Blutspendedienst bittet Bürger eindringlich, wieder Blut zu spenden

dzDringend benötigtes Blut

Die Krankenhäuser fahren ihren Betrieb langsam wieder hoch. Doch der Blutspendedienst West hat Probleme, in der Corona-Krise seine Arbeit wieder aufzunehmen. Er bittet Bürger eindringlich, zu spenden.

Werne

, 20.05.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Langsam nehmen die Krankenhäuser in der Region ihren Betrieb wieder auf. Auch das St.-Christophorus-Krankenhaus in Werne. Es wird wieder mehr operiert. Und genau das stellt den Blutspendedienst West des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) vor eine massive Herausforderung. Denn das Coronavirus hat viele der geplanten Blutspende-Termine, die für dieses Jahr anstanden oder noch angestanden hätten, zunichte gemacht.

„Die komplette Systematik, die wir seit Jahrzehnten kennen, wurde ausgehebelt“, sagt Stephan David Küpper vom DRK-West. Für die 365 Tage des Kalenderjahres plant der Blutspendedienst West unter normalen Umständen 12.000 Spendentermine, um dem Bedarf der Krankenhäuser in NRW, Saarland und Rheinland-Pfalz gerecht zu werden. Darunter sind normale Spenden in lokalen Vereinsheimen oder Schulen, aber auch der Einsatz von Blutspendemobilen und -trucks, etwa an Unis, Termine bei Firmen, deren Mitarbeiter spenden oder Großveranstaltungen wie der Blutspenden-Marathon in Essen zum Ende der Sommerferien, bei dem schon mal 500 Spenden zusammen kommen können.

Termine in Vereinslokalen mussten oft abgesagt werden

Blutspende

Das sind die nächsten Blutspende-Termine in der Region

  • 22. und 27. Mai: Hamm-Mark, Schützenhalle, Marker Dorfstraße 45, 16 bis 20 Uhr
  • 25. Mai: Bergkamen, Treffpunkt, Lessingstraße 2, 15 bis 20 Uhr
  • 27. Mai: Bönen, DRK-Heim, Königsholz 1a, 10-19.30 Uhr
  • 5. Juni: Werne, Freiherr-vom-Stein-Berufskolleg, Becklohhof 18, 15 bis 19.30 Uhr
  • 6. Juni: Hamm, Vereinsheim, Heinrich-Budde-Straße 2, 11 bis 14 Uhr
  • 26. Juli: Werne, DRK-Heim Werne, Flöz-Zollverein-Str. 4, 11 bis 15 Uhr
  • 30. und 31. Juli: Herbern, Jochen-Klepper-Haus, Ostlandstr. 7, 16.30 bis 20.30 Uhr
Alle Blutspendetermine in der eigenen Umgebung können Interessierte hier finden: www.drk-blutspende.de/blutspendetermine

Doch seit Wochen sind viele Arbeitnehmer im Home Office, die Blutspendebusse und -trucks stehen im Depot, weil dort keine ausreichenden Sicherheitsabstände eingehalten werden können. Hinzu kommt, dass viele Spendenlokale in den Städten einfach zu klein sind, um dort einen effizienten Spendentermin durchzuführen. „Das ist tatsächlich sehr oft vorgekommen, dass wir Termine im kleinen schnuckeligen Spendenlokal aus Ermangelung an Alternativen unter Zeitdruck absagen mussten“, so Küpper. „Das macht uns gerade wirklich Schwierigkeiten.“ Und auf Biegen und Brechen Spendentermine durchzuführen und dadurch eine erhöhte Ansteckungsgefahr für die Spender in Kauf zu nehmen, sei unverantwortlich. „Es sind schmerzhafte Entscheidungen, die alternativlos sind und das Problem verschärfen“, so Küpper.

Denn der Bedarf an gespendeten Blutkonserven ist groß. Für den Montag vergangener Woche hatte der Blutspendedienst West ursprünglich 3200 Blutkonserven im Einzugsgebiet NRW, Rheinland-Pfalz und Saarland geplant. Das war vor Corona. Stattdessen kam der Blutspendedienst an diesem Tag auf 2400 Konserven.

