Vredener fragen im Reisebüro eher nach dem Preis als nach Klimaschutz

dzKlimafreundlich reisen

Politiker fordern höhere Preise für Flugtickets. Die Airlines sollen sich am Klimaschutz beteiligen. Verstehen können das viele, sagen sie. Doch die Taten sprechen eine andere Sprache.

Vreden

, 23.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Fliegen soll teurer werden, fordert Umweltministerin Svenja Schulze (SPD). Ein CO2-Preis müsse her, meint sie. Grünen-Chef Robert Habeck fordert eine Kerosinsteuer, um dann auch die Mehrwertsteuer auf Bahntickets senken zu können. So soll das Klima geschützt werden.

Klimafreundlich reisen, diese Idee scheint in Vreden noch nicht so richtig angekommen zu sein. Zumindest nicht bei den Kunden des Reisebüros Hammans. „Da fragt kein Mensch nach“, berichtet Heike Hammans. „Hier wird eher nach dem Preis gefragt.“

Heike Hammans: „Ich finde, Fliegen ist viel zu günstig“

Günstig soll der Flug also vor allem sein. Doch es gibt auch Grenzen. „Die Billigairlines haben einen schlechten Ruf. Da nehmen viele von Abstand. Zum einen, weil jeder weiß, dass das Personal nicht gut bezahlt werden kann. Zum anderen, weil der Service schlecht ist, vor allem wenn mal was schief läuft“, weiß Heike Hammans. Mit Klimaschutz hat so eine Entscheidung aber wohl eher selten was zu tun, glaubt sie.

Ihre persönliche Meinung ist da etwas anders: „Ich finde, Fliegen ist viel zu günstig. Gerade Inlandsflüge sollten abgeschafft werden. Alles unter 1000 Kilometer sollte man mit der Bahn erledigen können.“

Vredener fragen im Reisebüro eher nach dem Preis als nach Klimaschutz

Heike Hammans erzählt, dass in ihrem Reisebüro eher nach dem Preis als nach Klimaschutz gefragt wird. © Markus Gehring

Da trifft es sich gut, dass es bei Pauschalreisen häufig ein kostenloses Bahnticket zum Flughafen dazu gibt. Doch auch das wird nur höchst selten genutzt, weiß Heike Hammans. „In Großstädten schon, aber hier ist das einfach viel zu umständlich. Die Verbindungen und Zeiten sind so schlecht, da bringt es auch nichts, dass es kostenlos ist.“

Facebook-Nutzer zeigen Verständnis für teurere Flüge

Bei einer Facebook-Umfrage der Münsterland Zeitung klingt das ganz anders. Hier wünschen sich viele ein besseres Umweltbewusstsein beim Thema Reisen. „CO2-Emissionen müssen einen Preis bekommen“, meint zum Beispiel ein Nutzer und wünscht sich gleichzeitig, dass das Bahnfahren günstiger wird. Ein anderer findet: „Fliegen muss deutlich teurer werden. Ich bin für eine Flugticketsteuer von einem Euro pro Flugkilometer. Der Erlös muss dann zweckgebunden für den Ausbau des kostenlosen Nahverkehrs und der kostenlosen Bahn sein.“

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Es gibt bereits die Möglichkeit, geflogene Flugkilometer zu kompensieren. Dabei zahlt man freiwillig einen Betrag an eine Organisation. Die nutzt das Geld dann für Klimaprojekte, so die Idee. Heike Hammans ist da skeptisch: „Da spende ich lieber selber und weiß genau, wo das Geld hingeht.“ Nach einer Kompensation für die Flugreise habe bei ihr noch nie jemand gefragt.

Urlaub im eigenen Land – aber nicht wegen des Klimas

Bei Facebook gibt es auch kritische Stimmen zum Thema Flugpreis erhöhen. „Schwachsinn. Fangt besser an, Bäume zu pflanzen“, meint einer. „Wer reist mehr von A nach B als unsere Umweltministerin?“, wundert sich ein anderer über den Vorschlag von Svenja Schulze. Skeptisch ist auch ein Nutzer, der sich fragt, ob es wirklich etwas bringt, wenn Deutschland eine entsprechende Steuer einführen würde: „Wie viele Flugzeuge fliegen täglich über Deutschland hinweg, die nicht aus Deutschland kommen und weiterhin ihr CO2 in die Luft abgeben.“

Eine ganz andere Möglichkeit, klimabewusst zu verreisen, ist ein Urlaub im eigenen Land. „Deutschland wird als Reiseziel immer beliebter. Es ist ja auch total schön hier und es gibt immer mehr tolle Angebote. Und es ist ja auch eine Preisfrage“, berichtet Heike Hammans. Dass die Leute aus Klimaschutzgründen lieber in Deutschland bleiben, daran mag sie nicht so richtig glauben.

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