Amazon-Mitarbeiter in Werne streiken - Kundgebung am Solebad

dzAmazon

Mitarbeiter von Amazon streiken weiter für einen Tarifvertrag und besseren Gesundheitschutz. Seit Sonntagnacht wird auch in Werne die Arbeit niedergelegt. Am Montag gab es eine Kundgebung.

Werne

, 29.06.2020, 19:10 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Online-Riese Amazon wird bestreikt. Auch im Logistikzentrum in Werne haben Mitarbeiter seit Sonntagnacht die Arbeit niedergelegt. Seit rund sieben Jahren fordert die Gewerkschaft Verdi die Anerkennung von Tarifverträgen.

Zu einer Kundgebung am Montagnachtmittag (29. Juni) gegen 15 Uhr haben sich schätzungsweise 100 Menschen vor dem Werner Solebad versammelt.

Ungewohnt: Weil für Veranstaltungen aufgrund der Corona-Pandemie strenge Auflagen gelten, findet die Kundgebung nach Vorbild eines Autokinos statt. Bei der Einfahrt werden Kontaktdaten aufgenommen.

Verdi erwartet 300 Streikende in Werne

Von Sonntagnacht bis Dienstagnacht erwartet Karsten Ruprecht, Gewerkschaftssekretär von Verdi bei Amazon in Werne etwa 300 Streikende.

Neben der Bezahlung nach dem Flächentarifvertrag des Einzel- und Versandhandels fordert die Gewerkschaft auch „gute und gesunde Arbeit“ für die Beschäftigen des Online-Riesen.

„Das ist keine neue Forderung“, sagt Ruprecht. Sie gewinne in der Corona-Krise aber an Bedeutung. Amazon könne nicht verlangen, dass Mitarbeiter den ganzen Tag über Mundschutz tragen und gleichzeitig normalen Arbeitsdruck hätten.

Dass Amazon in der Corona-Krise hunderte neue und unerfahrene Mitarbeiter einstelle und zeitgleich die Einhaltung von Abstandsregeln einfordere, sei laut Ruprecht „ein Paradoxon.“

Amazon wehrt sich gegen Tarifvertrag

Amazon hält den Forderungen der Gewerkschafter entgegen, dass die Mitarbeiter bereits „Löhne am oberen Ende dessen, was für vergleichbare Tätigkeiten gezahlt wird“ erhalten.

Auf Anfrage unserer Redaktion heißt es: „Zusätzlich profitieren Mitarbeiter von beschränkten Aktien (RSU) und weiteren Zusatzleistungen wie zum Beispiel Sondervergütungen für Überstunden, einer Lebens- und Erwerbsunfähigkeitsversicherung, Beiträgen für die betriebliche Rentenversicherung oder dem „Career Choice“-Programm, über das bis zu 95 Prozent der Kursgebühren und Literaturkosten übernommen werden.“

Arbeitsschutz für Mitarbeiter während Corona-Pandemie

Um die Mitarbeiter vor dem Coronavirus zu schützen, sind laut Amazon deutschlandweit seit Februar 470 Millionen Einheiten Handdesinfektionsmittel, 21 Millionen Paar Handschuhe, 19 Millionen Masken, Gesichtsschilder oder andere Mund-Nase-Schutze und 39 Millionen Packungen desinfizierende Wischtücher bestellt worden.

Es gebe die Maskenpflicht an allen Standorten, Temperaturkontrollen und gestaffelte Schicht- und Pausenzeiten sowie verstärkte Reinigungen.

Bundesweit betreibt Amazon 13 Logistikstandorte mit rund 13.000 Festangestellten. In Werne arbeiten rund 1500 Mitarbeiter.

„Der Streik hat keine Auswirkungen auf unser Kundenversprechen und unseren Wareneingang“, so ein Sprecher von Amazon zum Streik.

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