Bizarrer Streit ums Gartenhaus

WERNE Eine Binsenweisheit besagt: Der natürliche Feind des Menschen ist der Nachbar. Auch in Werne kommt es öfter zum Streit zwischen jener Spezies, der nicht selten vor Gericht endet. Hier ein aktueller Fall um eine Gartenlaube, die so nicht stehen darf, wie sie steht.

von Von Daniel Claeßen

, 02.07.2008, 08:11 Uhr / Lesedauer: 2 min
Rentner Gerhard Garsetz muss seine Gartenlaube abreißen.

Rentner Gerhard Garsetz muss seine Gartenlaube abreißen.

Gerhard Garsetz hatte 1997 eine Genehmigung des Bauvereins Werne erhalten, nach der er eine Gartenlaube mit dem Grundriss 3 mal 3 Meter bauen durfte. Der Rentner änderte den Grundriss auf 2,50 mal 3,50 Meter. „Das habe ich mir mündlich genehmigen lassen“, so der 60-Jährige. Da liegt das erste Problem: „Er hat nichts Schriftliches in der Hand, kann nichts beweisen“, sagt der Geschäftsführer des Bauvereins, Ulrich Brocke.

Werkzeug ja, Party nein

Das zweite Problem: Garsetz hat seine Laube um einige Anbauten erweitert. „Das einzelne Objekt ist vielleicht noch nicht genehmigungspflichtig, in der Summe sind es die Bauten aber schon“, erklärt Raimund Fischer vom Bauordnungsamt. Die Pflicht sei zudem die eine Sache, die Genehmigungsfähigkeit eine andere: „Eine Gartenlaube als Werkzeugschuppen ist in Ordnung. Ein Partyraum wie in diesem Fall jedoch nicht. Die Laube dürfte da so gar nicht stehen“, weiß Fischer.

Zureden war vergebens: Gang vors Gericht

Und der Bauverein wusste das auch. Nachdem „alles Zureden vergebens“ war, ging es vor Gericht. Der Rentner verlor und ist nun per Urteil verpflichtet, die Laube abzureißen. Klar, dass der damit nicht einverstanden ist – er pocht weiter auf seine mündlichen Vereinbarungen. Ulrich Brocke ist verärgert: „So ein Verhalten ist genossenschaftsschädigend.“ Er sieht den Bauverein mittlerweile in der Opferrolle: „Hätten wir nicht reagiert, gäbe es jetzt Probleme mit der Stadt.“ Der Geschäftsführer hat aus dem Fall gelernt: „Wir weisen bei jeder privaten Genehmigung darauf hin, dass auch das baurechtliche OK eingeholt werden muss.“ Konkrete Kontrolle gäbe es nicht. „Wie sollen wir das bei 1400 Grundstücken bewerkstelligen?“

Nachträgliches OK

Wer nun beim Nachmessen im Garten eine böse Überraschung erlebt, kann auf Kulanz hoffen: „Wir prüfen natürlich, ob es die Möglichkeit einer nachträglichen Genehmigung gibt“, so Fischer. „Manchmal geht das, manchmal aber auch nicht.“ Wie im Fall von Gerhard Garsetz. Das Problem war übrigens bekannt geworden, weil der Rentner in einen Streit verwickelt wurde - mit seinen Nachbarn.

Lesen Sie jetzt