Berufspendler Jörg Sommer meidet Risiko: „Gehe in Hamm nicht einkaufen“

dzCorona-Hotspot Hamm

Der Corona-Hotspot Hamm grenzt an den Kreis Unna. 7000 Berufspendler fahren täglich zu ihrem Arbeitsplatz in der Nachbarkommune. Ein Feuerwehrchef schildert, wie er sich als Arbeitnehmer schützt.

Kreis Unna

, 08.10.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Rückkehrer aus Risikogebieten im Ausland gehen in Quarantäne. Berufspendler in Corona-Hotspots müssen sich und andere ebenfalls schützen – auch ohne Test- und Isolierungspflicht. Ein Arbeitnehmer in Hamm erzählt.

Jörg Sommer ist bei einem großen Industrieunternehmen in Hamm beschäftigt. Der Chef der Freiwilligen Feuerwehr Fröndenberg muss besonders vorsichtig sein: Eine Infektion mit dem unberechenbaren Coronavirus könnte er im schlimmsten Fall auf Kameraden, mit denen er direkten Kontakt hat, übertragen.

Sommer weiß sich allerdings auf der sicheren Seite. Sein Arbeitgeber hat bereits frühzeitig für das gesamte Betriebsgelände strenge Hygienevorschriften erlassen. Alle Beschäftigten müssen eine Mund-Nase-Bedeckung tragen, die Abstände zu Kollegen müssen die als relativ risikolos geltenden eineinhalb bis zwei Meter Minimum betragen.

Hohe Fallzahlen allein kein erhöhtes Risiko

Dennoch verbringt man als Berufstätiger an seinem Arbeitsort in der Mittagspause oder nach Feierabend häufig private Zeit, etwa in Supermärkten, auf dem Wochenmarkt oder in Geschäften.

Jörg Sommer, der übrigens drei weitere Kollegen hat, die aus Fröndenberg stammen, weiß: „Die kaufen in Hamm nichts ein.“ Er selbst tue das auch nicht; allein schon deswegen, weil seine Firma etwas außerhalb des Stadtzentrums liegt.

Jörg Sommers Beispiel, das gewissenhafte Befolgen der Abstands- und Hygieneregeln und das Meiden unnötiger Kontakte, zeigt wohl eines: Weniger die Tatsache hoher Fallzahlen in einer Kommune stellt bereits ein Risiko dar als der nachlässige Umgang mit den Empfehlungen der Virologen.

Regeln für Berufspendler kaum kontrollierbar

Auf Nachfrage ist das NRW-Gesundheitsministerium zurückhaltend, was strengere Auflagen bei innerdeutschen Pendlerströmen aus und in Corona-Hotspots angeht.

„Innerdeutsche Reiseregelungen oder sogar intrakommunale Reisebeschränkungen sind kaum kontrollier- und durchsetzbar“, heißt es aus Düsseldorf.

Zudem sei Freizügigkeit ein im Grundgesetz verbrieftes Grundrecht, ist in Artikel 11 ausdrücklich geregelt. „Diesbezügliche Einschränkungen unterliegen besonders hohen Anforderungen“, teilt ein Ministeriumssprecher weiter mit.

Keine Infektion in der Firma und bei der Feuerwehr

Jörg Sommer, der als Fachkraft für Arbeitssicherheit ohnehin vor Ort in seinem Unternehmen gefragt ist und für den das Home-Office eher unpraktisch wäre, kann auf Holz klopfen: „In unserem Unternehmen gibt es keinen einzigen bestätigten Corona-Fall.“ In der Freiwilligen Feuerwehr Fröndenberg übrigens auch nicht.

Zur Sache

Große Pendlerströme auch aus und nach Hagen

  • Die Stadt Hamm hat am 8. Oktober immer noch einen relativ hohen Inzidenzwert von 77,8. Die Stadt Hagen überschreitet neuerdings auch die Inzidenzzahl von 50 neuen Infektionsfällen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen, die besondere Schutzvorkehrungen nach sich zieht.
  • Aus der Großstadt, die lediglich in Schwerte eine gemeinsame Stadtgrenze mit dem Kreis Unna hat, pendeln täglich immerhin 1736 Berufstätige in eine der zehn Kommunen des Kreises ein. Den umgekehrten Weg Richtung Hagen nehmen sogar 3664 Berufspendler.

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