Altes Kaufmannshaus in der Werner Innenstadt hat einen neuen Besitzer

dzWohnen in Werne

Als Daniel Preiß das Haus in der Steinstraße zum ersten Mal sieht, ist er sofort begeistert. Kurze Zeit später kauft er die Immobilie – und möchte damit eine Botschaft an die Werner senden.

Werne

, 05.09.2020, 15:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Viele meiner Bekannten haben den Kopf geschüttelt“, sagt Daniel Preiß. „Wie kannst du denn in der Werner Innenstadt ein Haus kaufen? Das bekommst du doch gar nicht vermietet und die Läden sterben auch aus.“ Das seien die Reaktionen darauf gewesen, als er das Haus in der Steinstraße 30 in Werne kaufte.

Davon ließ sich der 38-Jährige aber nicht abhalten, das alte Kaufmannshaus zu kaufen. „Ich habe das zum ersten Mal bei einem Sonntagsspaziergang gesehen und mich direkt in das Haus verliebt, als ich den alten Flair gespürt habe“, sagt der neue Eigentümer. „Ich denke etwas über den Tellerrand hinaus.“

Daniel Preiß hat das alte Kaufmannshaus in der Steinstraße 30 gekauft.

Daniel Preiß hat das alte Kaufmannshaus in der Steinstraße 30 gekauft. © Daniel Preiß

Am Pfingstsonntag diesen Jahres habe Preiß dann auf der Bank vor dem Haus gesessen. Da sei ihm klar gewesen, dass er das Haus kaufen wolle und er hätte zuhause direkt die dafür zuständige Maklerin angerufen. Seit Ende Juni gehört dem Hammer das Haus in der Werner Innenstadt, das er renovieren lässt. Beruflich arbeitet der neue Besitzer als Vertriebsleiter.

„Immobilien sind mein Hobby“, sagt er. „Schon als Kind habe ich mich für alte Baumuster interessiert und mir Gedanken gemacht, wie sie neu gestaltet werden können.“ 2014 habe er dann sein erstes Haus gekauft: Ein Fachwerkhaus von 1682 in Lünen. Mittlerweile gehören ihm auch andere ältere Immobilien in Hamm, Kamen – und eben Werne.

Jetzt lesen

Aber wie kam Preiß dazu, gerade in Werne etwas zu kaufen? „Meine Patentante wohnt hier. Die besuche ich öfter. Sie hat mich früher schon mit ins Solebad genommen.“ Aber seine Gründe für den Kauf gehen viel tiefer. „Ich möchte etwas für Werne tun und zeigen, dass Werne schön ist und es sich lohnt, etwas zu tun. Dazu möchte ich andere motivieren. Aber es muss nicht immer viel Geld aufgewendet werden, um etwas schön zu machen.“

Für das Kaufmannshaus habe Preiß direkt eine Vision gehabt, da es eine Geschichte habe und Wärme ausstrahle. „Ich muss das machen“, habe sich der Vertriebsleiter gedacht. Also fackelte er nicht lange und begann direkt mit den Renovierungsarbeiten. Die Renovierung der rosa Außenfassade ist fast fertig, auch die Wohnung über dem Modegeschäft wird komplett saniert.

Die Wohnung soll im Januar 2021 vermietet werden

Das stoße bei den Wernern auf durchweg positive Reaktionen. „Viele Leute bleiben stehen und sagen: ‘Endlich traut sich mal einer was‘. Ich wurde auch schon wegen der Wohnung angesprochen“, sagt Preiß. Im Januar 2021 solle die 100 Quadratmeter große Wohnung mit Garten vermietet werden können.

Edelgard Aßmann, die Besitzerin des Modegeschäfts EdelBine, das sich im Erdgeschoss befindet, sei anfangs beunruhigt gewesen. „Sie hatte Angst, dass sie ihren Laden schließen müsste, nachdem das Haus verkauft werden sollte. Ich habe mich direkt mit ihr in Verbindung gesetzt und sie beruhigt, dass der Laden bleiben kann.“

Edelgard Aßmann in ihrem Modegeschäft EdelBine.

Edelgard Aßmann in ihrem Modegeschäft EdelBine. © Tobias Larisch

„Als der Vermieter vergangenes Jahr zu mir kam und meinte, dass das Haus verkauft wird, war ich geschockt“, sagt Aßmann. „Ich bin zufrieden mit dem Laden. Er ist schön und hat eine gute Lage.“ Am Ende sei sie froh gewesen, dass Preiß das Haus gekauft hat.

Ein langes Gespräch mit ihm habe der 65-Jährigen, die seit Mai 2014 den Laden betreibt, die Angst genommen. Sogar die Farbe der neuen Außenfassade durfte sie mit aussuchen. „Darüber habe ich mich sehr gefreut“, sagt Aßmann. Dass die Wohnung über ihrem Geschäft vermietet werde, sei jedoch eine Umstellung für sie.

So sieht der Laden Edelbine von innen aus. Hier wird erstmal nicht viel renoviert.

So sieht der Laden Edelbine von innen aus. Hier wird erstmal nicht viel renoviert. © Tobias Larisch

„Insgesamt bin ich zufrieden. Obwohl ich kommendes Jahr in Rente gehen könnte, werde ich noch weitermachen, solange es Spaß macht“, sagt die Ladeninhaberin. Wenn das Baugerüst weg ist, soll es auch eine Bauabschlussfeier in ihrem Laden geben. „Einen Einkaufsbummel in einer schönen Stadt kann das Internet nicht bieten“, sagt Preiß. So sieht es auch Aßmann.

Lesen Sie jetzt