Der SV Herbern ist Benjamin Siegerts erste Trainerstation. © Jura Weitzel
Fußball

Herberns Trainer Benjamin Siegert: „Hab jetzt nicht vor, Bundesligatrainer zu werden“

Als Spieler hat sich Benjamin Siegert unter anderem bei Preußen Münster und Wehen Wiesbaden einen Namen gemacht. Die Erfahrung nutzt er nun bei seiner ersten Trainerstation beim SV Herbern.

Es war im Frühjahr 2020 schon eine kleine Überraschung, als Benjamin Siegert als neuer Trainer beim Fußball-Landesligisten SV Herbern vorgestellt wurde. Schließlich war ist es Siegerts erster Trainerposten. Doch seine Erfahrung hilft ihm – auch in Sachen Feingefühl.

Seinen Anfang nahm die Geschichte laut Siegert im Januar 2020 beim Davertpokal. „Im Gespräch mit Holger Möllers (damaliger Trainer des SV Herbern, Anm. d. Red.) sagte er, dass er aufhören möchte. Da hab ich ein paar Infos reingeholt, wie das Team und der Verein so sind“, sagt Siegert rückblickend. Möllers war es dann auch, der den Namen des ehemaligen Bundesligaspielers beim SVH ins Rennen brachte.

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So richtig geplant gewesen sei das Ganze nicht. Auch wenn Siegert in der Saison 2017/18 einen Trainerschein gemacht hat. „Ich dachte damals, wer weiß, wofür ich den mal brauche. Also ich hab jetzt nicht vor, Bundesligatrainer zu werden“, erzählt der 39-Jährige.

Pausenrückstand sorgt für Karriererückblick

Doch nicht nur der Trainerschein hilft ihm bei seiner ersten Station an der Seitenlinie. Vor allem auf seine jahrelange Erfahrung im Profifußball kann Siegert zurückgreifen. Unter anderem auch, was Feingefühl angeht. Zum Beispiel das Landesligaspiel Anfang September gegen die SG Borken. Kurz vor der Halbzeit kassierten die Herberner hier den 0:1-Gegentreffer.

„Da machst du dir schon so Gedanken, was man jetzt in der Pause macht. Wir haben bis dahin kein gutes Spiel gemacht, Torwartfehler gehabt“, erklärt Benjamin Siegert. Er erinnerte sich dabei zurück an einen damaligen Trainer und eine ähnliche Situation: „Der sagte damals, dass das ein Scheißspiel von und sei und wir eine Scheißhalbzeit gezeigt hätten. Aber auch, dass wir hier sind, um 90 Minuten Fußball zu spielen.“

Er musste da die Entscheidung treffen, ob er auf die Mannschaft draufhaut oder es als Trainer ruhiger und gelassener nimmt. Am Ende hat er scheinbar die richtigen Worte gefunden: Herbern drehte das Spiel und gewann am Ende mit 2:1. Insgesamt hat Siegert inzwischen den Dreh raus, wie er mit den Spielern umgehen muss: „Ich hab jetzt Erfahrung da gesammelt, dass man mit dem ein oder anderen vor dem Spiel klar reden muss, ob er spielt oder nicht, und über Kleinigkeiten.“

Die Mischung aller Trainer

Auch wenn Siegert sich im Spiel gegen Borken an einem ehemaligen Trainer orientierte – ein richtiges Vorbild hat er nicht: „Ich hab in meiner langen Zeit als Fußballer schon einige Trainer erlebt. Ich hab mir da das Beste herausgezogen, aber nur Nuancen. Am Ende muss jeder schon seinen eigenen Stiefel als Trainer spielen.“

Es sei bei ihm eher die Mischung aller Trainer, auf die er da baut: „Ich hab jetzt keinen Trainer, bei dem ich sagen würde, dass er mir jetzt alles neu beigebracht hat. Dann wäre er nicht Trainer in der zweiten oder dritten Liga gewesen, sondern Nationaltrainer.“

Keine Erfahrung, auf die er zurückgreifen kann, ist allerdings gerade der Umgang mit der Corona-Pandemie. Doch auch hier scheint er das passende Maß gefunden zu haben: „Es ist wichtig, die Spieler alle bei Laune zu halten, dass sie die Lust nicht verlieren.“ Aktuell sei dies aber sehr, sehr schwer, gibt Siegert zu. Zum Ausgleich hat das ganze Team ein Zoom-Meeting organisiert, nur, um etwas zu reden und die Mannschaft zusammenzukriegen.

TRAINER IM PORTRAIT

In unserer Serie „Trainer im Portrait“ haben wir mit allen heimischen Coaches gesprochen. Was macht sie aus? An welchem Trainer orientieren sie sich? All das und viel mehr erfahren Sie hier.

Über die Autorin
Freie Mitarbeiterin
1993 in Werne geboren. Habe Geschichte und Religionswissenschaften an der Ruhr-Uni Bochum studiert. Seitdem ich 15 bin bei Lensing Media: Angefangen in der Lokalredaktion Werne, inzwischen fast nur noch als Freie Mitarbeiterin in der Stadtredaktion Dortmund.
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Verena Schafflick

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