Benjamin Siegert ist kein Fan des Videobeweis. © Johanna Wiening
Fußball: Landesliga

Videobeweis im Amateurfußball: „Das macht ein Stück weit den Fußball kaputt“

Die Pläne der FIFA sind zwar noch nicht ganz ausgereift. Aber fest steht: Die Verantwortlichen wollen eine „Light-Version“ des Videobeweis auch in den Amateurligen installieren. Die Reaktionen sind kritisch.

Im Profi-Fußball scheiden sich am Videobeweis die Geister. Manche sagen, die Installation macht den Fußball gerechter. Andere sagen aber auch: Das Chaos wird so noch größer. Die FIFA ist offensichtlich Fan des Videobeweis, denn sie will ihn nun auch in den Amateurligen installieren. Natürlich wird es im Gegensatz zum Videobeweis in der Bundesliga eine Art „Light-Version“ geben. Bei einigen Trainern stößt allerdings auch das auf deutliche Kritik.

„Es ist natürlich nochmal neuer und zusätzlicher Aufwand, das sieht man ja schon alleine in der Bundesliga“, sagt Benjamin Siegert, Trainer des SV Herbern. „Ich finde es da schon wirklich ziemlich grenzwertig, wie lange das manchmal in der Situation dauert. Da stehen die Spieler fünf, sechs Minuten auf dem Platz, ohne das etwas passiert.“

Deswegen hat er zu einem Videobeweis in den unteren Ligen auch insgesamt eine eindeutige, sehr kritische Meinung. „Ich finde, das macht den Fußball schon sehr kaputt“, urteilt der SVH-Coach. „Das sind ja die Sachen, über die man auch nach den Spielen als Fan oder Zuschauer gerne bei einem Bierchen diskutiert. Ich glaube als Fan magst du sowas nicht – in den unteren Ligen halte ich es deswegen für Quatsch.“

Eine positive Sache kann er dem Ganzen dann am Ende aber doch abgewinnen. „Am Ende entscheidet das Ganze ja über Sieg und Niederlage und kann auch das Tabellenbild beeinflussen“, sagt Benjamin Siegert. „Und wenn es dann fair ist, kann niemand etwas sagen und sich beschweren.“

Lars Müller, Trainer des Werner SC, sieht den Videobeweis in den Amateurligen ebenfalls kritisch. „Ich weiß nicht, ob es in der Landesliga notwendig ist“, so der Coach unsicher. „Selbst in der Bundesliga, wo man alles perfekt abbilden kann, gibt es die Diskussionen.“

Ein weiterer schwer vorstellbarer Punkt ist für Müller die Umsetzung. „In der Bundesliga hat man 14 Kameras, auf die man ohnehin zugreifen kann. Da ist das einfacher“, so der Trainer. „Ich wüsste nicht, wo man zum Beispiel bei uns im Lindert 14 Kameras installieren soll.“

Deswegen kommt Lars Müller zu einem eindeutigen Schluss. „Es ging selbst in der Bundesliga viele Jahre lang ohne den Videobeweis“, sagt er. „Deswegen kann ich mir nicht vorstellen, dass sich der Aufwand lohnt, nur um in der Landesliga zu entscheiden, ob es Abseits war oder nicht.“

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Geboren im Münsterland, aber schnell verliebt in den Ruhrpott. Mit dem Herzen vor allem beim Fußball, aber auch begeistert von vielen anderen Sportarten. Seit 2018 bei Lensingmedia, seit 2020 Sportredakteurin.
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Johanna Wiening

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