Die einen sammeln Briefmarken, andere seltene Münzen. Doch was versteckt sich hinter Bezeichnungen wie Propolis, Mastix und Drachenblut? Benedikt Rottmann weiß es: Weihrauch.

von Julian Reimann

Werne

, 25.12.2018, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Auf dem Tisch vor Benedikt Rottmann (32) stehen kleine Holzaufsteller mit vielen verschiedenen Reagenzgläsern. Jedes enthält kleine und größere Steinchen in unterschiedlichen Farben, von gold-gelb, über rot bis hin zu schwarz. Kleine Etiketten weisen darauf hin, welche Sorte Weihrauch sich in dem schmalen Glasröhrchen befindet.

Der Erzieher aus Werne sammelt mit großer Leidenschaft Weihrauchsorten. Wer meint, dass es davon ja nicht so viele geben dürfte, kann sich von Rottmann eines besseren belehren lassen. „Ich habe mittlerweile mehr als 80 verschiedene Sorten“, erzählt er. „Es gibt aber noch weitaus mehr.“

Die Arbeit als Messdiener weckte das Interesse

Angefangen hat alles vor sieben Jahren. Damals war Rottmann, der sich noch heute in seiner Kirche als Leiter des Jugendrates und Vorstand des Pfarreirates engagiert, Weihrauchmessdiener in der Kirchengemeinde St. Christophorus. Seine Aufgabe war es, dafür zu sorgen, dass sich während der Messe der typische Weihrauchgeruch in der Kirche ausbreitet.

„Irgendwann wollte ich einfach wissen, was ich da eigentlich auf die Kohlen lege“, berichtet er von den Anfängen seines Hobbys. „Ich habe mich selber kundig gemacht und festgestellt, dass es mehrere Sorten Weihrauch gibt, mit unterschiedlichen Gerüchen.“ Danach hat er angefangen, hier und da Weihrauch zu kaufen und sich mit den unterschiedlichen Beschaffenheiten auseinander zu setzen.

Bis zu 350 Euro für das getrocknete Harz

Der „reine Weihrauch“ besteht lediglich aus dem Harz des Weihrauchbaumes, der vorwiegend in heißen und trockenen Regionen wie Afrika und dem südlichen Arabien wächst. Durch Schnitte in die Rinde wird das Harz gewonnen und getrocknet. Dadurch entstehen grobe Körner und kleine Stücke von durchscheinend braun-gelber bis rötlich-brauner Farbe.

Manche Weihrauchsorten sind beinahe schon weiß, was mit der Länge der Trockenzeit des Harzes zusammenhängt. Sowohl Qualität als auch Preis nehmen je nach Länge deutlich zu. „Ein Kilogramm Weihrauch kann auch schon mal 350 Euro kosten“, erklärt Rottmann. „In der Liturgie wird aber oft günstigerer Weihrauch verwendet, der dann nur knapp 50 Euro pro Kilogramm kostet.“

Mischung mit anderen Naturstoffen

Kostengünstigen Weihrauch kann man auch herstellen, in dem man das gewonnene Harz mit anderen getrockneten Naturstoffen vermischt und somit streckt. „Es werden häufig andere Hölzer verwendet oder getrocknete Kräuter, wie beispielsweise Lavendelblüten“, so Rottmann.

„Manches riecht dann natürlich besser als anderes.“
Benedikt Rottmann (32), Weihrauchsammler

Alleine durch diesen Vorgang entstehen bereits viele verschiedene Sorten, die beim Erhitzen unterschiedlich riechen. Der Fantasie sind beim Mischen keine Grenzen gesetzt, wie auch ein Blick in Rottmanns Sammlung zeigt: Orange, Zimt, Rosen und Akazien sind nur ein paar Zusätze, die dem Weihrauch beigemischt werden können.

„Manches riecht dann natürlich besser als anderes“, meint Rottmann. Wie bei vielen anderen Dingen geht es beim Weihrauch auch um Geschmacksache, was einem zuspricht und was nicht. Ausprobieren lohne sich aber immer, auch wenn nachher ein Reagenzglas unberührt bleibt und nur der Optik dient.

Denn im Gegensatz zu anderen Sammlern, die ihre Errungenschaften verpackt und unbenutzt drapieren, nutzt Rottmann seinen Weihrauch regelmäßig. Dafür legt er eine kleine Menge auf eine Metallplatte und stellt ein Teelicht darunter. Durch diese Form des Erhitzens verbreitet sich nur der Geruch des Weihrauches, ohne Rauch zu produzieren. „Manche sehen zwar in der Sammlung schön aus, stinken aber. Die mache ich dann nicht an.“

Sammelleidenschaft weckt Interesse bei Freunden und Bekannten

Die meisten Sorten bekommt Rottmann online im Internet. Aber auch Familienmitglieder, Freunde und Gemeindemitglieder bringen ihm regelmäßig kleine Proben mit, wenn sie auf etwas stoßen, das noch in seiner Sammlung fehlt. Merkwürdige Blicke erntet er für seine Sammelleidenschaft jedenfalls keine, sagt er.

„Die meisten finden es sehr interessant, wie viele Sorten es doch gibt.“
Benedikt Rottmann

„Die meisten finden es sehr interessant, wie viele Sorten es doch gibt“, erzählt Rottmann. „Innerhalb unserer Gemeinde machen wir mit ein paar Leuten sogar ab und zu kleine Proben in der Kirche.“ Spätestens nach sieben verschiedenen Sorten sei dann aber Schluss. „Irgendwann ist das für die Nase dann doch zu viel.“

Besonders großen Zuspruch für sein Hobby bekam Rottmann erst kürzlich: Im November wurde eine „Schall und Rauch Andacht“ in der Christophorus-Kirche veranstaltet. Knapp 130 Gäste kamen und ließen sich in die Welt des Weihrauches entführen.

Rottmann freut sich über das Interesse, auch wenn er der Meinung ist, dass nicht jeder seine Sammelleidenschaft verstehen müsse. Er selbst nimmt es auch nicht übermäßig ernst. „So viele Sorten muss ich auch gar nicht haben, dafür fehlt mir einfach der Platz“, meint Rottmann schmunzelt. Abschließend stellt sich dann nur noch die Frage nach seiner Lieblings-Sorte: „Der Weihrauch vom Kloster Evesham in Großbritannien. Den mag ich sehr gerne.“

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