Westfälisch urig, so lässt sich der Gasthof „Zur alten Post“ in Ammeloe wahrscheinlich am treffendsten beschreiben. Den Gast erwarten dort einige Überraschungen, nicht nur aus der Küche.

Vreden

, 03.08.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 5 min

Vom Kring führt der Weg ebenerdig direkt in die Gaststube. Neben der schweren, mit Facetten eingefassten, hölzernen Eingangstür hängen zwei Schilder. Auf dem einen steht „Dortmunder Kronen Bier“, auf dem anderen „Sinalco“.

In dem Gasthof gibt es also ein Bier, das in der hiesigen Region längst nicht alltäglich ist. Und auch Sinalco gibt es nicht überall, es ist bei uns ebenfalls eher selten. Was es damit auf sich hat, erklärt Wilhelm Tegeler, Senior in dem heute von seinem Sohn Sebastian (32) geführten Familienbetrieb später.

„Zur alten Post“ in Ammeloe: Bodenständigkeit und leckeres Essen ohne viele Schnörkel

Sebastian Tegeler am Biergarten seines Gasthofes. © Markus Gehring

Wer den Gasthof betritt, der muss auf das Ambiente achten. Über alte Kacheln unter den Füßen erreicht man den Gastraum mit seinem gemütlichen Tresen. Links davon geht es zu den Tischen. Zwei mächtige, alte und wahrscheinlich eichene Buffet-Vitrinen mit altem Porzellan fallen dabei sofort ins Auge. Man fühlt sich direkt, wie in einer Bauernstube vergangener Tage. Bestuhlung und Tische unterstützten den Eindruck dabei ebenso wie die Leuchten an der Decke, die allerdings etwas mehr Licht auf den Tisch geben könnten.

<

Die freundliche Bedienung zeigt uns unseren Tisch und ist etwas später auch schon mit den bestellten Getränken da. Das alkoholfreie Hefeweizen stellt sich dabei als Edelweissbier aus dem Allgäu heraus. Ein „Büble Bier“ (3,80 Euro, 0,5 Ltr.) und durchaus zu empfehlen. Weiter gibt es Tango (0,3 Ltr. zu 2,60 Euro), Pepsi Cola (2,80 Euro, 0,33 Ltr.) und Apfelsaft (2 Euro für 0,2 Ltr.)

„Zur alten Post“ in Ammeloe: Bodenständigkeit und leckeres Essen ohne viele Schnörkel

"Zur alten Post" gehört natürlich eine Postkutsche an der Wand. © Markus Gehring

Für Sonntag, 17 Uhr, ist es nicht nur in Tegelers Biergarten voll, auch im Restaurant sind die Tische besetzt. Nebenan isst eine zehnköpfige Gruppe Radfahrer. Uns gegenüber - an der Sprache klar zu erkennen - eine Gruppe Holländer, was im Grenzraum nicht unbedingt verwundern muss. Und weiter hinten im Saal schaut gerade ein Pärchen in die Speisekarte.

„Zur alten Post“ in Ammeloe: Bodenständigkeit und leckeres Essen ohne viele Schnörkel

Ebenerdig geht es vom Kring in die Gaststube. © Markus Gehring

Das tun wir auch und werden schnell fündig. Passend zum gewonnenen Eindruck, in einer westfälischen Bauernstube bewirtet zu werden, bestellen wir es westfälisch deftig. Vorab bringt uns die Servicekraft ein Brettchen mit drei Sorten Brot, Kräuterbutter und einem Knoblauch-Dipp als Starter auf Kosten des Hauses.

