Sternsinger bringen nun Gottes Segen von Tür zu Tür. Um Außenbezirke zu erreichen, machen Erwachsene mit. Eine Premiere wird es für Thorsten Sensebusch (44), dessen ganze Familie dabei ist.

Werne, Stockum

, 04.01.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

„Wir kommen daher aus dem Morgenland, wir kommen geführt von Gottes Hand. Wir wünschen euch ein fröhliches Jahr, Caspar, Melchior und Balthasar.“ Mit diesem Lied überbringen zum Feiertag der Heiligen Drei Könige am 6. Januar wieder Kinder von Haus zu Haus, den Sternsingersegen. Aber nicht nur Mädchen und Jungen sind dabei.

In Stockum und Horst ziehen seit etwa 30 Jahren auch Erwachsene von Haus zu Haus. „Wir fahren in die Außenbereiche, die fußläufig nicht so leicht erreichbar sind: Blasum, Kiwitzheide und einige Höfe in Stockum“, erklärt Bernd Hoppe. Der 56-Jährige koordiniert die Erwachsenengruppe. Genau wie bei den Kindern ziehen sich die Erwachsenen Gewänder an, um die Heiligen Drei Könige Kaspar, Melchior und Balthasar zu mimen. Mit gesegneter Kreide schreiben sie „C+M+B – Christus mansionem benedict – Christus segne dieses Haus“ an die Hauswand. Und sie sammeln Geld für wohltätige Zwecke ein.

Das Sternsingen ist bei den Sensebuschs Familiensache: Vater Thorsten ist erstmals dabei

Fahren als Sternsinger in die Außenbezirke (v.l.): Herbert Bett, Ralf Claas, Bernd Hoppe, Daniel Geue. Ab diesem Jahr singt Thorsten Sensebusch für Ralf Claas mit. Das Stoff-Kamel fährt seit dem 2017 mit - zur Freude vieler Kinder. © Bernd Hoppe

Einen Unterschied zu den Kindergruppen gibt es dennoch: „Wir lassen die Süßigkeiten weg. Da wird eher ein kleines Gläschen genommen“, sagt Bernd Hoppe und schmunzelt. Der Stockumer macht seit etwa gut neun Jahren mit. Die Sternsinger sind anders als die Kindergruppen mit dem Auto unterwegs. Ein Fahrer bringt das Trio im Schnitt zu etwa 50 Häusern. Zwischendurch werden die Sternsinger zu Kaffee und Kuchen und zu einem Abschlussessen bei verschiedenen Familien eingeladen, die sich jedes Jahr mit der Bewirtung abwechseln.

„Wir lassen die Süßigkeiten weg. Da wird eher ein kleines Gläschen genommen.“
Bernd Hoppe

Bei der etwa siebenstündigen Aktion ist in diesem Jahr auch ein neues Gesicht dabei. Thorsten Sensebusch aus Stockum mimt zum ersten Mal einen der Heiligen Drei Könige. „Ich habe immer gesagt, dass ich mitmachen würde, wenn einer der Sternsinger ausscheidet“, erzählt der 44-Jährige. Und seine Ankündigung macht er in diesem Jahr wahr – aus traditionellen Beweggründen. „Es ist ein ganz typisches Brauchtum. Und als Christ möchte ich mich daran gern beteiligen“, sagt Sensebusch, der schon lange in der KAB (Katholische Arbeitnehmer-Bewegung) Stockum Mitglied ist.

Thorsten Sensebusch wird am Samstag, 5. Januar, den Melchior mimen. „Da bin ich zufrieden mit. Ich bin da aber auch ganz offen. Die anderen haben ja schon ihren Part und haben ihre Texte verinnerlicht. Da müssen wir das nicht durcheinander bringen“, sagt der 44-Jährige. Er selbst übt seine Texte allein. Mit der Gruppe trifft er sich nur vorab zum Einkleiden, ein gemeinsames, langes Proben gibt es nicht. „Ich bin nicht aufgeregt“, sagt er.

