3000 Kostüme hat Gottfried Forstmann in 30 Jahren gesammelt – sie kommen aus Italien und Syrien

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Gottfried Forstmann hat sie nicht gezählt. Aber es dürften mehr als 3000 Kostüme sein, die der langjährige Vorsitzende der Freilichtbühne Werne im Laufe seiner Zeit gesammelt hat.

Werne

, 20.07.2019, 10:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seine Leidenschaft begann vor 30 Jahren, als das erste Kinderstück (Die Rabe von den Gebrüdern Grimm) gespielt wurde. Sein Lieblingsstück bei den Kinderstücken war „Ronja Räubertochter“. Gottfried Forstmann, der Vorsitzende der Freilichtbühne, spielte den Räuberhauptmann Mattis.

Das Kostüm, das er trug, hängt noch heute im Kostümkeller an der Steinstraße in den ehemaligen Kellerräumen von Tapeten Kroes: eine richtige Lederjacke mit einer Dreiviertel-Hose. „Das ist richtig gute Qualität“, sagt er. Die Jacke ist aus echtem Leder gearbeitet und stammt von einem renommierten Theater.

Forstmann nutzt jede Gelegenheit, günstig an Verkleidungenen zu kommen. Einige Sachen stammen sogar von der Oper am Rhein, noch heute zu erkennen an den Namensschildern im Kragen. Regelmäßig besucht er den Ausverkauf der Dortmunder Theaterstätten. Einen großen Fitsch landete er im Sauerland, als ein Geschäft mit Ballkleidern schloss.

Polizei-Uniform aus Italien

Die Polizei-Uniformen brachte Forstmann von seinem Freund Carlo Pate aus Italien mit. Der Inhaber der Stockumer Pizzeria La Taverna hatte ihn zu seiner Silberhochzeit in seine Heimat eingeladen. „Ich war ganz überrascht, als er mit Polizei-Uniformen um die Ecke kam“, erinnert sich Forstmann mit Freude an die Feier. Vor einigen Jahren spielten Mitglieder der Freilichtbühne auf dem Parkplatz der Pizzeria die „Lebendige Krippe“.

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Die Große Sammelleidenschaft von Gottfried Forstmann

Seit mehr als 30 Jahre sammelt der ehemalige Vorsitzende der Freilichtbühne Werne, Gottfried Forstmann, Kostüme. Anlässlich des 60-jährigen Bühnen-Jubiläums schauen wir in seinen Bühnen-Keller.
20.07.2019
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Die Frosch-Kostüme aus Arielle.© Helga Felgenträger
Diese Hose, die heute leider nicht mehr ganz passt, trug Gottfried Forstmann bei seiner ersten Rolle: Er spielte 1987 den Räuberhauptmann Mattis aus Ronja Räubertocher.© Helga Felgenträger
Ein geheimnisvolles Kostüm.© Helga Felgenträger
Die Hühner waren gleich mehrmals im Einsatz bei Max und Moritz.© Helga Felgenträger
Die Kostüm-Ausstattung für Robin Hood.© Helga Felgenträger
Auch die Kostüme für Simba hängen sorgfältig für ihren nächsten Einsatz auf dem Bügel.© Helga Felgenträger
Die Kosakenmäntel erwarb Gottfried Forstmann in Düsseldorf an der Deutschen Oper am Rhein.© Helga Felgenträger
Die Polizei-Uniform stammt aus Italien.© Helga Felgenträger
Hier hängen die Elefanten aus Dschungelbuch.© Helga Felgenträger
Tolle Kostüme © Helga Felgenträger
Eine beliebte Requisite: Der Tiger-Kopf.© Helga Felgenträger
In einer Kiste wartet Pumbaa aus dem Stück "Simba" auf seinen nächsten Einsatz.© Helga Felgenträger
Schaufenster-Puppen sind gute Statisten.© Helga Felgenträger
Ab und zu müssen die Schaufenster-Puppen auch mal zerlegt werden.© Helga Felgenträger
Schaufenster-Puppen sind gerne bereit für eine Kostümprobe.© Helga Felgenträger
Von einem befreundeten Syrer stammt dieses Kostüm, das einst bei Hol di Fast im Elferrat zum Einsatz kam.© Helga Felgenträger
Landsknecht-Uniform mit Kopfbedeckung, Lanzen und Trommeln erwarb Gottfriied Forstmann von einem Chor in Lüdinghausen.© Helga Felgenträger
Landsknecht-Uniform mit Kopfbedeckung, Lanzen und Trommeln erwarb Gottfriied Forstmann von einem Chor in Lüdinghausen.© Helga Felgenträger
In diesem Öl-Kännchen saßen die Kinder beim Zauberer Oz.© Helga Felgenträger
Dieses Kissen steckte im dicken Bauch von Balu.© Helga Felgenträger
Von den ausrangierten Kostümen der Deutschen Oper am Rhein landeten einige sogar in Werne.© Helga Felgenträger
Auch Kommunionkleider befindet sich in der Sammlung von Gottfried Forstmann.© Helga Felgenträger
Diese Kostüme trugen die kleinen Rumpelwichte aus Ronja Räubertochter.© Helga Felgenträger
Die Brokatstoffe kamen als Vorhang zum Einsatz.© Helga Felgenträger
Ziemlich viel Platz nehmen die Rennschwein-Kostüme aus Rudi Rüssel im Kostüm-Keller ein.© Helga Felgenträger
Zwischen den Kostümen stehen immer wieder Kisten mit Requisiten.© Helga Felgenträger

