Immer wieder hielt sich der Angeklagte auf dem Gelände des Antoniusheims in Vreden auf, obwohl er Hausverbot hatte. © MLZ
Wohnungslosenhilfe

Wohnungslosenhilfe kämpft mit Corona-Problemen – Antoniusheim als Vorbild

Das Leben Wohnungsloser ist ohnehin schwierig, Corona stellt sie jetzt vor weitere Probleme. Das Antoniusheim in Vreden stellt für eine Einrichtung in Münster ein Vorbild in dieser Situation dar.

Viele Belastungen bringt die Pandemie für wohnungslose Menschen mit sich. Die verschärften Hygienekonzepte erschweren die Integrationsarbeit, heißt es in einer Pressemitteilung der Caritas. Zudem verringert das Vorhalten eines Quarantänebereichs in den stationären Einrichtungen des Vereins für katholische Arbeiterkolonien in Vreden und Maria Veen die Zahl der gerade im Winter dringend benötigten Plätze: „Die Wartelisten wachsen“, sorgt sich Beate Jussen, Vorstand des Vereins. Trotz all dieser Belastungen „stärkt die Situation aber auch das Wir-Gefühl“, beobachtet sie.

Anspannung wächst auf beiden Seiten

Bislang ist es durch die gemeinsamen Anstrengungen gelungen, Infektionen zu vermeiden. Wobei die ständige Sorge bleibt, dass das Virus doch noch einbrechen könnte. Im St. Antoniusheim in Vreden und der Schwestereinrichtung in Maria Veen gilt deshalb weiterhin ein striktes Hygienekonzept, „das den Alltag einschränkt und insbesondere auch die Integration neuer Bewohner erschwert“, sagt Einrichtungsleiter Reinhard Heidemann. Die Situation werde zunehmend schwieriger, weil die Perspektive fehle und die Anspannung dadurch sowohl bei den Bewohnern wie auch den Mitarbeitenden wachse.

Etwas anders stellt sich die Situation in Münster dar. Das Leben der Wohnungslosen ist auch dort deutlich erschwert. Aber hier zeigt sich in der Pandemie, wie die Wohnungslosenhilfe eigentlich organisiert sein sollte: nämlich so wie im St. Antoniusheim in Vreden. Dort lebten die Bewohner schon vor der Pandemie in Einzelzimmern, im Haus der Wohnungslosenhilfe (HdW) in Münster mussten sich bislang vier Männer einen Raum teilen. Die jetzt erzwungene Entzerrung hat sich Thomas Mühlbauer, Leiter des Hauses, lange gewünscht.

Erzwungenes Zukunftsmodell

Die Zimmer sind nur noch mit zwei Bewohnern belegt, erklärt er. Das erleichtert die Arbeit deutlich und wäre für ihn ein Zukunftsmodell. Damit tagsüber nicht zu viel Nähe entsteht im engen HdW, hat die Stadt eine Turnhalle zur Verfügung gestellt, in der sich Wohnungslose warm und trocken aufhalten können.

Wobei längst nicht alle Wohnungslosen in einer Einrichtung unterkommen. Da gibt es nicht nur die sichtbar auf der Straße lebenden Menschen, sondern weit mehr „versteckte Wohnungslose“, die keine eigene Wohnung haben, sondern vorübergehend bei Bekannten untergekommen sind oder in einer Notunterkunft leben, erklärt Daniel Tenberge. Die erreicht das Projekt WOHN-MOBIL des Vereins für katholische Arbeiterkolonien im Kreis Borken.

Beratungen seien zwar unter Schutzbedingungen grundsätzlich weiterhin möglich, erklärt Tenberge. Die regelmäßigen Sprechstunden in den Rathäusern aber könnten derzeit nicht oder nur eingeschränkt angeboten werden.

Auch kann der Kleinbus, mit dem die Projektmitarbeiter unterwegs sind, derzeit nicht dafür genutzt werden. Erschwert sei zudem vor allem die Wohnungssuche, so Tenberge. Ohnehin sei es gerade für Alleinstehende schwierig, weil „der Wohnungsmarkt leergefegt ist.“ Aber jetzt seien zusätzlich Wohnungsbesichtigungen kaum möglich.

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