Volle Kontrolle am AFG? Eltern haben bald Einsicht in Stundenpläne, Hausaufgaben, Krankmeldungen

dzDigitalisierung an Schulen

Mit einem kleinen Paukenschlag meldet sich das Anne-Frank-Gymnasium aus den Ferien zurück. Mit einer Software sollen Eltern bald den Stundenplan ihrer Kinder einsehen können. Und noch mehr.

Werne

, 19.09.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Seit rund drei Monaten ist das Anne-Frank-Gymnasium in Werne offiziell eine Digitale Modellschule. Seit Jahren werden am Gymnasium am Goetheweg iPads für die schulische Arbeit genutzt, es sind Hunderte Geräte, die aus den Rucksäcken der Schüler täglich ihren Weg in den Unterricht finden und unter anderem für Recherchezwecke eingesetzt werden.

Neben dem stellvertretenden Schulleiter Thorsten Kluger (40) gibt es zwei Medienberater am AFG. Dieses Engagement, nicht nur technische, sondern auch personelle Ressourcen für den digitalen Fortschritt zu schaffen, hat die Bezirksregierung Arnsberg nun gewürdigt und mit der Rolle als Vorzeigeschule bestätigt.

Neue Software „Untis“ liefert das Komplettpaket

Und die digitale Offensive geht noch weiter: Wie Leiter Marcel Damberg (49) und sein Stellvertreter Thorsten Kluger am Montag (16. September) im Gespräch mit unserer Redaktion berichteten, sollen Eltern in naher Zukunft die Möglichkeit haben, Änderungen im Stundenplan der Schüler, die Verteilung von Hausaufgaben und Klassenbucheinträge quasi in Echtzeit zu verfolgen.

Volle Kontrolle am AFG? Eltern haben bald Einsicht in Stundenpläne, Hausaufgaben, Krankmeldungen

Bilden das Leitungsteam am AFG: Marcel Damberg (l.) und sein Stellvertreter Thorsten Kluger. © Vanessa Trinkwald (Archiv)

Möglich macht das die Software „Untis“, über die etwa die Unterrichtsverteilung und der Vertretungsplan laufen – der digitale Stundenplan also. Auch die digitalen Klassenbücher werde man einführen, sagte am Montag Thorsten Kluger. „Wir haben die alten Klassenbücher und Kursmappen abgeschafft.“

Eltern können Stundenplan und Hausaufgaben einsehen

Was heißt das konkret für Schüler und auch Eltern? Über die Untis-App können Schüler ihren individuellen Stundenplan abrufen. Der Lehrer macht nach einer Schulstunde einen digitalen Hausaufgabenvermerk – ebenfalls in der App einsehbar. Ebenso wie mögliche Klassenbucheinträge bei Fehlverhalten.

Der Clou an der Sache: Auch Eltern werden in Zukunft die Möglichkeit haben, den Stundenplan ihres Kindes über einen eigenen Zugang einzusehen. Welches Fach hat mein Kind am Nachmittag? Welche Hausaufgaben muss es erledigen? Hat es einen Klassenbucheintrag bekommen?

Die volle Kontrolle?

Die volle Kontrolle also? „Das kann man negativ sehen“, sagt AFG-Leiter Marcel Damberg. „Aber der Schüler muss seine Eltern auch nicht mehr belügen.“ Verwaltungstechnisch sei die neue App eine riesige Erleichterung.

Und: Die Eltern haben nicht nur Einsicht in den Schulalltag ihrer Kinder, sondern auch in den der Lehrer. Wird ein Lehrer krank, fällt zum Beispiel der Mathe-Unterricht aus, sind die Eltern über die App darüber informiert. Das leidige Thema Unterrichtsausfall kann so in Echtzeit verfolgt werden.

Um den Account einzurichten, haben Eltern alsbald die Möglichkeit, ihre E-Mail-Adresse im Sekretariat der Schule zu hinterlegen. In den vergangenen Wochen habe man „Untis“ in der Schule ein- und Schüler und Lehrer an die App herangeführt.

„Das, was ich im Unterricht gelernt habe, ist verloren, wenn ich direkt nach der Schulstunde das Handy zücke.“
Marcel Damberg, AFG-Leiter

Handyverbot seit den Sommerferien

Sind die Tablets aus dem Schulalltag am AFG nicht mehr wegzudenken, herrscht seit Ende der Sommerferien ein Handyverbot beziehungsweise eine laut Damberg und Kluger „eingeschränkte Smartphonenutzung“ innerhalb des Schulgebäudes sowie der Mensa und der Sporthalle.

„Wir haben iPads, die wir benutzen. Handys sind im Unterricht nicht notwendig“, sagt Marcel Damberg und verweist auf einen lernpsychologischen Effekt: „Das, was ich im Unterricht gelernt habe, ist verloren, wenn ich direkt nach der Schulstunde das Handy zücke.“

Warum die Handys auf dem Schulhof weiterhin erlaubt sind

Die Schüler könnten das Handy im Gebäude entweder ausschalten oder sie nehmen es am besten gar nicht mehr mit zur Schule. Allein die Schüler der Q1 und Q2, die kein iPad haben, dürfen das Handy mit Erlaubnis des Lehrers im Unterricht für Recherchezwecke nutzen.

Und: Auf dem Schulhof sind Smartphones weiterhin erlaubt. „Wenn man so etwas einführt, muss man die Sanktionen auch durchführen können. Und in den Pausen sollte kein Lehrer durchs Gebüsch kriechen müssen, um zu schauen, ob ein Schüler mit dem Handy spielt“, so Damberg.

Situation ein Jahr lang beobachtet

Es habe im Vorfeld Diskussionsbedarf gegeben, sagt das Schulleitungsteam. Die Botschaft dahinter ist aber klar: „Redet lieber miteinander!“ Und: Welche Note der Schüler in der Klausur hat, könne er seiner Familie auch am Nachmittag zu Hause erzählen.

„Da muss man nicht sofort eine WhatsApp-Nachricht an die Mutter senden. Das hat zum Teil Ausmaße angenommen, das können Sie sich nicht vorstellen“, sagt Damberg, der sich die Situation am AFG nun ein Jahr lang angesehen habe.

Blick in die Zukunft

Seit dem Schuljahr 2018/19 ist Marcel Damberg als Nachfolger von Heinz-Joachim Auferoth der neue Leiter am Anne-Frank-Gymnasium. Zusammen mit Kollege Thorsten Kluger wolle man die Schule auch in Zukunft weiter vorantreiben – nicht nur beim Thema Digitalisierung, sondern auch in Sachen Demokratisierung.

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So sollen Schüler in einem ersten Schritt bei der Neueinrichtung des Pädagogischen Zentrums mitbestimmen dürfen. Auch der Europagedanke stehe weiterhin im Vordergrund, sagt Damberg, der sich gegen den Vorwurf wehrt, als Physik- und Chemielehrer nur den naturwissenschaftlichen Zweig zu stärken.

„Wir sind nicht nur MINT, sondern bieten jedem Schüler die Möglichkeit, seine individuellen Fähigkeiten zu stärken.“

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