„300 Mark, wenn du mich K.o. schlägst“: Hans-Dieter Kunze über seine Zeit als Kirmes-Boxer

dzSimjü 2019

Wer fordert den Profi heraus? So schallte es früher über die Kirmessen. In den Boxbuden stellten sich zwei Männer zum ungleichen Duell. Einer von ihnen war Hans-Dieter Kunze (78) aus Werne.

Werne

, 30.10.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Meistens setzten sich die Kirmesboxer in dem ungleichen Kampf durch. Auch Hans-Dieter Kunze (78) aus Werne ging mehrmals als Sieger aus dem Ring. Er war von Mitte der 60er- bis Mitte der 80er-Jahre als Kirmesboxer aktiv. In vielen Städten war Hans-Dieter Kunze, der gebürtig aus Erfurt kommt, im Kirmesring.

Auch auf Simjü flogen seine Fäuste gegen die Herausforderer aus dem Publikum. Zum ersten Mal spricht der 78-Jährige beim Simjü-Seniorennachmittag am Montag, 28. Oktober, über seine Erlebnisse als Kirmesboxer.

Erst Herausforderer, dann Kirmes-Boxer

Aber wie ist er damals überhaupt zum Kirmes-Boxen gekommen? „Ich brauchte Geld“, sagt Hans-Dieter Kunze und schmunzelt. Alles begann auf einem Jahrmarkt in Lünen Anfang der 60er-Jahre. Dort sah der junge Kunze eine Boxbude. Das, was die Amateure dort oben auf der Bühne zeigten, das kann er auch, dachte er sich damals.

Seit 1955 hatte Hans-Dieter Kunze bereits als Amateur in Hamm geboxt. So stieg er als Herausforderer in den Ring. Und prompt gewann er das vermeintlich ungleiche Duell. „Ich war besser. Ich war ein guter Techniker“, erzählt Kunze.

„300 Mark, wenn du mich K.o. schlägst“: Hans-Dieter Kunze über seine Zeit als Kirmes-Boxer

Nicolai Zikolinow (Künstlername) stammte aus Herne und machte stets den „Grimmigen“ (r.). Hier schlägt er für den nächsten Kampf ein. Hans-Dieter Kunze moderiert (l.). © Rainer Schulz

Lukrative Karriere als Kirmes-Boxer

Von da an nahm seine Karriere als Kirmes-Boxer mit dem Kampfnamen „Lutz aus Hamm“ seinen Lauf. Und die war lukrativ. „Ich habe mal 300 Mark an einem Abend verdient“, erzählt der heute 78-Jährige. Damals galt: Je mehr Zuschauer dem Boxkampf sehen wollten, umso mehr bekamen auch die Amateurboxer. An manchen Abenden habe er sieben bis acht Kämpfe absolviert.

Seine Bilanz: „Das kann ich nicht mehr genau sagen.“ Nur so viel: Viele Niederlagen waren es nicht. „Ich war kein K.o-Schläger, habe aber oft nach Punkten gewonnen. Und verloren habe ich selten“, so Kunze.

„300 Mark, wenn du mich K.o. schlägst“: Hans-Dieter Kunze über seine Zeit als Kirmes-Boxer

Hans-Dieter Kunze (l.) als Rekommandeur im Kirmesring. © Rainer Schulz

Kämpfe, Parade und Wortgefechte

Die Kämpfe auf der Kirmes haben oft nur ein paar Minuten gedauert. Bis aber der Hauptkampf an einem Abend eingeläutet wurde, gab es ein großes Schaulaufen vorab. Bei der Parade zeigten sich die Amateurboxer auf der Bühne: Seilchenspringen, Fäuste gegen den Boxsack schlagen und natürlich die Wortgefechte, die im „Stabuff“ dazu gehörten.

„300 Mark, wenn du mich K.o. schlägst“: Hans-Dieter Kunze über seine Zeit als Kirmes-Boxer

Hans-Dieter Kunze als Kirmes-Boxer bei der Parade © Archiv Hans-Dieter Kunze

„Du kriegst 300 Mark, wenn du mich K.o. schlägst“ - mit solchen Versprechungen lockte Hans-Dieter Kunze manchen Herausforderer in den Ring. Hans-Dieter Kunze, drahtig und 1,70 Meter klein - hatten einige Zuschauer unterschätzt.

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Wenn er selbst nicht im Ring stand, dann sorgte er als Rekommandeur dafür, die Besucher anzulocken. „Komm raus, du Feigling!“, hieß es da gerne. Ende der 70er-Jahre hatte auch eine Frau in Bonn sich Mut angetrunken und einen Amateur herausfordern wollen. „Was die Männer können, kann ich auch, sagte sie“, erzählt Hans-Dieter Kunze. Danach zog sie ihr Shirt aus, zeigte wie die Amateure auch ihren Brustumfang.

Es ist eine von vielen kuriosen Geschichten, die Hans-Dieter Kunze über seine Zeit als Kirmes-Boxer erzählen kann. Und mit dem Geld, das der einstige Bergmann mit dem Boxen auf dem Jahrmarkt verdiente, bezahlte er sein erstes Auto: einen Ford Taunus.

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