Auf einem normalen Blutspendetermin zu Nicht-Corona-Zeiten rechnet der Blutspendedienst West mit im Schnitt 80 Spenden. Nun, um das entstandene Defizit zumindest etwas auszumerzen, hofft Küpper, pro Termin bis zu 110 Spender gewinnen zu können.

Er bittet die Bürger deshalb eindringlich, an den restlichen verbleibenden Terminen des Jahres Blut zu spenden: „Da hilft auf Sichtweite nur der Appell: Geht Blut spenden, damit tut ihr Gutes, heilt und rettet Leben. Und wir geben das Versprechen, dass die Blutspende weiterhin sicher ist.“ Denn zum einen halten die Spender zueinander Abstand und ein Arzt untersucht Spender auch auf erhöhte Temperatur. Diese Art von Fällen hätten sich in Corona-Zeiten im untersten Promillbereich abgespielt, so Küpper.

Jetzt lesen

Zum anderen wurden die sowieso schon hohen Hygienevorschriften verschärft: Denn um die verbleibenden Blutspendetermine weiterhin durchführen zu können, mussten in allen Spendenlokalen die Spendenliegen weiter auseinandergestellt werden, die Abstände zwischen Spendern und Mitarbeitern vergrößert und die Hygienestandards angezogen werden. So könne eine Blutspende sich in Corona-Zeiten schon mal auf eineinhalb Stunden ausweiten.

„Was wir gerade tun ist es, den Menschen Zeit zu stehlen, dessen sind wir uns bewusst. Wir wissen, dass wir den Menschen was abverlangen. Da bitten wir um Verständnis.“ Eine Ausweitung der Spendenzeiten, je nach den lokalen Gegebenheiten in den Städten, ist derzeit beim Blutspendedienst West im Gespräch. Doch dabei sei auch eben immer miteinzubeziehen, dass der Arbeitstag für die Helfer nicht erst bei der Blutspende vor Ort anfange und danach dort Ende, so Küpper.

Einen Notstand gibt es im Krankenhaus in Werne noch nicht, doch auch hier wird der Betrieb langsam wieder angezogen, von 45 bis auf 70 in dieser Woche, sagt der Pflegedirektor des St.-Christophorus-Krankenhauses in Werne, Ludger Risse. „Die OPs sind langsam wieder auf dem Weg in Richtung Regelbetrieb.“ Dringende OPs seien auch während der akuten Corona-Krise durchgeführt worden. Nun würden auch planbare OPs, die zunächst ausgesetzt waren, wieder durchgeführt. Abhängig von Kriterien wie etwa dem Risiko von Folgeschäden, der Schmerzsituation und sozialen Faktoren wie der Beseitigung einer Arbeitsunfähigkeit.

Das Risiko für einen erneuten Engpass besteht

1047 Erythrozytenkonzentrate (rote Blutkörperchen) hat das St.-Christophorus-Krankenhaus 2019 verbraucht. Gleichzeitig schaue man aber darauf, dass man möglichst wenig Blutkonserven benötige. Etwa durch den Einsatz sogenannter Blutrückgewinnungssysteme, die das Blut eines Patienten während der OP auffangen, wiederaufbereiten und zurück in den Blutkreislauf speisen. Bei Blutarmut werden Patienten vor der OP entsprechend therapiert, um einen möglichen Blutverlust danach zu einem gewissen Grad selber wieder ausgleichen zu können.

Doch auch Risse appelliert an die Bürger: „Man sollte definitiv spenden gehen. Es gibt kein Risiko, sich in irgendeiner Weise anzustecken. Das ist ja quasi ein Gesundheitscheck, den man bei der Blutspende mitmacht. Es gibt viele Gründe, es zu tun, aber keinen, es nicht zu tun.“ Denn zu Beginn der Corona-Pandemie habe es im Krankenhaus in Werne einen Engpass gegeben. „Und es mag ja sein, dass die Situation, wie wir sie vorher hatten, wieder eintrifft.“

Lesen Sie jetzt

Traditionell findet im Werner DRK-Heim an Ostermontag eine Blutspendeaktion statt. Doch in diesem Jahr fällt sie kurzfristig aus organisatorischen Gründen ins Wasser. Von Sylva Witzig

Lesen Sie jetzt