„Zur alten Post“ in Ammeloe: Bodenständigkeit und leckeres Essen ohne viele Schnörkel

Drei Sorten Brot mit Kräuterbutter und Knofi-Dip gab es vorab. © Bernd Schlusemann

„Zur alten Post“ in Ammeloe: Bodenständigkeit und leckeres Essen ohne viele Schnörkel

Carpaccio mit Pfifferlingen - eine leckere Variante der Vorspeise. © Bernd Schlusemann


Die Vorspeisen

Beim Studieren der Speisekarte ist uns schon aufgefallen, dass die Küche saisonal verschiedene Gerichte mit Pfifferlingen anbietet. Da bietet es sich natürlich an, einmal das Carpaccio mit Salat und Pfifferlingen (14,90 Euro) zu probieren. Genau die richtige Wahl. Hauchdünn geschnittenes Rinderfilet, dazu Salat und Hartkäse allein sind schon ein Genuss. Die warmen Pfifferlinge dazu haben das Ganze aber zu einer besonderen, empfehlenswerten Komposition gemacht.

„Zur alten Post“ in Ammeloe: Bodenständigkeit und leckeres Essen ohne viele Schnörkel

Die Tomatencremesuppe überzeugte mit dem intensiven Geschmack von frischen Tomaten. © Bernd Schlusemann

Und auch die Tomatencreme (4,90 Euro) weiß zu überzeugen. Tomatig fruchtig, wie man so sagt, aus frischen Zutaten, cremig und einfach lecker, um es auf den Punkt zu bringen.

Die Hauptspeisen

Bei den Hauptspeisen gehört in diesem Ambiente natürlich etwas deftiges aus der Pfanne dazu. Die Schlemmerpfanne (19,50 Euro) wird mit einem perfekt medium gebratenen Rumpsteak mit tollen Röstaromen serviert.

„Zur alten Post“ in Ammeloe: Bodenständigkeit und leckeres Essen ohne viele Schnörkel

Die Schlemmerpfanne © Bernd Schlusemann

Die beiden Schweinemedaillons sind ebenfalls außen schön angebraten, hätten aber etwas früher aus der Pfanne gehört. Bratkartoffeln und Pfannengemüse runden die üppige Pfanne ab. Beim Pfannengemüse fällt sofort auf, dass es sich dabei nicht, wie oft üblich, um Tiefkühlware handelt. Im Gasthof „Zur alten Post“ wird das Gemüse noch selber geputzt und zubereitet.

„Zur alten Post“ in Ammeloe: Bodenständigkeit und leckeres Essen ohne viele Schnörkel

Pfifferlinge mit Kräuter-Rührei - lecker. © Bernd Schlusemann

Bei der zweiten Hauptspeise gehen wir es fleischlos an und bestellen Pfifferlinge mit Rührei und Blattsalat (15,20 Euro). Es kommt ein großer Teller mit einer guten Portion gebratenen Pfifferlingen. Das Rührei dazu ist perfekt mit Kräutern abgestimmt und wird am Tisch in den höchsten Tönen gelobt.

„Zur alten Post“ in Ammeloe: Bodenständigkeit und leckeres Essen ohne viele Schnörkel

Der Lendchenteller, dazu gab es Pommes und Champignonrahmsoße. © Bernd Schlussemann

Der Lendchenteller (14 Euro) wird mit drei großen Stücken Schweinelende gereicht. Dazu gibt es Pommes und eine intensiv nach frischem Pilz schmeckende Champignonrahmsoße. Diesmal sind die Medaillons genau zum richtigen Zeitpunkt auf den Teller gekommen und bieten einen saftig-zarten Fleischgenuss. Für den Gast mit großen Hunger gibt es diesen Teller bei Tegeler auch noch in XL für 18,50 Euro.

„Zur alten Post“ in Ammeloe: Bodenständigkeit und leckeres Essen ohne viele Schnörkel

Die Schnitzelpfanne mit zwei "kleinen" Schnitzeln. © Bernd Schlusemann

Sicher ein viel gefragter Haus-Klassiker ist die Schnitzelpfanne (15,50 Euro) im Gasthof „Zur alten Post“. In der Karten steht zwar „zwei kleine Schnitzel“, doch von „klein“ sind die panierten Schnitzel weit entfernt. Eher kann man sagen, sie brauchen die ganze Pfanne. Das verwundert aber auch nicht. Für den großen Hunger gibt es in der alten Post nicht XXL- sondern Monsterschnitzel. Auf Vorbestellung erreichen die bis zu fünf Kilo. Ach ja: Zu den Schnitzeln gab es Bratkartoffeln und die schon beschriebene Champignonrahmsoße.