Forstmann hält Augen und Ohren immer offen. Aus einer Anzeige in der Zeitung erfuhr er von der Auflösung eines Lüdinghausener Chors. Sie verkauften Landsknecht-Uniformen mit Lanzen und Trommeln. „Da haben wir zugegriffen“, sagt er. Die Ausstattung kam unter anderem beim Werner Stadtspiel zum Einsatz.

Besonders stolz ist er auf die langen Hemden aus Syrien, die ein Freund aus seiner Heimat mitbrachte. „Glücklicherweise hatte seine Mutter einen guten Draht zu den Grenzbeamten“, erzählt er. Die weißen langen Hemden trug der Bühnen-Elferrat bei „Hol di Fast“.

Schaufenster-Puppen von C&A

Die Leidenschaft geht über das Sammeln der Kostüme hinaus. Zwischen den Kleiderständern präsentieren sich unterschiedlichste Schaufenster-Puppen. Forstmann konnte sie unter anderem bei der Schließung des Modegeschäfts C&A günstig erwerben. „Sie eignen sich hervorragend für themische Darstellungen oder Dekorationen“, stellt er fest.

Länger als 30 Jahre engagierte sich Forstmann für die Werner Freilichtbühne. 2017 schlüpfte der einstige Bühnen-Vorsitzende bei der Kleinen Hexe zum letzten Mal in eine Rolle. Der Freilichtbühne ist Forstmann aber heute noch freundschaftlich verbunden.

Offizieller Kostümverleih?

Gerne hilft er mit Kostümen aus. Auch heute noch profitiert die Werner Freilichtbühne. „Die meisten Kostüme werden heute zwar von den Vereinsmitgliedern angefertigt“, sagt er. „Aber vor einem Stück kommen sie mit einer Liste vorbei und schauen, was sie gebrauchen können.“

Mindestens einmal in der Woche schaut Forstmann vorbei und sieht nach dem Rechten, dass sich kein Ungeziefer breitgemacht hat oder kein Wasserschaden aufgetreten ist. Die Kleider, Hosen, Röcke, Mäntel hängen alle ordentlich auf einem Kleiderbügel. Sofort und jederzeit einsatzbereit, denn nach jedem Einsatz werden die gebrauchten Sachen wieder zurück an ihren Platz gebracht. Ab und zu kommen auch private Anfragen, erzählt er. Aber an einen offiziellen Kostümverleih denkt er nicht. Das wäre wiederum zu aufwendig, meint er.

Verkehrsverein plant szenische Stadtführung

Nachdem der Verkehrsverein an den Roggenmarkt gezogen ist, befinden sich auch hier noch weitere Kostüme und Requisiten. Und an einem neuen Theaterstück schmiedet der Vorsitzendes des Verkehrsvereins ebenfalls: So planen die Vereinsmitglieder für 2021 ein weiteres Stadtspiel, das an 350 Jahre Grundsteinlegung Kloster zurückblicken soll.

Außerdem ist für den 20. September dieses Jahres eine Stadtführung mit szenischen Darstellungen geplant. An der Kostümwahl wird es dann nicht mangeln.

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