Die Sekundarschule Vreden hat zwei Bewerber. Weil der Schulausschuss ein anderes Votum abgegeben hat als die Schulkonferenz, herrschen jetzt Ärger und Enttäuschung in der Schulkonferenz. © Markus Gehring
Sekundarschule Vreden

Zoff wegen Schulleiterstelle: Schulkonferenz fühlt sich übergangen

Es gibt zwei Bewerber um die Leitung der Sekundarschule Vreden. Schulkonferenz und Kommunalpolitik haben unterschiedlich abgestimmt. Eltern und Schüler sind enttäuscht und wollen Antworten.

Zwei Bewerbungen gibt es um die Leitung der Sekundarschule Vreden. Die Schulkonferenz hat sich für die Bewerberin ausgesprochen, die auch an der Schule tätig ist, der Schulausschuss der Stadt für den externen Bewerber.

An sich tagen beide Gremien nicht-öffentlich, aber Knut Milas, Elternpflegschaftsvorsitzender, hat die Entscheidungen öffentlich gemacht. Weil er „schwer enttäuscht“ ist, sagt er im Telefonat mit der Redaktion.

Er empfindet das Votum der Kommunalpolitiker als Respektlosigkeit gegenüber dem einstimmigen Votum der Schulkonferenz, die sich aus je sechs Schülern, Eltern und Lehrkräften zusammensetzt. „Auch die Stimme eines Kindes zählt. Dass das so mit Füßen getreten wird – da fehlen mir die Worte“, ist Knut Milas auch zwei Tage nach der Schulausschusssitzung fassungslos.

Denn bislang sei es in Vreden immer, zuletzt auch bei der Besetzung der Leitungsstelle am Georgianum, gelebte Praxis gewesen, dass der Schulausschuss dem Votum der Schüler, Eltern und Lehrer folge.

Als Elternpflegschaftsvorsitzender ist der Vredener in der Schulkonferenz vertreten, als sachkundiger Bürger für die UWG im städtischen Ausschuss für Bildung, Sport und Kultur. In beiden Gremien wurde geheim abgestimmt. Und aus den nicht-öffentlichen Sitzungen der kommunalpolitischen Ausschüsse dringt im Normalfall auch keine Entscheidung nach draußen. Knut Milas hat sich in der Sitzung am Montag bei dem Tagesordnungspunkt für befangen erklärt und nur als Besucher teilgenommen, wie er betont.

„Die Schüler waren total motiviert“

Dennoch entschied er sich, mit einem Leserbrief im „Vredener Anzeiger“ die Entscheidung öffentlich zu machen und zu kritisieren. Den Kommunalpolitikern riet er darin, sich zu schämen. „Wir haben uns intensiv Gedanken gemacht. Die Schüler waren total motiviert“, blickt er zurück. Dass „so ein gewichtiges Votum“ kein Gehör finde, kann er nicht fassen. Auch wenn er und die Schulkonferenz wissen, dass letztlich die Bezirksregierung in Münster die Entscheidung über die Schulleitung trifft – unter Berücksichtigung der Entscheidungen beider Gremien.

Es ist Knut Milas wichtig zu betonen, dass die Entscheidung der Schulkonferenz nicht gegen den Mitbewerber ging. Sondern für die Lehrerin, die seit langem an der Sekundarschule aktiv ist. „Sie hat viele Konzepte eingebracht, ist prädestiniert für die Stelle und sie ist beliebt“, zählt der Vredener auf. Nach der persönlichen Vorstellung beider Kandidaten habe es aber keine Stimme für den Bewerber gegeben, fasst er das Ergebnis der geheimen Abstimmung zusammen.

Sich zu schämen – dafür sieht Markus Windmeier, der Vorsitzende des Schulausschusses, keinen Anlass. Der Schulausschuss sei ein komplett unabhängiges Gremium, aus dem Querschnitt der Bevölkerung zusammengesetzt. „Es hat die Legitimation, anders abzustimmen“, betont Markus Windmeier, der für die SPD im Stadtrat sitzt.

„Da geht Vertrauen verloren, da wurden Grenzen überschritten“

Dass Knut Milas eine Entscheidung aus einer nicht-öffentlichen Sitzung bekannt gemacht habe: „Das geht gar nicht. Da geht Vertrauen verloren, da wurden Grenzen überschritten“, sagt er dazu. Aus der nicht-öffentlichen Sitzung, bei der sich beide Bewerber persönlich vorgestellt haben, werde er nichts erzählen. Außer, dass es eine tadellos geführte Sitzung gewesen sei.

„Und ich kann aber wiederholen, was ich eingangs gesagt habe“, verrät Markus Windmeier doch etwas: „Dass wir zwei hervorragende Bewerber um die Schulleitung haben. Dass wir stolz darauf sein können, so starke Bewerber zu haben, während andere Kommunen Schulleiterstellen gar nicht besetzen können.“

Bürgermeister: „keine Fehler unterlaufen“

Bürgermeister Tom Tenostendarp habe, wie er auf Anfrage der Redaktion sagt, auch an beiden Sitzungen teilgenommen. Inhaltlich dürfe und werde er sich nicht dazu äußern. Nur zum Verfahren in der Schulausschusssitzung könne er so viel sagen: Da seien seiner Ansicht nach keine Fehler unterlaufen. Die Stadt sei an das Votum des Schulausschusses gebunden und werde dies auch in einer Stellungnahme an die Bezirksregierung weitergeben.

Im Übrigen verhalte es sich mit den Stellungnahmen so, dass der Schulausschuss auch durchaus ein Votum hätte abgeben können, ohne dass die Schulkonferenz schon zu einem Ergebnis gekommen wäre. Eine zeitliche Reihenfolge sei da nicht vorgegeben. Tom Tenostendarp betont: „Die Bezirksregierung entscheidet alleine.“

Die Bezirksregierung in Münster ist letztlich die Behörde, die über die personelle Besetzung von Schulleiterstellen entscheidet. Die Bewerber durchlaufen ein bestimmtes Verfahren. In die Entscheidungsfindung der Verantwortlichen fließen auch die Stellungnahmen von Schulkonferenz und der Kommunalpolitik mit ein. Genauso läuft es auch im Verfahren für die Sekundarschule.

Schüler haben Brief an alle Verantwortlichen geschickt

Um die Verantwortlichkeiten weiß auch Knut Milas. Trotzdem: Bei den Vertretern der Schulkonferenz herrsche größte Unruhe, er habe zustimmende Reaktionen erhalten, dass er die Diskussion angestoßen habe. Der Elternpflegschaftsvorsitzende weiß, dass die Schüler das Thema nicht ruhen lassen wollen. Sie haben einen Brief an den Bürgermeister und die Fraktionsvorsitzenden und die Bezirksregierung geschrieben. Sie wollen Antworten.

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Anne Winter-Weckenbrock

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