Dieser Radius beschreibt einen 15-Kilometer-Umkreis ausgehend vom Werner Marktplatz. © Eva-Maria Spiller
Coronavirus in Werne

200er-Inzidenz in Werne: So sieht der 15-Kilometer-Radius um die Stadt aus

Überschreitet der Kreis Unna die 7-Tages-Inzidenz von 200, dann kommen auf die einzelnen Kreisstädte eingeschränkte Bewegungskreise von 15 Kilometer im Radius zu. Was das für Werne dann bedeutet, lesen Sie hier.

Von vielen erwartet und dann doch nicht gekommen: Als die neue Coronaschutzverordnung vergangene Woche veröffentlicht wurde, hatte wohl die Mehrheit damit gerechnet, dass darin auch der viel diskutierte 15-Kilometer-Radius enthalten sein würde. Sprich: Überschreiten eine kreisfreie Stadt oder ein Kreis die 7-Tages-Inzidenz von 200, kommt auf die Einwohner eine Bewegungseinschränkung von maximal 15 Kilometern ab Wohnortgrenze zu. Doch davon war in der Schutzverordnung dann doch nicht die Rede.

Am späten Montagabend (11. Januar) dann hat das Land NRW nachgelegt und für die Kreise Höxter, Minden-Lübbecke, Recklinghausen und den Oberbergischen Kreis mit Inzidenzen über 200 einen entsprechenden Bewegungsradius verhängt. In der Verordnung, die bis zum 31. Januar gültig ist, heißt es: „Personen, deren Wohnsitz oder gewöhnlicher Aufenthaltsort in einem in Absatz 1 genannten Gebiet [oben genannte Kreise, Anm. d. Red.] liegt, dürfen dieses Gebiet nur verlassen, soweit dabei ein Umkreis von 15 Kilometern Luftlinie ab der Grenze des eigenen Heimatorts (politische Gemeinde) nicht überschritten wird.“

Inzidenz im Kreis Unna liegt Dienstag bei 153,5

Die 7-Tages- oder auch Wocheninzidenz für den Kreis Unna lag am Dienstag bei 153,5 und damit 11,4 Punkte niedriger als noch am Montag, wie aus den aktuellen Zahlen des Landeszentrums für Gesundheit in Bochum hervorgeht. Die Kreisinzidenz beziehungsweise Stadtinzidenz für kreisfreie Städte ist entscheidend für alle Maßnahmen, die das Land NRW für Kreise und kreisfreie Städte ab dieser Inzidenz festlegt. Auch wenn Werne nach eigenen Berechnungen einmal darüber liegen sollte: Entscheidend ist immer die Inzidenz des Kreises.

Der 15-Kilometer-Bewegungsradius spannt sich dann aber der Landesverordnung nach um die einzelnen Wohnorte. Für Werne bedeutet das grob: Hinter Ascheberg, Ameke, Hamm, Bönen, Lünen, Selm und einem Teil von Unna ist dann Schluss. Das, wenn man den Werner Marktplatz als Startpunkt des 15-Kilometer-Radius zugrunde legt. In der Verordnung aber gilt die jeweilige Stadtgrenze als Startpunkt für den Luftlinien-Radius.

Wann Kreis und Stadt Werne sich intensiver mit dem Thema beschäftigen werden, ist aktuell noch unklar. „Wir beobachten die Lage genau und setzen uns frühzeitig mit dem Ministerium und der Bezirksregierung zusammen, sobald dies erforderlich ist, um weitere Maßnahmen abzusprechen“, sagt der Sprecher des Kreises Unna, Max Rolke, am Dienstagmorgen. Im Moment gebe es noch keine Informationen, wie die Städte mit diesem Fall umgehen würden, sagt die Ordnungsamtsleiterin Kordula Mertens am Dienstagmittag. „Sobald sich das in die Richtung bewegt, würden wir uns damit beschäftigen.“

Kreispolizeibehörde bezeichnete Lage aus „durchaus schwierig“

Auch, wie es dann um die entsprechenden Kontrollen steht, ist derzeit noch offen. Die Kreispolizeibehörde in Unna hatte vergangene Woche erklärt, dass diese Lage „durchaus schwierig“ sei. In einem gewissen Maße werde man sich an entsprechenden Bewegungskontrollen beteiligen, so Pressesprecher Bernd Pentrop. Aber nur, wenn die Ordnungsbehörden der Städte entsprechenden Bedarf in Sachen Amts- und Vollzugshilfe signalisierten.

Auch für das Werner Ordnungsamt ist noch unklar, wie entsprechende Kontrollen aussehen könnten. Etwa im Hinblick auf dann nötige Bescheinigungen, die dann relevant werden. Bescheinigungen vom Arbeitgeber seien sicher nicht schwierig, wie es aber um die Bescheinigung anderen Ausnahmen steht – etwa Schul- und Kitafahrten, Besuch von Familienangehörigen oder Fahrten aus gewichtigen Gründen – sei aktuell noch unklar, so Kordula Mertens.

Weitere Ausnahmen: dienstliche oder ehrenamtliche Besorgungen, Dienste der Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderungen und die Inanspruchnahme von medizinischen, pflegerischen und nicht-freizeitbezogenen Dienstleistungen. Immer in Abhängigkeit davon, ob diese Dinge auch unter der jeweils aktuellen Coronaschutzverordnung zulässig sind. „Manche Sachen kann man nachweisen, bei anderen wird es schwierig“, so Mertens.

Land NRW behält Inzidenzen in Kreisen und Städten im Auge

Sollte sich der Kreis Unna in die Nähe der 200er-Inzidenz bewegen, würde dieser gemeinsam mit den kreisangehörigen Städten und der Bezirksregierung Münster Kontakt aufnehmen. Das Land prüft die „Erforderlichkeit und Angemessenheit“ dieser 15-Kilometer-Regel in den Kreisen und kreisfreien Städten fortlaufend. Würde der Kreis Unna die 200er-Grenze überschreiten, würde das Land eine entsprechende Verordnung über den Kreis verhängen.

Sobald man in dieser Liste aufgeführt wäre, würde es in Absprache mit Kreis und Bezirksregierung um die konkrete, praktische Umsetzung der Kontrollen gehen, so Mertens. Immer nach Bedarf und bei Neuregelungen schalten sich die Ordnungsämter der Kreisstädte und des Kreises zusammen, um kreisweit einheitliche Lösungen zu finden, so die Ordnungsamtsleiterin. Das erwartet Mertens auch beim Thema Impfen und der 15-Kilometer-Regel, sobald dies akut werde. Wann das sein wird, ist aktuell allerdings noch unklar.

Über die Autorin
Redakteurin
Gebürtige Münsterländerin, seit April 2018 Redakteurin bei den Ruhr Nachrichten, von 2016 bis 2018 Volontärin bei Lensing Media. Studierte Sprachwissenschaften, Politik und Journalistik an der TU Dortmund und Entwicklungspolitik an der Philipps-Universität Marburg. Zuletzt arbeitete sie beim Online-Magazin Digital Development Debates.
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Eva-Maria Spiller

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