Negativ-Rekord: Arbeitslosigkeit in Werne im gesamten Kreis am stärksten gestiegen

dzWirtschaft in Werne

Die Corona-Krise ist auf dem Arbeitsmarkt des Kreises Unna stark spürbar. 3000 Arbeitslose mehr zählt die Arbeitsagentur im Juli 2020 im Vergleich zum Vorjahr. Den höchsten Anstieg verzeichnete Werne.

Werne

, 30.07.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Corona-Krise hat die Wirtschaft in Werne hart getroffen. Kurzarbeit und Kündigungen mussten vereinzelt ausgesprochen werden nach dem Ausbruch der Pandemie im März und dem darauffolgenden Lockdown.

Die Arbeitsagentur Hamm, die für den Kreis Unna zuständig ist, zählt auch deshalb deutlich mehr Arbeitslose im Kreis als im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Demnach meldeten sich im Juli 2020 17.388 Menschen arbeitslos. Das sind 2958 mehr als im Vorjahr - oder umgerechnet 20,5 Prozent. In Werne sind es aktuell 918 Arbeitslose - und damit 153 mehr als im Vorjahreszeitraum (plus 20 Prozent). Das entspricht einer Arbeitslosenquote von 5,6 Prozent (im Juni 2020: 5,4 Prozent und im Juli 2019: 4,7 Prozent).

Werne mit höchstem Anstieg kreisweit

In allen Kommunen des Kreises stieg die Zahl der Arbeitslosen im Juli 2020 im Vergleich zum Vormonat an. In Werne sieht es in Werne besonders düster aus.

Die Lippestadt verzeichnet mit nun insgesamt 918 Arbeitslosen den höchsten Anstieg kreisweit: 37 Bürger mehr meldeten sich arbeitslos. Das entspricht einem Zuwachs von 4,2 Prozent zum Juni 2020. Das ist trauriger Negativ-Rekord im Vergleich zu den anderen Kommunen des Kreises.

Corona und Ferien ausschlaggebend für Entwicklung

„Die Auswirkungen der Corona-Pandemie gepaart mit dem Beginn der Sommerferien haben im Juli im Kreis Unna zu einem Plus an Arbeitslosen geführt und damit den Trend der letzten Monate fortgesetzt“, sagt Agenturleiter Thomas Helm.

Im aktuellen Bericht zeigt die Arbeitsagentur zudem mehr Anzeigen auf Kurzarbeit seit März auf. Demnach sind im Kreis insgesamt 3568 Anzeigen auf Kurzarbeit für 69.811 Beschäftigte eingegangen. Damit sind oder waren gut die Hälfte (52 Prozent) aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Kreis Unna von Kurzarbeit betroffen.

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In Werne haben die Firmen vor allem im März und April Kurzarbeit angezeigt. Laut Ulrich Brauer, Pressesprecher der zuständigen Arbeitsagentur, waren es im März 67 Anzeigen für insgesamt 962 Arbeitnehmer, im April waren es 210 Anzeigen für 1831 Beschäftigte. Im Mai waren es hingegen noch 67 Anzeigen (für 112 Beschäftigte) und im Juni 7 Anzeigen (für 155 Beschäftigte).

Bei den Anzeigen auf Kurzarbeit handelt es sich um „eine Art Selbsteinschätzung der Betriebe“, wie Brauer erklärt. Die Anzeige beruht demnach auf den zu erwartenden Arbeitsausfällen - in einem Zeitraum bis zu zwölf Monaten.

Mehr als 11.000 Beschäftigte in Kurzarbeit

Wie viel Kurzarbeit tatsächlich in Anspruch genommen wird, wird separat aufgelistet. Diese Zahlen sind immer erst drei Monate danach greifbar, erklärt Brauer weiter. Demnach gibt es erstmals seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie Zahlen über die tatsächlich genommene Kurzarbeit im März. Und diese gibt es laut Brauer nur für den gesamten Agenturbezirk (Hamm und Kreis Unna).

Dort wurden 1778 Anträge auf Kurzarbeit für 11.765 Beschäftigte gestellt. Für den Monat April rechnet Brauer mit einer deutlich höheren Zahl an Kurzarbeit. „Da wird sich sicherlich noch einmal deutlich zeigen, wie wichtig das Instrument Kurzarbeit in der Krise ist“, erklärt Brauer, der für Juli von einem Rückgang von Kurzarbeit ausgeht.

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Im Kreis gab es in der jüngsten Vergangenheit noch nie so viel Kurzarbeit wie nun zur Corona-Krise. Zur Einordnung: Im gesamten Jahr 2009 zeigten in der Wirtschafts- und Finanzkrise knapp 780 Betriebe für rund 16.600 Menschen im Agenturbezirk (Hamm und Kreis Unna) Kurzarbeit an.

Wie und in welchem Tempo sich der Arbeitsmarkt im Kreis Unna perspektivisch entwickeln wird, bleibe abzuwarten: „Bisher können wir noch nicht zuverlässig absehen, ob sich der Arbeitsmarkt noch in diesem Jahr deutlich wieder in die Vor-Corona-Richtung entwickeln wird. Vieles wird davon abhängen, welche politischen Entscheidungen nach den Sommerferien getroffen werden, sollten die Infektionszahlen weiter steigen“, erklärt Agenturleiter Thomas Helm.

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