Das Sternsingen ist bei den Sensebuschs Familiensache: Vater Thorsten ist erstmals dabei

Die Sternsinger sind in der Regel mit Begleitern unterwegs. © Ulrike Kusak (A)

Begleitung ist bei kleinen Kindern sinnvoll

Da geht es seinem Sohn Justus anders. Der Achtjährige sei vor seiner Premiere schon sehr nervös, erzählt Vater Thorsten Sensebusch. „Er ist aufgeregter als alle anderen.“ Seine Schwester Karla weiß hingegen schon genau, was sie zu tun hat. Die Zehnjährige macht zum dritten Mal in der Kindergruppe in Stockum mit. Mit an ihrer Seite ist auch Mutter Anja (42). Sie geht als Betreuerin mit den Kindern mit.

Das ist mittlerweile üblich. Dies sei vor allem bei kleinen Kindern sinnvoll, wenn sie sich unwohl fühlen oder der zu absolvierende Weg etwa an Straßen gefährlich ist, meint Thomas Röwekamp, Leiter der Pressestelle der Polizei des Kreises Unna. „Je nachdem wie alt die Kinder sind, sollten sie mit einem Begleiter mitgehen. Wenn ältere Kinder dabei sind, können die auch auf die Kinder aufpassen. Das ist mein subjektives Gefühl“, erklärt Röwekamp.

Ein schmaler Grat

Ihm bleibt kein Vorfall mit Sternsingern im Kreis Unna in Erinnerung. Die Gemeinden müssten selbst entscheiden, ob die Kinder durch Betreuer begleitet werden müssten: „Es ist ein schmaler Grat zwischen der Förderung von Selbstständigkeit und dem Gefühl, Sicherheit zu geben“, sagt Röwekamp. Bei Familie Sensebusch überwiegt in jedem Fall die Vorfreude. Die Sternsinger-Aktion verbindet Thorsten Sensebusch mit schönen Erinnerungen. „Ich finde es immer toll, wenn die Sternsinger an der Tür klingeln. Das gibt einem immer ein schönes Gefühl.“ In diesem Jahr steht er zum ersten Mal auf der anderen Seite der Türschwelle.

Lange Tradition des Dreikönigssingens

Der Brauch des Sternsingens geht bis ins 16. Jahrhundert zurück. Traditionell verkleiden sich dabei Kinder als Heilige Drei Könige. Sie ziehen von Tür zu Tür, um den Segen auszusprechen: „C+M+B“ Es steht für „Christus mansionem benedict – Christus segne dieses Haus“. Die Segensbitte soll den Segen Gottes auf das Haus und die Bewohner herbeirufen.

In Deutschland wird die Sternsinger-Aktion, die auch als Dreikönigssingen bekannt ist, vor allem von katholischen Gemeinden vor Ort und vom Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ deutschlandweit organisiert. Kinder und Jugendliche sammeln bei der Aktion Geld für Kinderhilfsprojekte in der ganzen Welt.

Zum Beginn des Dreikönigssingen in Deutschland 1959 sammelte das Kindermissionswerk insgesamt 45.000 Euro (umgerechnet) ein. 100 Pfarrgemeinden beteiligten sich seinerzeit. Mittlerweile machen mehr als 12.000 Pfarrgemeinden in Deutschland mit. Im vergangenen Jahr waren laut Kindermissionswerk rund 300.000 Sternsinger und etwa 90.000 ehrenamtliche Helfer unterwegs. Insgesamt sammelten sie 48,76 Millionen Euro ein.

Die Sternsinger-Aktion in Deutschland, die auf eine lange Tradition zurückblickt, wird heutzutage in Sozialen Medien dokumentiert. Es gibt ein eigenes Magazin, einen Kinderchor, einen Sternsingerfilm und verschiedene Lieder mit Rap-Strophen. Und für die Organisation von Sternsingergruppen kann eine App auf dem Smartphone helfen.

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