Zecken in Aktion – Vredener Mediziner weisen auf die Gefahren hin

dzParasiten-Alarm

Sie sind winzig und doch hochgefährlich, können schlimme Krankheiten auslösen: Biologen befürchten sogar ein richtiges Zecken-Jahr. Mediziner aus Vreden berichten von ihren Erfahrungen.

Vreden

, 25.04.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach dem milden Winter und den warmen Frühlingstagen haben Zecken auch in Vredens Natur schon Hochsaison, sind auf der Suche nach einem geeigneten „Wirt“, mit dessen Blut sie ihr eigenes Überleben sichern. Das können Tiere wie Hund, Katze, Pferd, aber eben auch Menschen sein. Und gerade jetzt suchen alle das Kontrastprogramm zur Corona-Zwangspause in der Natur.

Haben die nur ein bis zwei Millimeter großen Tierchen erst einmal Blut „geleckt“, also zugestochen, können sie gefährliche Erreger in den Organismus ihres Wirtes einschleusen. Fälschlicherweise ist oft vom Zeckenbiss die Rede, eigentlich aber sind es Stiche. Das Fatale: Zecken verfügen über ein eigenes „Betäubungsmittel“, sodass ihr Stich erst einmal unbemerkt bleibt.

Gefährliche Erreger werden eingeschleust

Ob Stich oder Biss, unangenehm kann es für den Betroffenen in jedem Fall werden. Die bekannteste Krankheiten, die Zecken übertragen können, sind die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und die Borreliose. Beide können dramatische gesundheitliche Probleme auslösen. Zwar liegt Vreden nicht in einem FSME-Epidemie-Gebiet, wohl aber in einer Borreliose-Gefahrenregion.

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Kinderarzt Dr. Rolf Gehlhaar hat in diesem Frühjahr in seiner Praxis noch keine Häufung der Zecken-Stiche festgestellt, geht aber von einer steigenden Tendenz aus. Und ein Thema sind Zecken, oder vielmehr die Konsequenzen ihrer Aktivitäten, für den Arzt ohnehin. Ein bis zwei Fälle mit Kindern, die von einer Zecke gestochen wurden, erlebt er im Durchschnitt pro Woche. Während der Zeit, in der die Tierchen Saison haben, also etwa von April bis Oktober, je nach Witterung.

Wichtig bei einem Zeckenstich: der Arztbesuch

Sollte es zu einem Biss kommen, rät er dazu, in jedem Fall einen Arzt aufzusuchen: Dann kann die Zecke professionell entfernt, die Einstichstelle mit einer antibakteriellen Salbe versorgt werden und bei Bedarf ein Wundverband angelegt werden.

In jedem Fall empfiehlt er, die Stelle zu beobachten. Ob zum Beispiel eine so genannte „Wanderröte“ auftritt, die ein Hinweis auf Borrelien sein kann. Antikörper-Tests seien allerdings erst rund fünf Wochen nach dem Stich nachweisbar und nicht zu hundert Prozent aufschlussreich.

Das große Problem aber: „Borreliose ist ein Chamäleon“, sagt Dr. Gehlhaar. Einmal war es ein Kind „mit einem komischen Hautausschlag“, ein anderes Mal ein Jugendlicher „mit einem hängenden Augenlid“. In beiden Fällen war eine Borreliose die Ursache. „Bei unklaren Symptomen sollte man daher stets auch an Borreliose denken“, sagt der Kinderarzt.

Frühzeitige Behandlung verhindert Schlimmeres

Das Wichtigste sei nämlich, frühzeitig zu (be-)handeln, um ein Ausbreiten und einen chronischen Verlauf der Krankheit zu stoppen. Eine Impfung aber, wie sie gegen FSME möglich ist, gibt es gegen Borreliose nicht. Und auch eine FSME-Impfung hält er nur vor einer Reise in belastete Gebiete für sinnvoll. „Dann aber die ganze Familie.“

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Allgemeinmediziner Gotthard Falcke (Praxis Tausendfreude/Falcke) empfiehlt ebenfalls den sofortigen Arztbesuch: „Das ist auch trotz Covid-19 sinnvoll.“ Bei rund 30 Patienten seiner Praxis wurden im letzten Jahr Borrelien festgestellt, zwei erkrankten schwer.

Passende Kleidung gibt Sicherheit

Wie sein Kollege Gehlhaar hält auch er die passende Kleidung für den richtigen und wichtigen Schutz gegen Zecken, die vorzugsweise im Gras sitzen. Wer lange Hosen, langärmelige Oberteile, am besten hohe Schuhe trägt und die Hosenbeine in die Socken steckt, ist schon mal auf der recht sicheren Seite. Nach einem Spaziergang sollten zudem Kleidung und Körperstellen abgesucht werden. Angeboten werden auch spezielle Abwehrsprays in den Apotheken.

Außerdem hat Dr. Gehlhaar, der auch als Jäger aktiv ist, noch einen Rat und einen Wunsch, um Zecken aus dem Weg zu gehen: „Gerade jetzt in der Setz- und Brutzeit sollte man Spaziergänge durchs hohe Gras, insbesondere durch Naturschutzgebiete, und erst recht mit Hund, meiden.“

Ein kleiner Stich und seine Folgen

  • Zecken produzieren kein eigenes Gift. Gefahr geht von den Erregern aus, die sie transportieren können. Die verbreitetsten Krankheiten sind FSME und Borreliose.
  • Die Lyme-Borrelisoe ist eine Erkrankung, die durch Bakterien (Borrelien) ausgelöst wird. Die Symptome und der Verlauf sind sehr unterschiedlich (Kopfschmerzen, Fieber, Übelkeit, Muskelkater usw.). Behandelt wird sie mit Antibiotika.
  • Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) kann ähnlich unspezifische, oft grippeähnliche Symptome hervorrufen. In diesem Fall sind Viren die Auslöser, die mitunter einen schweren Krankheitsverlauf bewirken.
  • Probleme machen aber verstärkt auch „eingewanderte“ Arten wie die „braune Hundezecke“, die sich in Wohnräumen massenhaft verbreiten kann. Zwar soll sie weder FSME noch Borreliose übertragen, aber dafür andere gefährliche Infektionen.
  • Ähnliches gilt auch für die riesige, fast zwei Zentimeter große Hyalomma-Zecke, die 2019 für Aufsehen sorgte. Die durch Zugvögel importierte Zecke hatte bei einem Pferdehalter aus dem Raum Siegen Fleckfieber ausgelöst.
  • Weitere Informationen gibt es auf der Internetseite des Zecken-Radars.
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