Zur Mannschaft der SpVg Werne gehörten (von links): Rahmig, Brüggemann, Schlütermann, Poetsch, Harhoff, Brandstetter, Seifert, Schmidt, Böger, Stanislawski, Linker, Balcerzak. Das Foto ist mit freundlicher Genehmigung dem Buch von Theo Heitbaum „Wo Kumpelkinder gegen Bauernblagen pöhlten“ entnommen. © Archiv
Fußball

Als die SpVg Werne in einer Liga mit einem Bundesligisten spielte

Auch heute ist der Werner SC der erfolgreichste Verein in der Werner Fußballlandschaft. Dass sein Vorgängerverein gegen einen Bundesligisten spielte, daran werden sich wohl die wenigsten erinnern.

Können Sie sich vorstellen, dass eine Werner Fußballmannschaft einmal mit dem heutigen Bundesligisten Arminia Bielefeld in einer Klasse gespielt hat? Diese Frage würden wahrscheinlich mindestens 95 Prozent der Sport- und Fußball-Interessierten der Lippestadt mit einem klaren „Nein“ beantworten.

Klaus Poetsch, der heute in Bergkamen lebt, aber kann diese Frage mit einem ganz bewussten „Ja“ beantworten. Sein Onkel Friedrich „Fritz“ Poetsch gehörte jener Mannschaft der SpVg Werne – dem Vorgängerverein des Werner SC – an, die in der Saison 1948/49 in der damaligen Landesliga Westfalen Gegner von Arminia Bielefeld gewesen war.

„Onkel Fritz hat mir davon erzählt“, erinnert sich Klaus Poetsch, dass sein Onkel und dessen Söhne Herbert und Harald ebenfalls bei der SpVg Werne mit dem Fußball begonnen hatten.

Fritz Poetsch war Mittelläufer oder Stopper, wie die Spieler mit der Nummer Fünf damals im WM-System alle hießen. „Und er war ein sehr guter“, weiß Klaus Poetsch aus Erzählungen. Der ehemalige SpVg-Kicker Klaus Harhoff hat Fritz Poetsch selbst noch im Werner Freiherr-vom-Stein-Stadion spielen sehen: „Ich kann mich noch an einen Elfmeter erinnern, den er so hoch übers Tor geschossen hat, dass der Ball im Garten von Zahnarzt Dr. Nossel gelandet ist.“

Und auch über den Verein hinaus war Fritz Poetsch kein Unbekannter. 1949 war er zusammen mit Josef Tamsel und Konstantin Wingenfeld vom Westdeutschen Fußballverband mit der Goldenen Ehrennadel ausgezeichnet worden.

Die SpVg Werne stieg auf und direkt wieder ab

Doch die SpVg Werne hat einige spannende Geschichten zu erzählen. Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges hatte die SpVg zunächst in der Dortmunder Bezirksklasse gespielt und war 1947 in die Staffel Münster gewechselt. Dort hatten sich die Werner auf Anhieb den Titel und damit den Aufstieg in die Landesliga gesichert. Das war die höchste westfälische Amateurliga nach der 1947 gegründeten Oberliga West.

Sieben Spiele hatten die Werner Kicker damals in einer 14er Gruppe gewonnen, 13 verloren und sechsmal Unentschieden gespielt – bei einem Torverhältnis von 28:51 und 20:32 Punkten. Das reichte jedoch nicht zum Klassenerhalt, denn der VfL Altenbögge hatte mit 21:31 Zählern einen Punkt mehr geholt. So stieg die SpVg Werne als Drittletzter nach nur einer Saison wieder ab, zusammen mit Oelde 09 und VfJ 08 Paderborn.

Meister der Gruppe wurde die bereits angesprochene Arminia Bielefeld. Damit stiegen die Bielefelder in die Oberliga West auf, die ein Jahr zuvor mit Vereinen wie Borussia Dortmund, Schalke 04, Fortuna Düsseldorf und RW Oberhausen, aber auch mit heute fast unbekannten Vereinen wie TSG Vohwinkel 80, Preußen Dellbrück, Hamborn 07, SpVg Erkenschwick, Spfr. Katernberg, STV Horst-Emscher oder VfL Witten gegründet worden war.

Zu den Gegnern der Werner gehörten damals auch TuRa Bergkamen, VfB Lünen 08 und BV Brambauer. Diese Nachbarvereine waren leicht zu erreichen. Aber Gegner der Werner waren neben Arm. Bielefeld mit TuS Lübbecke, Teut. Lippstadt, VfB Bielefeld, TSV Detmold, FC Höxter, VfJ Paderborn und Oelde 09 weitere sieben Mannschaften aus Ostwestfalen, so dass weite Fahrten nötig waren – und Autos gab es ja noch nicht viele.

Die SpVg Werne spielte nach diesem „Ausflug“ in den Spitzenbereich des westfälischen Fußballs 1950 in der 2. Landesliga und belegte Platz fünf, doch ein Jahr später wurde diese Klasse aufgelöst.1953 verstieß der Verein gegen Verbandsbestimmungen und wurde zum Abstieg verurteilt. Danach ging es in der Bezirksliga weiter.

Alles begann aber mit dem BV Werne 16

Doch noch vor der SpVg Werne gab es den BV Werne 16. Der älteste Vorgängerverein des heutigen Werner SC war der 1916 gegründete BV Werne 16, der sich zwei Jahre später in SV Werne 16 umbenannte. 1920 fusionierte dieser mit dem TV Werne 03, ein Jahr später wurde diese Fusion allerdings schon wieder aufgelöst.

Nachdem 1925 der VfK Werne 25 von Zechenbeamten gegründet worden war, spielten die beiden Werner Vereine in der zweitklassigen 1. Bezirksklasse, ehe sie 1936 zur SpVg Werne fusionierten. Ab 1961 spielte der Verein nach der Fusion mit dem SV Werne 16 als SSV Werne, seit 1999 und der Fusion mit den Sportfreunden Werne heißt der Verein Werner SC.

Zwei Nationalspieler kommen vom Werner SC

Zur Werner Fußballgeschichte gehört auch, dass die A-Jugend 1966 Vize-Westfalenmeister geworden war. Das Endspiel hatten die Werner mit 1:4 gegen den VfL Bochum verloren. Zur Mannschaft gehörte dabei unter anderem der als Fußball-Kommentator im Fernsehen bundesweit bekannte Hansi Küpper. Mit Lars Müller, dem heutigen Trainer der Landesliga-Elf des Werner SC, Theo Homann und Marvin Pourie spielten drei Werner in der Bundesliga, Müller bestritt neun Länderspiele in der U21-Nationalmannschaft, Pourie stand achtmal im Team der deutschen U18.

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