Das Dessert

Wer große Schnitzel isst, braucht kein Dessert mehr. Den Eindruck könnte man gewinnen, wenn man nach der Karte für süßes fragt. Darauf steht nur Eis in den verschiedensten Variationen. Aber die Kellnerin lächelt und ergänzt: „Wir haben auch Herrencreme“.

„Zur alten Post“ in Ammeloe: Bodenständigkeit und leckeres Essen ohne viele Schnörkel

Die Herrencreme. © Bernd Schlusemann

Die hat ordentlich Blockschokolade mit einen Klecks Sahne obendrauf und schmeichelt dem Gaumen im Dreiklang mit etwas Rum. Wer Herrencreme mag, sollte diese testen. Oft ist das Puddingpulver mit Vanillegeschmack eindeutig zu erkennen. Bei Tegeler bin ich mir nicht sicher, ob die Herrencreme nicht sogar klassisch und mit viel mehr Aufwand mit Milch, Vanilleschote und Eigelb zubereitet wurde.

Die Speisekarte

Zweifelsfrei bietet die Karte für jeden etwas. Bei den Suppen ist das nicht nur die Tomatencremesuppe, es gibt auch eine Zwiebelsuppe „Oma Elli“ (4,90 Euro) oder die Münsterländer Senfsuppe mit Baconwürfeln (4,90 Euro).

Bei den Vorspeisen lockt die gebratene Geflügelleber mit Blattsalaten in Vinaigrette (8,90 Euro) ebenso wie der Herrentoast mit Rumpsteak und Röstibrot (11 Euro). Schnitzel, Steak, Geschnetzeltes, Hähnchenbrust - die Auswahl bei den Hauptgerichten ist groß, die Preise reichen von 13,80 Euro für die Hähnchenbrust im Knuspermantel auf Bandnudeln bis zu Rumpsteak Strindberg unter Zwiebel-Senf-Kruste für 24,50 Euro.

„Zur alten Post“ in Ammeloe: Bodenständigkeit und leckeres Essen ohne viele Schnörkel

Der Salat zum Rührei. © Bernd Schlusemann

Die Auswahl an Steaks (auch vom Black Angus) ist gut und man hat die Wahl zwischen zarten 250 Gramm oder 500 Gramm. Die Preise bewegen sich zwischen 23 und 42 Euro. Schnitzel vom Schweinerücken gibt es ebenfalls in diesen Grammzahlen. Sie kosten je nach Beilagen zwischen 7,50 und 14,80 Euro.

Bis 800 Gramm haben die Burger in dem Gasthof am Kring in Ammeloe. Die Preise bewegen sich zwischen 10,50 Euro für den Crispy Chicken Burger und 24 Euro für den 800 Gramm „Hamburger Rustikal“. Wer Fisch liebt, kann wählen zwischen Scholle mit Shrimps und Speck (17,70 Euro) oder Kabeljaufilet auf Dijon Senf Soße für 24,60 Euro.

Jetzt lesen

Schon auf der Karte hat die Alte Post Wildspezialitäten. Los geht es mit Wildragout mit hausgemachten Spätzle und Apfelrotkohl für 14.30 Euro, über Reh- und Wildschweinbraten (17,40 bzw. 16,80 Euro) sowie Sauerbraten von der Hirschkeule (20,80 Euro) bis zur Wildpfanne mit Reh, Wildschwein und Hirsch (21,90 Euro).

Natürlich geht es auch vegetarisch. Der Veggie Burger kostet 9,80 Euro und die Nudelpfanne 10,50 Euro. Für Kinder gibt es eine eigene Karte mit Gerichten zwischen Preisen von 4,20 bis 5 Euro.

Einige Seiten der Karte wechseln ständig. Spargel, Pfifferlinge, Wild - je nach Jahreszeit gibt es eine Aktualisierung für die saisonalen Gerichte und Zutaten.

