Schulministerin Gebauer in Zwillbrock: Lehrermangel, Inklusion, Masken

dzBildungspolitik

Die Landesministerin für Schule und Bildung Yvonne Gebauer ist auf Einladung der FDP nach Vreden gekommen. In Zwillbrock sprach sie nicht nur über die Herausforderungen der Corona-Pandemie.

Zwillbrock

, 31.08.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eine halbe Stunde zu spät tauchte Yvonne Gebauer, Landesministerin für Schule und Bildung, am Freitag bei der FDP-Veranstaltung „Beste Chancen durch Bildung“ in Zwillbrock auf. Doch dafür gab es von den 25 geladenen Gästen – darunter FDP- und CDU-Mitglieder, Lehrer und Eltern – Verständnis. „Wir sind froh, dass sie mitten in der stressigen Corona-Pandemie überhaupt kommt“, sagte Christel Kovermann, Ortvorsitzende der Vredener FDP.

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Nach ein paar Späßchen über die unmittelbare Nähe der Grenze – „Ich habe meinem Fahrer gesagt, er soll nicht zu weit weggehen. Nicht, dass er nachher noch in Quarantäne muss.“ –, sprach die Ministerin direkt ernste Themen an. Es ging um den Lehrermangel, Inklusion und die Digitalisierung.

Yvonne Gebauer: „10.000 Lehrkräfte fehlten“

„Als ich 2017 anfing, mussten wir erst einmal eine neue Lehrerbedarfsprognose erstellen“, erzählte die FDP-Politikerin. Die vorliegenden Zahlen seien acht Jahre alt gewesen. Die neuen Daten haben sie „schnell in die Realität geholt“. 10.000 Lehrkräfte fehlten, vor allem in den Bereichen Grundschule und Förderschule.

„Eines der Probleme war, dass wir zu wenig Studienplätze angeboten haben. Zwei von drei Bewerbern wurden abgelehnt“, berichtete Yvonne Gebauer. Die Landesregierung habe deshalb 700 neue Studienplätze ins Leben gerufen. Aber auch ihr sei natürlich bewusst, dass es schwer wird, diese Lehrer in die ländlichen Gebiete zu holen. „Sie wollen oft in der Nähe der Uni bleiben.“

Förderschulen sollen bleiben, Inklusion aber auch

Beim Thema Inklusion vertrat Yvonne Gebauer einen Standpunkt, der viele Vredener freuen dürfte: „Wir müssen aufhören, Förderschulen zu schließen. Es gibt Kinder, die wir trotz allen Möglichkeiten nicht im Regelschulbetrieb betreuen können.“ Die Felicitasschule ist 2015 nur knapp einer Schließung entkommen, jetzt ist sie so beliebt, dass die Schülerzahlen begrenzt werden.

Doch die Landesministerin meinte auch: „Inklusion ist ein Menschenrecht. Schüler und Eltern haben ein Recht auf eine inklusive Beschulung.“ Deswegen sollen in den kommenden Jahren noch mehr Sonderpädagogen an Schulen eingesetzt werden, Lehrer werden entsprechend weitergebildet. 6000 zusätzliche Stellen sollen dafür entstehen.

Vreden möchte auch Fördermittel für Digitalisierung

Handlungsbedarf sah die FDP-Politikerin auch bei der Digitalisierung. Aktuell gibt es Fördermittel, damit alle Schüler einen Laptop oder ein Tablet für den digitalen Unterricht bekommen. Auch die Lehrer werden in NRW ausgestattet.

Und doch hatte Bernd Kemper, Erster Beigeordneter der Stadt Vreden, Kritik mitgebracht. „Wir haben bereits all unsere Schulen mit Glasfaser ausgestattet“, erklärte er. Deswegen könne die Stadt nun die Fördermittel aus dem Digitalpakt nicht mehr abgreifen. „Kann man das nicht umschichten, damit wir das Geld für etwas anderes nutzen können?“ Yvonne Gebauer hatte zwar direkt keine Antwort parat, versprach aber, das Problem mit nach Düsseldorf zu nehmen.

Yvonne Gebauer erklärt die Maskenpflicht im Unterricht

Zum Abschluss der Veranstaltung kam das Thema Maskenpflicht auf den Tisch. „Eigentlich hatten wir uns schon gegen eine Maskenpflicht im Unterricht ausgesprochen“, blickte die Landesministerin zurück. „Doch dann stiegen die Infektionszahlen. Ich habe die Verantwortung für 2,5 Millionen Schüler und 200.000 Lehrer.“

Die Situation sei sicher für niemanden angenehm gewesen. „Aber der Unterricht war machbar“, meinte Yvonne Gebauer. Es sei das Ziel gewesen, den Präsenzunterricht möglich zu machen. „Denn im Distanzunterricht hätten wir zu viele Kinder verloren.“

Gisela Huning, Schulleiterin der Vredener Sekundarschule, hatte dafür auch Verständnis und meinte: „Ich habe großen Respekt vor den Schülern, dass die diese Gängelei so mitmachen.“ Dem konnte Yvonne Gebauer nur zustimmen: „Die Kinder meistern das mit Bravour.“ Doch auch sie ist froh, dass die Maskenpflicht im Unterricht nun erst einmal wieder Geschichte ist.

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