Auf dem Parkplatz Auf dem Berg (Griesetorn) findet sich dieses öffentliche, behindertengerechte WC. Der Kampf um ein weiteres, innenstadtnahes und barrierefreies WC geht wieder weiter. Sehr zum Ärger des Behindertenbeirates Werne. © Jörg Heckenkamp (A)
Öffentliche Toiletten

Behindertenbeirat sauer: Entscheidung um Behinderten-WC in Werne erneut vertagt

Diskussionen und Standort und Kosten, statt Beschluss zu fassen: Zum Ärger des Behindertenbeirats geht der jahrelange Kampf um ein barrierefreies WC in der Innenstadt in Werne in die nächste Runde.

Nach jahrelangem Kampf kommt endlich Bewegung in das Thema, dachte sich Angelika Roemer, als die Installation einer neuen, behindertengerechten öffentlichen Toilette in Werne wieder auf die Tagesordnung im jüngsten Ausschuss des Kommunalbetriebs Werne gehoben wurde. Allerdings blieb es mehr oder weniger auch dabei. Denn einen Beschluss fassten die Mitglieder am 23. März noch nicht.

Sehr zum Ärger des Behindertenbeirats, wie dessen Vorsitzende Angelika Roemer erklärte: „‚Und täglich grüßt das Murmeltier‘ könnte man dazu sagen. Leider war uns klar, dass es so problemlos nicht laufen wird. Das war leider immer schon so. An einigen Stellen fängt man wieder von vorne an.“ Erneut beginnen die Diskussionen um den richtigen Standort für ein Behinderten-WC. Möglichst innenstadtnah soll es errichtet werden, darüber sind sich sowohl Politiker als auch Mitglieder des Behindertenbeirats einig.

Hier an der Konrad-Adenauer-Straße gegenüber des Horne-Centers sollte das Behinderten-WC installiert werden. Gegen diesen Standort hatten sich die Politiker allerdings ausgesprochen.
Hier an der Konrad-Adenauer-Straße gegenüber des Horne-Centers sollte das Behinderten-WC installiert werden. Gegen diesen Standort hatten sich die Politiker allerdings ausgesprochen. © Jörg Heckenkamp © Jörg Heckenkamp

Dass man sich jetzt aber gegen den Platz an der Konrad-Adenauer-Straße gegenüber des Horne-Centers entschieden hat und stattdessen eine Installation am Busbahnhof vorgeschlagen hat, sorgt bei Angelika Roemer für Kopfschütteln. „Schon beim Bau des Busbahnhofes haben wir uns damals für ein behindertengerechtes WC dort ausgesprochen. In Verbindung mit einem kleinen Kiosk wäre die Lage prädestiniert dafür gewesen.“

Behinderten-WC am Busbahnhof in Werne?

Angelika Roemer hat nichts gegen diesen Standort. Mittlerweile ist für sie zweitrangig, wo eine barrierefreie und behindertengerechte Toilette gebaut wird. Hauptsache ist, dass sie endlich überhaupt mal kommt. „Ich hätte zwar an dem vorgeschlagenen Standort festgehalten. Aber wir vom Behindertenbeirat haben auch erklärt, dass wir mit einem anderen Standort zufrieden wären. Was mich aber am meisten geärgert hat, ist die Tatsache, dass die Toilette an sich nicht infrage steht.“

Das größte Problem ist, dass die Entscheidung für ein Behinderten-WC in der Innenstadt erneut vertagt wurde. Ein Beschluss könnte es frühestens in der nächsten Ausschusssitzung geben. Und die ist im Juni. „Mit viel Glück wird dann ein Beschluss gefasst. Bis es dann zur Ausschreibung kommt und die Toilette gebaut wird, ist es relativ schnell Winter. Ob dann gebaut werden kann, ist wieder unklar. Es zieht sich wie Kaugummi. Das ist schon eine Art Verschleppung“, ärgert sich Angelika Roemer.

Neben dem Standort, der nun in Frage gestellt wurde, gab es zudem Kritik seitens der FDP an den Anschaffungskosten von 150.000 Euro. Sie könne verstehen, dass die Kommunalpolitik noch einmal genau auf die Kosten schaut und die Frage stellen muss, ob man ein selbstreinigendes WC installieren möchte, erklärt Angelika Roemer dazu. „Wenn ich dann aber höre, dass wieder über Folgekosten gesprochen wird, kann ich das nicht verstehen. Da können wir nicht wieder mit anfangen.“

Zumal bereits eine Förderung von 70 Prozent für die Anschaffung einer neuen öffentlichen Toiletten-Anlage beantragt wurde. Ein barrierefreies WC in der Innenstadt sei eine sinnvolle Investition. Vor allem jetzt, wo in der Corona-Krise weniger Möglichkeiten bestehen, etwa in einem Café oder im Stadthaus eine Toilette zu nutzen.

Dass sich die Angelegenheit nun wieder verzögert, frustriert Angelika Roemer. Eigentlich müsste man „hausieren“ gehen, um auf das Thema aufmerksam zu machen. Allerdings sind die Mitglieder des Behindertenbeirats ehrenamtlich beschäftigt. „In anderen Städten gibt es Inklusionsbeauftragte, die genau so etwas managen. Werne ist aber alles andere als inklusiv.“ Während man die Innenstadt besucht, müsste man Auswärtige eigentlich darauf hinweisen, dass man keine Toilette in der Nähe aufsuchen kann. „Das ist schon sehr traurig“, sagt Angelika Roemer.

Über die Autorin
Redaktion Werne
Studium der Sportwissenschaft. Nach dem Volontariat bei Lensing Media zunächst verantwortlich für die digitale Sonntagszeitung, nun in der Lokalredaktion Werne der Ruhr Nachrichten.
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Andrea Wellerdiek

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