Von Werne zum Mars: Christian Brommer bastelt an Technik für Weltraum-Mission

dzBlick ins Weltall

Technik, die gewissermaßen „Spuren“ der Lippestadt trägt, soll bald auf dem Mars zum Einsatz kommen. Dafür sorgt der Werner Christian Brommer derzeit an der Universität in Klagenfurt.

Werne

, 27.09.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Mars ist ein ordentliches Stück von Werne entfernt. Rund 228 Millionen Kilometer trennen den roten Planeten von der Erde. Und dennoch könnte ein zarter Hauch Lippestadt dem Sonnensystem-Nachbarn bald ziemlich nahe kommen. Ein kleines bisschen Werne-DNA, das sich seinen Weg durchs Weltall bahnt, sozusagen - zumindest im übertragenen Sinn. Der Grund ist ein Projekt, bei dem Christian Brommer seine Finger mit im Spiel hat und das den Titel „AMAZE“ trägt.

Der 31-Jährige Werner arbeitet derzeit an der Universität Klagenfurt in Österreich gemeinsam mit einem zwölfköpfigen Team aus Wissenschaftlern an einer Technologie für eine zukünftige Mars-Mission. Das Ziel: Einen Weltraum-Helikopter so auszustatten, dass er den Planeten auf eigene Faust erkunden kann. Ganz so einfach ist das nicht, denn übliche Navigationssysteme wie GPS stehen dort oben nicht zur Verfügung. Die Drohne braucht besondere Sensoren und spezielle Kameras, um sich autonom orientieren und bewegen zu können. Und für genau die ist das Team unter der Leitung Prof. Dr. Stephan Weiss zuständig.

Helikopter soll autonom über den Mars fliegen

„Der Mars-Rover kann nicht alle Hindernisse überwinden und daher nur rund 40 Prozent der Marsoberfläche erkunden. Der Helikopter kann dort hin, wo sonst niemand hinkommt“, erklärt Christian Brommer. Eine der Kameras liefert Bilder, die für die Standortbestimmung und Navigation benötigt werden, eine weitere hingegen macht Aufnahmen für wissenschaftliche Zwecke. Heißt im Klartext: Sie zeigt den Forschern, wie es auf dem Mars aussieht - anhand von Bildern in einer Auflösung, die deutlich besser ist als die von Satelliten.

Einerseits werde also die Umgebung visuell erfasst, um Hürden einzuschätzen und Wege unfallfrei bewältigen zu können, erklärt Brommer. Andererseits stünden durch das „Gedächtnis“ der Kamera anschließend eindrucksvolle und erkenntnisreiche Bilder zur Verfügung, die den Forschern helfen, den roten Planeten besser zu verstehen.

Erst in der Wüste - und dann auf dem Mars soll die Technik mit Spuren aus der Lippestadt zum Einsatz kommen.

Erst in der Wüste - und dann auf dem Mars soll die Technik mit Spuren aus der Lippestadt zum Einsatz kommen. © Brommer

Wie anspruchsvoll die Technologie ist, macht schon ein kurzer Blick auf die Zahlen deutlich: 30 Bilder erstellen die Kameras innerhalb einer Sekunde. Die Rotoren des vom Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA gebauten Helikopters schaffen bis zu 3000 Umdrehungen pro Minute. Anders ließe sich in der dünnen Marsatmosphäre kein Auftrieb erzeugen.

Und wann kann man nun damit rechnen, dass all das zum Einsatz kommt? Es dürfte noch eine Weile dauern, sagt Brommer. Denn AMAZE ist Teil der Analog-Mars-Mission AMADEE-20, die eigentlich zwischen dem 15. Oktober und 15. November in der israelischen Negev-Wüste stattfinden sollte. Coronabedingt wurde die Mission nun jedoch nun um ein Jahr auf 2021 verschoben wurde. „Das einzig Positive daran ist, dass wir jetzt noch ein bisschen mehr Zeit haben, um die Kern-Komponenten noch etwas robuster zu gestalten“, so Brommer.

Erste Drohnenbilder vom Mars kommen schon im Frühjahr 2021

Im Rahmen der Wüsten-Mission sollen dann sechs „Analog-Astronauten“ die neue Technik testen - isoliert von der Außenwelt. Denn zumindest geologisch ähnelt die Situation in der Wüste durchaus der auf dem roten Planeten. Schon vorher erwartet das Team um Brommer allerdings erste echte Bilder eines Mars-Helikopters. Die soll bereits im Februar 2021 die NASA-Drohne „Ingenuity“ liefern - ein Minihubschrauber, der am 30. Juli 2020 als Anhängsel des Rovers „Perseverance“ von der Cape Canaveral Air Force Station aus die Reise zum Mars angetreten hat.

„Ingenuity“ soll zum ersten Mal überhaupt zeigen, dass ein kontrollierter Drohnenflug auf dem Mars grundsätzlich möglich ist. Technik mit „Spuren“ aus der Lippestadt wird sie dabei allerdings noch nicht mit an Bord haben.

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