Ein 27-jähriger Werner steht wegen eines Terrorakts und Mordes vor Gericht. © Symbolbild picture alliance / dpa
Anklage wegen Mordes

Bombenattentat: 27-jähriger Werner steht wegen Terrorakt und Mordes vor Gericht

Tateinheitlicher Mord, versuchter Mord und das Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion: Ein heute 27 Jahre alter Mann aus Werne muss sich wegen Terrormitgliedschaft vor Gericht verantworten.

Ein 27 Jahre alter Mann aus Werne steht ab kommender Woche (20. Januar) vor Gericht, weil er 2008 ein Bombenattentat in Sri Lanka durchgeführt haben soll, bei dem nahe der Stadt Jaffna sechs Menschen ums Leben gekommen waren. Das, weil er im Verdacht steht, der tamilischen Terrororganisation „Liberation Tigers of Tamil Eelam“ (LTTE) anzugehören.

Zunächst hatte es immer geheißen, der Mann sei im Raum Dortmund wohnhaft. In der nun veröffentlichten Pressemitteilung des Oberlandesgerichts in Düsseldorf (OLG) ist allerdings konkret die Rede davon, der Mann wohne in Werne. Der Tamile war im Mai 2018 als Flüchtling nach Deutschland eingereist. Bei der Einreise habe er angegeben, der LTTE anzugehören, so die Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf Ende August 2020. Bereits im Dezember 2018 war daraufhin ein Verfahren gegen den Mann in Karlsruhe eingeleitet worden.

Tateinheitlicher Mord, Mord und Sprengstoffexplosion

In der Pressemitteilung der Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf von vergangenem August wird erklärt, dass der Angeklagte hinreichend verdächtig sei, sich von September 2007 bis 2009 in zwei Fällen als LTTE-Mitglied tätig geworden zu sein, „wobei er sich in einem Fall tateinheitlich dazu des Mordes, des versuchten Mordes und der Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion schuldig gemacht haben soll.“

Konkret soll der damals 15 Jahre alte Mann am 12. September 2008 unmittelbar vor einem Konvoi der sri-lankanischen Armee eine Bombe mittels Fernauslöser gezündet haben, „wodurch sechs Menschen getötet und viele weitere Menschen verletzt worden seien“. Darüber hinaus soll er für die Organisation zahlreiche Botengänge erledigt haben, heißt es weiter.

Die Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf, bei der die Zentralstelle Terrorismusverfolgung NRW (ZenTer NRW) angesiedelt ist, hatte den Mann am 3. Juli 2020 angeklagt. Diese Anklage hat das OLG Düsseldorf am 3. Juli 2020 zugelassen, wodurch es nun ab dem 20. Januar zum Auftakt des bisher 8 Termine umfassenden Gerichtsprozesses kommt. Der bisher letzte Termin ist für den 11. Februar anberaumt.

Vorwürfe gegen den Mann stammen aus eigenen Aussagen

Die Vorwürfe gegen den Mann stammen laut OLG aus seinen eigenen Aussagen, die er 2018 bei seinem Asylantrag gemacht hatte. „Im Strafverfahren hat er sich bislang nicht geäußert“, so das OLG in seiner Pressemitteilung von Donnerstag (14. Januar). Sollte der Mann nach geltendem Erwachsenenstrafrecht verurteilt werden, droht ihm eine lebenslängliche Freiheitsstrafe. Wird er nach Jugendstrafrecht verurteilt, weil er zum Tatzeitpunkt 15 Jahre alt war, könnten ihn bis zu 10 Jahre Jugendstrafe (ebenfalls eine Form der Freiheitsstrafe) erwarten.

In Deutschland wurden in der Vergangenheit bereits häufiger Tamilen angeklagt, die mit der LTTE in Verbindung standen. Rechtsanwalt Lothar Hinz hatte gegenüber den Ruhr Nachrichten vergangenen Sommer erklärt: Wer an einem Kriegsverbrechen teilgenommen hat, kann in Deutschland angeklagt werden – unabhängig vom Land, in dem das Verbrechen begangen wurde. Außerdem verjährt der Tatvorwurf Mord nicht.

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Gebürtige Münsterländerin, seit April 2018 Redakteurin bei den Ruhr Nachrichten, von 2016 bis 2018 Volontärin bei Lensing Media. Studierte Sprachwissenschaften, Politik und Journalistik an der TU Dortmund und Entwicklungspolitik an der Philipps-Universität Marburg. Zuletzt arbeitete sie beim Online-Magazin Digital Development Debates.
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In der Grafschaft Bentheim aufgewachsen, während des Journalismus-Studiums in NRW verliebt. Danach über 2 Jahre in Kanada gelebt und jetzt wieder zurück im Lieblingsbundesland. Seit 2020 Volontärin bei Lensing Media
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Kevin Kindel, geboren 1991 in Dortmund, seit 2009 als Journalist tätig, hat in Bremen und in Schweden Journalistik und Kommunikation studiert.
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