Streik bei Amazon Werne: Hat der Ausstand wirklich keine Auswirkungen?

Verdi

Die Gewerkschaft Verdi hat erneut zum Streik im Logistik-Center von Amazon in Werne aufgerufen. Was die Auswirkungen des wiederholten Ausstandes angeht, gibt es unterschiedliche Bewertungen.

Werne

, 02.05.2021, 16:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ende November 2020 organisierte Verdi in Werne einen Auto-Streik gegen Amazon auf dem Solebadparkplatz. Jetzt wird wieder gestreikt.

Ende November 2020 organisierte Verdi in Werne einen Auto-Streik gegen Amazon auf dem Solebadparkplatz. Jetzt wird wieder gestreikt. © Jörg Heckenkamp (A)

In der Nacht von Sonntag auf Montag hat die Gewerkschaft Verdi zu neuen Streiks in Amazon-Lagern aufgerufen. „Auch in Werne wurden wieder Hunderte Kollegen zum Streik aufgerufen“, sagt Gewerkschaftssekretär Philip Keens. Gefordert wird, dass Amazon endlich die Tarifverträge des Einzelhandels anerkennt sowie einen Tarifvertrag zu guter und gesunder Arbeit abschließt. Keens: „Bisher verweigert Amazon jegliche Gesprächsaufnahme.“

Die Behauptung seitens Amazon, dass die Streiks keine Auswirkungen haben, sei nicht richtig, sagt der Gewerkschaftssprecher: „Es gibt sehr wohl Auswirkungen wie verzögerte Bestellungen, längere Lieferfristen, Stornierungen zu Bestellungen.“

Amazon bewertet Auswirkungen ganz anders

Die Auswirkungen wertet das Unternehmen dagegen ganz anders. „Bei vergangenen Streikaufrufen haben wir keine Auswirkungen gesehen. Die Aufrufe zum Streik haben sich stets auf eine kleine Anzahl unserer 15 deutschen Logistikzentren beschränkt. Erfahrungsgemäß arbeitet selbst in diesen Gebäuden die große Mehrheit unserer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen mit viel Engagement und Leidenschaft für unsere Kunden“, teilte das Unternehmen mit. Mehr als 90 Prozent der Mitarbeiter in den Logistikzentren hätten beim letzten Streikaufruf ganz normal gearbeitet.

Jetzt lesen

Der aktuelle Arbeitskampf fällt mit dem Nationalfeiertag in Polen am 3.Mai zusammen. Die Amazon Standorte in Polen dienen Amazon als Ausweichmöglichkeit bei Arbeitskämpfen in Deutschland. So will Verdi diese „Umleitung“ verhindern. Die Genaue Anzahl an Streikteilnehmern ist noch nicht bekannt, so Verdi. Um den Corona-Verordnungen gerecht zu werden, handelt es sich um einen sogenannten „Stay at home“ Streik.

Jüngster Amazon-Streik liegt einen Monat zurück

Es ist nicht allzu lange her, dass die Gewerkschaft Verdi zum Streik am Amazon-Standort in Werne aufgerufen hat. Am 29. März 2021 war das, mitten im Ostergeschäft. Und damit knapp vier Monate nach dem vorherigen Streik Ende November 2020. Da hatte es nach einer halbstündigen Kundgebung auf dem Solebad-Parkplatz Am Hagen einen Autokorso durch die Lippestadt gegeben. Ziel des jüngsten Streikaufrufs war laut Gewerkschaft die Anerkennung der Flächentarifverträge des Einzel- und Versandhandels sowie der Abschluss eines Tarifvertrags für gute und gesunde Arbeit.

Wie Amazon am Wochenende mitteilte, rechnet man auf Seiten des Online-Versandhändlers für Montag und Dienstag (3./4. April) mit Streikaufrufen durch die Gewerkschaft. In Werne liegt der Einstiegslohn bei Amazon laut Unternehmensangaben bei 11,76 Euro brutto pro Stunde. Nach 12 und 24 Monaten steige der Lohn automatisch, heißt es.

Jetzt lesen

Lesen Sie jetzt