Vredener programmiert und veröffentlicht Handy-Spiel: Mischung aus Carcassonne und Siedler

dzTiny Little Kingdoms

Anton Sikora aus Vreden hat das Handy-Spiel „Tiny Little Kingdoms“ entwickelt. Darin bauen sich die Spieler ein eigenes Königreich auf. Das Programmieren hat er sich selbst beigebracht.

Vreden

, 07.12.2019, 19:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Am Anfang ist es nur ein Schloss, dann kommen Straßen, Holzfäller, Kartoffelbauern, Waldbeeren und schließlich Fischereien und Marmeladen-Hersteller dazu. So baut sich der Spieler nach und nach sein kleines Königreich auf.

Entwickelt hat das Handy-Spiel „Tiny Little Kingdoms“ Anton Sikora, der in Vreden aufgewachsen ist. Das Programmieren hat er sich selber beigebracht – im Kinderzimmer auf dem Commodore 64. „Ich habe kleinere Spiele für Freunde entwickelt“, erzählt der 37-Jährige.

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Mit Ventilatoren zum Beispiel mussten die Spieler einen Ballon navigieren. Oder sie sammelten als Vogel Stöcke für den Nestbau. Auch ein Jump-and-Run-Spiel hat er schon programmiert. „Aber grafisch war ich überhaupt nicht gut. Ich konnte als Hauptfigur gerade einmal einen Hut mit zwei Beinen darstellen. Also war es eben eine geschrumpfte Person“, erinnert sich Anton Sikora an seine Anfänge.

Alle Elemente von Hand gezeichnet

Doch diese Spiele sind alle nie richtig fertig geworden. Vor drei Jahren fasst Anton Sikora den Entschluss, es diesmal richtig zu machen. Er wohnt inzwischen in Köln, ist nach dem Abitur in Vreden dorthin gezogen und arbeitet hauptberuflich als Behindertenassistent.

„Die Spielidee für ‚Tiny Little Kingdoms‘ gab es schon, die wollte ich jetzt endlich mal zu Ende entwickeln“, sagt der 37-Jährige. Die ersten sechs Monate sitzt er nur am Zeichenbrett, entwickelt Karten und Gebäude, designt Straßen und Landschaften. Alles, was später in dem Spiel zu sehen ist, hat Anton Sikora mal von Hand gezeichnet.

Vredener programmiert und veröffentlicht Handy-Spiel: Mischung aus Carcassonne und Siedler

Das Spiel "Tiny Little Kingdoms" ist eine Mischung aus Carcassonne und Siedler. © Privat

Zwischendurch lässt er immer wieder Freunde das Spiel testen – und erleidet deswegen auch Rückschläge. Ursprünglich lief das Spiel nämlich in Echtzeit. „Aber es dauerte dadurch zu lange, bis die produzierte Ware im Lager angekommen war. Ich habe also ein halbes Jahr in die falsche Richtung entwickelt. Das war ein schwerer Schritt, zu sagen: Das kommt alles raus.“

Spieler baut sich Königreich aus Karten auf

In der Endversion ist das Handy-Spiel rundenbasiert. Der Spieler startet mit einer Schlosskarte auf einem leeren Spielbrett. Von drei Stapeln zieht er Landschafts- und Straßenkarten und legt sie an das Schloss an – ganz wie im bekannten Brettspiel „Carcassonne“, das Anton Sikora als Vorbild genommen hat.

Informationen zum Spiel

  • „Tiny Little Kingdoms“ ist ein Handy-Spiel für Android und iOS.
  • Es ist im Google Play Store für 3,99 Euro und im Apple App Store für 4,49 Euro verfügbar. Die ersten fünf Level können in einer Demo-Version kostenlos gespielt werden.
  • Keine Werbung, keine In-App-Käufe, keine Altersbeschränkung

Nach und nach baut sich der Spieler ein Königreich auf und erschafft eine funktionierende Wirtschaft – wie im zweiten Vorbild, dem Computerspiel „Die Siedler“. Beim Entwickeln hatte Anton Sikora immer seine Mutter im Hinterkopf. „Sie hat früher oft ‚Die Siedler‘ gespielt, aber ohne Gegner. Es ging ihr nur um die Freude am Siedeln. Sie wollte nie fremde Zivilisationen ausmerzen.“

Und so gibt es auch bei „Tiny Little Kingdoms“ keinen Gegner und keine militärischen Einheiten. Die Karten werden mit jedem Level größer, die Gebäude und Funktionen komplexer. Es geht darum, das Lager mit Waren zu füllen.

Spiel auf der Gamescom vorgestellt

Nach drei Jahren harter Arbeit, unzähligen Stunden und mehr als 20.000 Zeilen Code ist das Spiel im August 2019 fertig – passend zur Gamescom, der weltweit größten Messe für Computer- und Videospiele in Köln. Anton Sikora nutzt die Gelegenheit und stellt sein Spiel am Messestand der Vredener Retro Nerds vor.

Vredener programmiert und veröffentlicht Handy-Spiel: Mischung aus Carcassonne und Siedler

Mit jedem Level wird die Karte größer und das Spiel komplexer. © Privat

„Aber man geht unter in der Masse“, zeigt sich der 37-Jährige etwas geknickt. 40 Leute haben sich die kostenlose Demo-Version heruntergeladen, 60 mal wurde die kostenpflichtige Vollversion gekauft. Anton Sikora hat sich das kleine Ziel von 100 Verkäufen gesteckt. „Ich weiß, dass der Erfolg unter der Entscheidung leidet, dass das Spiel Geld kostet. Aber ich wollte keine Werbung oder den Verkauf von Extraleben“, sagt er.

Zweites Spiel soll 2021 kommen

Unter dem Studio-Namen „Kann zaubern“ arbeitet Anton Sikora inzwischen mit einem Partner zusammen. Gemeinsam wollen die beiden 2021 ein neues Spiel rausbringen. „Es soll eine modernere Version des C64-Spiels Agricola werden“, verrät Anton Sikora. In dem Klassiker müssen Spieler einen Bauernhof aufbauen.

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Hat Anton Sikora denn das Ziel, mit dem Programmieren irgendwann Geld zu verdienen? „Das wäre ein Traum. Ich würde es nicht Ziel nennen. Das klingt so ernst und damit geht die kreative Freiheit verloren.“

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