Sorgen sich um den Zustand der Berkel (v.l.): Olaf Niepagenkemper (Landesfischereiverband), Alfons Wüpping (Vorsitzender ASV Vreden) und Tobias Pazek (Gewässerwart ASV Vreden). © Johannes Schmittmann
Umweltverschmutzung

Vredener Angler beobachten Verschmutzung der Berkel mit großer Sorge

Ein halbes Dutzend Mal musste die Vredener Feuerwehr im Februar ausrücken, weil Öl in die Berkel gelangt war. Beim Angelsportverein und beim Landesfischereiverband wachsen die Sorgenfalten.

Dass die Vredener Feuerwehr zur Berkel ausrücken muss, weil ein Stoff in den Fluss gelangt ist, der die Umwelt belastet, ist für die Mitglieder des Angelsportvereins Vreden (ASV) nichts Besonderes mehr. „Leider kommt so etwas mehrfach pro Jahr vor. Das Problem ist altbekannt“, sagt ihr Vorsitzender Alfons Wüpping.

Als Anfang Februar die Einsatzkräfte innerhalb weniger Tage gleich ein halbes Dutzend Mal an der Berkel im Einsatz war, beschloss der ASV aber, der Sache auf den Grund zu gehen. Sie schalteten den Landesfischereiverband Westfalen und Lippe ein. Alfons Wüpping erklärt: „Uns blieb keine Wahl mehr. Die Lage spitzt sich immer weiter zu. Als Angler und Pächter der Berkel haben wir eine Pflicht, die Natur im Blick zu behalten.“

Zahlreiche Verschmutzungen dokumentiert

Die mehrfache Verschmutzung mit Öl im Februar dieses Jahres (wir berichteten) war nur die Spitze des Eisbergs. In einer Mappe hat der ASV-Vorsitzende die Fälle dokumentiert. Aufnahmen zeigen Ölsperren, ausgelaufene Gülle, milchige Flüssigkeit, die aus einem Rohr ins Gewässer fließt, Abwasserpilz und mehrere Tonnen toter Fische. Letztere Fotos stammen aus dem Sommer des Vorjahres und wurden rund elf Kilometer von Vreden entfernt im niederländischen Ort Rekken am Berkelstrand aufgenommen.

Im Sommer vergangenen Jahres starben zahlreiche Fische in der Berkel. Die genaue Ursache ist bis heute nicht geklärt.
Im Sommer vergangenen Jahres starben zahlreiche Fische in der Berkel. Die genaue Ursache ist bis heute nicht geklärt. © privat © privat

Tobias Pazek, Gewässerwart des ASV Vreden, erklärt: „Das Fischsterben hat definitiv auf deutscher Seite stattgefunden. Bis heute ist aber unklar, was die Ursache ist. Wir können nur Vermutungen anstellen.“ Auch eine Anfrage des ASV bei der Unteren Wasserbehörde des Kreises Borken brachte keine Klarheit.

Nachweis ist häufig sehr schwierig

Genau das ist das Problem an der Sache: Den Übeltätern kommt man nur selten auf die Schliche. Das weiß auch Dr. Olaf Niepagenkemper. Der Gewässerexperte vom Landesfischereiverband steht seit Längerem mit den Vredener Anglern in Kontakt, hat sich die Situation vor Ort auch schon selbst angesehen. Er sagt: „Obwohl es manchmal glasklar ist, wer der Verursacher für die Gewässerverschmutzung ist, lässt es sich schwer beweisen.“

Die Einsatzkräfte setzten mehrere Ölsperren auf der Berkel.
Die Einsatzkräfte setzten mehrere Ölsperren auf der Berkel. © Feuerwehr Vreden © Feuerwehr Vreden

Als Beispiel nennt er das Rohr, das an der B70 vom Industriegebiet in die Berkel führt und eigentlich nur Regenwasser abführen soll. „Es reicht schon, wenn zwei Betriebe angeschlossen sind. Dann kann jeder auf den anderen zeigen“, sagt Niepagenkemper. Strafen werden daher nur in Ausnahmefällen ausgesprochen. „Und so fehlt dann auch die abschreckende Wirkung.“

Sorgenvoller Blick auf die Berkel

Wenn der Geograf über die Berkel spricht, legt sich seine Stirn in Falten: „Wir sprechen hier von einem begradigten Gewässer, dessen biologische Selbstreinigungskraft sowieso schon sehr gering ist. Die Einleitungen – vor allem natürlich Öl – sind absolutes Gift. Die Stoffe legen sich zum Beispiel auf die Fischeier. Durch den Sauerstoffmangel sterben sie ab.“ Aber nicht nur Fische seien davon betroffen, sondern auch Pflanzen und Insekten.

Olaf Niepagenkemper hat mehrere Lösungsvorschläge. „Meiner Meinung nach müsste das Wasser aus den Regenrückhaltebecken der Unternehmen, bevor es in die Berkel gelangt, ein Vorklärbecken durchlaufen. Damit wäre schon viel getan.“ Außerdem müssten die Kontrollen verstärkt werden. „Von welchem Betrieb gelangt was ins Wasser? Diese Frage muss geklärt werden.“

Bei der Stadt Vreden verweist man auf den Kreis Borken. „Wir rücken zwar aus, wenn es zu Verschmutzungen kommt, aber wir sind nur für die Gefahrenabwehr zuständig.“ Eine Stellungnahme der Unteren Wasserbehörde des Kreises wird zu dem Thema in den nächsten Tagen erwartet.

Über den Autor
1991 in Ahaus geboren, in Münster studiert, seit April 2016 bei Lensing Media. Mag es, Menschen in den Fokus zu rücken, die sonst im Verborgenen agieren.
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Johannes Schmittmann

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