Benjamin Siegert kann sich eine Saisonfortsetzung nicht mehr wirklich vorstellen. © Jura Weitzel
Fußball

Die heimischen Trainer erwarten den Abbruch: „Die Situation ist ekelhaft“

Viele hatten damit gerechnet, dass der FLVW in seiner Pressekonferenz den Abbruch der Saison verkünden wurde. Die heimischen Trainer sind genervt vom Hin und Her.

Seit über fünf Monaten standen die heimischen Fußballer nicht mehr auf dem Platz. Dennoch ist die Saison offiziell noch nicht beendet. Als der Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen am Montag zu einer Online-Pressekonferenz lud, war vielen Vereinsvertretern eigentlich schon klar: Jetzt wird abgebrochen. Das ist aber nicht passiert.

Stattdessen hofft der Verband weiterhin, die Saison zumindest in einigen Ligen noch durchziehen zu können. Nun kommt es wohl darauf an, ob der bis zum 18. April andauernde Lockdown noch weiter verlängert werden sollte oder es dann neue Lockerungen gibt.

Mario Martinovic, Trainer von Eintracht Werne, glaubt nicht, dass es nochmal weitergeht. „Ich denke, wir warten jetzt bis zum 18. April und werden dann wirklich abbrechen. Mir fehlt die Vorstellung, dass es nochmal weitergehen kann“, sagt er.

Mario Martinovic glaubt nicht, dass nochmal gespielt wird. © Helga Felgenträger © Helga Felgenträger

Eigentlich will Mario Martinovic gerne weiterspielen. „Es ist ja jetzt meine letzte Saison als Cheftrainer, die hätte ich schon gerne vernünftig beendet“, sagt er. „Die Jungs würden auch gerne wieder spielen. Aber ich kann ihnen ja auch nicht mehr sagen. Die Situation ist einfach ekelhaft.“

„Ich könnte deren Laufzeiten auch noch schaffen“

Damit seine Mannschaft fit ist, wenn es wieder los geht, hat er ihnen nun einen Laufplan gegeben. „Wenn wir wirklich in die Vorbereitung gehen, wollen wir möglichst schnell wieder den Ball am Fuß haben“, so Martinovic. Lachend fügt er hinzu: „Bei einigen hat die Fitness schon nachgelassen – da könnte ich deren Laufzeiten auch noch schaffen.“

Der SV Herbern hat von Trainer Benjamin Siegert schon vor vielen Wochen einen Laufplan bekommen. „Da habe ich höchsten Respekt vor den Jungs. Die ziehen das alle sehr gut durch – ich weiß nicht, ob ich das als Spieler geschafft hätte“, sagt er und lacht.

Auch ihm fällt das Hin und Her im Bezug auf die Saison immer schwerer. „Es ist schon sehr anstrengend – für den Verein, wie auch für die Jungs“, gibt Siegert zu. „Aber ich denke, wir müssen jetzt einfach von Tag zu Tag schauen. Ich möchte nicht in der Haut der Entscheider stecken.“

Dass die Saison noch einmal fortgesetzt wird, kann er sich allerdings nicht vorstellen. „Ich glaube sowieso nicht, dass die Zahlen jetzt runtergehen“, sagt Benjamin Siegert. „Und wenn man ganz ehrlich ist: Fußball ist einfach so weit weg wie nie aktuell.“

Lars Müller geht davon aus, „dass nichts mehr passiert“

Das sieht auch Lars Müller, Trainer des Werner SC, so. Im Hinblick auf eine endgültige Entscheidung bleibt er gelassen: „Ich finde es gerade ehrlich gesagt gar nicht so anstrengend, weil ich davon ausgehe, dass nichts mehr passiert und wir nicht mehr spielen.“

Lars Müller und der Werner SC bräuchten noch einige Spiele, um die 50 Prozent zu erreichen. © Jura Weitzel © Jura Weitzel

Auch mit einigen Spielern habe er bereits darüber gesprochen. „Ich denke, es sind sich alle einig, dass die Saison abgebrochen wird. Und wann das dann verkündet wird von offizieller Seite, ist ja erstmal egal“, ist sich Lars Müller sicher über den weiteren Verlauf.

Und was, wenn es dann doch nochmal weitergehen sollte? Da hat Lars Müller ebenfalls eine klare Meinung: „Also das ist doch klar: Wenn ein Wunder kommt, nehmen wir es gerne.“

Jürgen Welp, Trainer des SV Stockum, war bis zum Mittwochnachmittag nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

Über die Autorin
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Geboren im Münsterland, aber schnell verliebt in den Ruhrpott. Mit dem Herzen vor allem beim Fußball, aber auch begeistert von vielen anderen Sportarten. Seit 2018 bei Lensingmedia, seit 2020 Sportredakteurin.
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Johanna Wiening
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