

„Es gibt eben einiges zu beachten“, so Polizeipressesprecherin Vera Howanietz. Dazu gehöre die Angabe von Ort, Zeit, Anlass und Teilnehmerzahl, aber auch die Umsetzung möglicher Auflagen. Zudem muss die Anmeldung mindestens 48 Stunden vor der Veranstaltung erfolgen. Etwas, das dem Vernehmen nach im Werner Fall nicht erfolgt sein soll, sodass der Rückzieher unausweichlich war.

„Einfach auf die Straße gehen, ist zu wenig. Da muss schon ein bisschen mehr kommen.“
Christophorus-Schulleiter Thorsten Schröer

Nicht nur ärgerlich für die Marga-Spiegel-Schüler, sondern auch für die des Christophorus- und des Anne-Frank-Gymnasiums (AFG), die ebenfalls an der Demo teilnehmen wollten – im Gegensatz zum Freiherr-vom-Stein-Berufskolleg. „Mir ist nicht bekannt, dass Schüler unserer Schule an dieser geplanten Kundgebung teilnehmen wollten“, sagt Schulleiter Helmut Gravert.

Davon ab wäre aber ohnehin im Vorfeld mehr Engagement seitens der Schüler nötig gewesen. Christophorus-Schulleiter Thorsten Schröer stellt klar: „Es fehlte am Ende auch das klare Konzept. Einfach auf die Straße gehen, ist zu wenig. Da muss schon ein bisschen mehr kommen.“ Zwar seien bei der SV des Christophorus über 100 Anmeldungen für die Teilnahme eingegangen, aber das sei es dann auch gewesen.

Projektarbeit wäre im Vorfeld der Demo nötig gewesen

Schröer führt aus, dass eine Art Projektarbeit im Vorfeld nötig gewesen wäre, in dessen Rahmen die Demonstration hätte stattfinden können. „Dann wäre das auch kein Schwänzen des Schulunterrichts gewesen.“ Schließlich dürfe es nicht bloß das Ziel der Schüler sein, den Unterricht zu umgehen, sondern etwas zu bewegen. „Und dafür ist eben ein bisschen mehr Einsatz und Kreativität gefragt.“

Dem stimmt auch AFG-Schulleiter Marcel Damberg zu, der sagt: „Formal-juristisch hätte das in Form einer Exkursion samt Vor- und Nachbereitung aufgezogen werden müssen. Alles andere ist Schulschwänzen, so gibt es die Bezirksregierung vor.“ Am AFG sei man aber offen, sollten die Schüler mit kreativen und durchdachten Vorschlägen auf die Schulleitung zukommen. „Die Idee, die dahinter steckt, ist ja gut.“

Wie es in den kommenden Wochen und Monaten nach den Osterferien diesbezüglich weitergeht, ist offen – zumindest an den Werner Gymnasien. Der Grund: Ein Großteil der SV-Vertreter absolviert derzeit die Abiturprüfungen und verlässt dann die Schulen. „Also müssen erst mal neue Schüler in die Aufgabe hineinwachsen und die Sache mit Friday For Future ernsthaft angehen“, so Damberg.

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