„Zur alten Post“ in Ammeloe: Bodenständigkeit und leckeres Essen ohne viele Schnörkel

Das "Büble" ist alkoholfrei. © Bernd Schlusemann

Die Getränke

Die Preise kann man als ortsüblich bezeichnen, das Angebot allerdings nicht, wie unsere kleine Auswahl zeigt. Pepsi und Sinalco sind ebenso nicht überall zu haben wie das Büble. Weinliebhaber sollte sich beraten lassen. Auf der Karte steht nur rot oder weiß...

Die Preise

Überraschen. Für vier Personen mit zwei Vorspeisen, vier Hauptgerichten und zwei Nachspeisen plus Getränken haben wir 115,90 Euro bezahlt. Das war bei unserer Auswahl nicht zu teuer. Der Blick in die Karte zeigt, dass es Gerichte zu kleinen Preisen ebenso gibt wie leckeres höherpreisiges.

Das Fazit

Ganz klar, im Gasthof „Zur alten Post“ hat die bodenständige Küche „ohne unnötige Schnörkel“ wie es auf der Homepage steht, das Sagen. „Genießen bei Freunden“ heißt das Motto von Sebastian Tegeler und Team. Und das schafft der Koch in jeder Hinsicht. Schön dabei, dass in dem Gasthof viele meist unsichtbare Details Freude machen. Sei es, dass das Besteck mit Baumwollhandschuhen poliert und eingeräumt wird oder die im Biergarten servierten Glasflaschen mit Schraubverschluss. Als ein Anbieter beispielsweise nur noch Kunststofflaschen für seine Cola anbot, hat Sebastian Tegeler kurzerhand die Marke gewechselt. Daher jetzt das große Pepsi-Schild am Eingang. Kunststoffabfall zu vermeiden, das versucht der Koch auch in anderen Bereichen. Verpackt gekaufte Burger-Brötchen gibt es bei Tegeler daher nicht. Hier backt der Koch noch selber. Auch die Kroketten zu den Gerichten werden selber gemacht und nicht aus der Tiefkühltruhe genommen. „Ich habe vor 16 Jahren doch nicht drei Jahre Koch gelernt, um jetzt Tiefkühlprodukte zu verwenden“, meint Sebastian Tegeler. Er will „ein gutes Produkt“ für seine Kunden. Die wissen das offenbar zu würdigen und scheuen den Weg ins eigentlich etwas abgelegene Ammeloe nicht. Wir jedenfalls fühlten uns bestens betreut und lecker bekocht.
Barrierefreiheit

Das Restaurant ist barrierefrei erreichbar. Ebenso die Toiletten, die in jüngster Zeit renoviert wurden und einen sehr gepflegten Eindruck machen.

Anfahrt und Parken

In Ammeloe einfach Richtung Kirche fahren und dann direkt am Kring. Parken dürfte an kein Problem sein, auch wenn man vielleicht ein paar Schritte gehen muss.

Das sagt das Netz

Bei facebook gibt es 4,8 von fünf Sternen. Ein Gast schreibt: „Sehr leckeres Essen Und super Bedienung. Außerdem sehr toll eingerichtet. War heute das erstmal da aber nicht das letzte!“

Bei Tripadvisor gibt es 4,5 Punkte. Das sagt ein Gast: „Sehr netter und aufmerksamer Service, die Wiener Schnitzel (vom Kalb) und in Butterschmalz ausgebraten, einfach so wie sie sein sollten.“

„Zur alten Post“ in Ammeloe: Bodenständigkeit und leckeres Essen ohne viele Schnörkel

Der Gasthof "Zur alten Post" ist urgemütlich im Stil einer alten Bauernstube eingerichtet. © Markus Gehring

Restaurant Info

Gasthof „Zur Alten Post“

Ammeloe Kring 28, 48691 Vreden

Tel.: +49-2564 9797 4

Internet: https://zur-alten-post-ammeloe.de

Mail: mail@zur-alten-post-ammeloe.de

Lesen Sie jetzt