Daniel Rafalski ist ein echter Elfmeterkiller. © Jura Weitzel
Fußball

Der Elfmeter wird 130 Jahre alt: Daniel Rafalski und Enes Akyüz erzählen von ihrer Sicht

Der Torwart hat statistisch gesehen in Dreivierteln aller Fälle das Nachsehen beim Strafstoß. Daniel Ralafski und Enes Akyüz von Eintracht Werne sprechen über ihre Sicht vom Elfmeterpunkt.

Der Ball liegt ruhig auf dem Punkt, Spannung liegt in der Luft. Einige Zuschauer halten kurz die Luft an als der Pfiff des Schiedsrichters die Stille unterbricht. Der Schütze läuft an und… „Trifft natürlich“, sagt Enes Akyüz, Elfmeterspezialist von Eintracht Werne ganz selbstverständlich. „Wenn der Elfer gut geschossen ist, kann da auch ein Manuel Neuer nix machen – egal, ob da jetzt ein Kreisligaspieler schießt oder ein Bundesligaspieler.“ Schließlich sei das Tor mehr als sieben Meter breit und der Ball nur elf Meter davon entfernt.

In diesem Wissen schießt Akyüz seit mehr als zehn Jahren die Elfmeter für seinen Verein und habe dabei „nur eine Handvoll verschossen“ – „Meistens gegen den Pfosten oder daneben“, weil er es zu genau machen wollte. „Ecke aussuchen, anlaufen und das Ding rein hauen“, lautet sein Motto. Auf „die Psychospielchen der Torhüter“ lasse er sich grundsätzlich gar nicht erst ein.

Genau davon macht sein Keeper Daniel Ralafski „sehr gerne mal Gebrauch“. „Auf der Linien einen Schritt weiter nach rechts oder nach links stellen, einfach mal schauen, ob der Schütze sieht, dass ich ihm eine Ecke anbiete, und dann bekomme ich meistens schon ein Gefühl, wo der Ball hingehen könnte“, lässt sich der Elfmeterheld aus dem Kreispokalspiel gegen den FC Overberge in die Karten schauen.

Mit drei gehaltenen Elfmetern hatte Rafalski seine Eintracht im vergangenen August im Wettbewerb gehalten. „Ich versuche immer so lange stehen zu bleiben wie möglich und dem Schützen so spät wie möglich zu zeigen, wo ich hin springe“, sagt er.

Das habe den Vorteil, dass sich manche Elfmeterschützen davon verunsichern lassen. „Als Keeper kannst du bei Elfmetern nur gewinnen. Jeder erwartet vom Schützen, dass er das Ding verwandelt“, bringt es Rafalski auf den Punkt. Dementsprechend sei es „nicht nur Glück, wenn ein Torwart regelmäßig Elfer killt“. Das habe neben dem Quäntchen Glück auch durchaus mit Beobachtung und Gespür zu tun.

Seinen Kapitän Enes Akyüz sieht die Sache ein wenig anders: „Es gibt keinen Keeper, der Elfmeterkiller ist. Das liegt dann am Schützen, der schlecht geschossen hat.“ In einem anderen Punkt gibt er seinem Torwart Ralafski aber Recht: „Jeder erwartet von dem, der antritt, dass er auch verwandelt.“

Daher hätten Elfmeter „viel damit Selbstsicherheit zu tun und damit, wie man sich fühlt“, findet Akyüz. „Wenn du weißt, dass du zwei der letzten drei Elfer verschossen hast, gehst du mit einem anderen Gefühl zum Punkt, als wenn du seit Jahren jedes Mal auch getroffen hast.“

Standardspezialist Enes Akyüz weiß wovon er spricht. Im vergangenen Jahr hatte der sonst so treffsichere Eintracht-Kapitän eine „Elferflaute“. Innerhalb von drei Monaten habe er gleich zwei Strafstöße gegen den Pfosten gesetzt: „Ein fürchterliches Gefühl“, gibt er zu und habe sich beim nächsten Elfmeter darauf konzentriert sich davon nicht verrückt machen zu lassen.

Diesen Tipp geben auch viele Sportpsychologen Elfmeterschützen. Die Statistik gibt ihnen Recht: Schützen, die sich zwischen dem Pfiff des Schiedsrichters und dem Schuss noch mal einen Moment Zeit nehmen, um sich zu konzentrieren, sind erfolgreicher als Spieler, die gleich nach dem Pfiff antreten. Ihre Trefferquote liegt bei über 80 Prozent.

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