Weltbekannte Autoren sind in Werner Buchhandlung kaum noch gefragt

dzDeutsche Schriftsteller

Heinrich Böll, Günter Grass, Martin Walser hoben vor 50 Jahren den Verband deutscher Schriftsteller aus der Taufe. Heute sind die weltbekannten Autoren kaum noch gefragt. Zumindest in Werne.

Werne

, 08.06.2019 / Lesedauer: 3 min

„Den letzten Grass habe ich ungefähr im Spätsommer 2018 verkauft.“ Hubertus Waterhues (54), Inhaber der Buchhandlung Beckmann in Werne, kramt in seinem Gedächtnis. „Einen Walser und einen Böll auf jeden Fall in diesem Jahr.“ Immerhin. Komplett vergessen scheinen die deutschen Groß-Schriftsteller nicht zu sein.

Das Trio gehörte zu den treibenden Kräften, die am 8. Juni 1969, genau vor 50 Jahren, den Verband deutscher Schriftsteller aus der Taufe hoben. Eine Gewerkschaft für Autoren, Übersetzer und Co., die heute unter dem Dach der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi untergekommen ist. Rund 3600 Mitglieder gehören ihr an.

Große deutsche Autoren nicht mehr im Präsenzbestand

„Alle drei haben wir nicht mehr im Präsenzbestand“, sagt Waterhues, „aber wir können ihre Bücher natürlich innerhalb von 24 Stunden besorgen“. Es klingt schon fast wie eine kleine Entschuldigung gegenüber den Größen der deutschen Literatur, wenn er darauf hinweist: „Wir haben hier vor Ort 20.000 bis 30.000 gedruckte Titel vorrätig, können aber 750.000 liefern. Da müssen wir uns einfach beschränken.“

Warum diese Autoren kaum noch gefragt sind bei ihm? Zumindest für die Werke von Heinrich Böll, immerhin Literatur-Nobelpreisträger, hat Waterhues eine Erklärung parat. Er sei ein epochengebundener Schriftsteller gewesen, dessen Werk sehr zeitbezogen sei. Ein Titel wie „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ habe in den 1970er-Jahren seine Berechtigung gehabt. Heute nicht mehr.

Tipp für drei moderne deutschsprachige Autoren

Dennoch muss es einem um die deutsche Literatur nicht ganz bange sein. Waterhues stellt drei Titel heimischer Autoren vor, die sich bei ihm gut verkaufen.

Etwa Marc Elsberg, bekanntgeworden mit dem Fiction-Thriller „Blackout“, der mit „Gier“ ein neues Buch rund um den Kapitalismus geschrieben hat.

Gut laufe Ferdinand von Schirachs „Kaffee und Zigaretten“ sowie die Bücher von Gerhard Falkner „Apollokalypse“ und „Romeo oder Julia“. Falkners neues Werk hat Waterhues natürlich auch im Angebot. Obwohl er glaubt, dass es sich nicht so an den Mann oder die Frau bringen lässt. Waterhues: „Denn ‚Schorfheide‘ ist ein Gedichtband.“

Verband ist Interessenvertretung der Autoren

Ob der Verband der Schriftsteller für einen Buchhändler wie Waterhues aktuelle Bedeutung habe, etwa durch Empfehlungen? „Nein“, sagt der 54-Jährige, „er ist ja eher eine Interessenvertretung für die Autoren“ und setze sich für deren Rechte ein. „Aber ich bin trotzdem froh, dass es ihn gibt als Unterstützung für den einzelnen Autor.“

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