Laptop-Betrug: Statt 281,50 Euro muss ein Vredener jetzt 10.000 Euro zahlen

dzAmtsgericht Ahaus

Für weniger als 300 Euro sollte ein Laptop den Besitzer wechseln – doch der Vredener lieferte das Gerät nicht, obwohl der Käufer gezahlt hatte. Die Quittung bekam der Mann nun vor Gericht.

Vreden

, 29.08.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Hätte der 43-jährige Vredener am Montag 281,50 Euro in bar auftreiben können, ihm wäre einiges erspart geblieben. Vor allem mit Blick auf das Strafmaß, das der Richter im Amtsgericht gegen den Mann verhängte. Der Vredener muss nun mehr als das 35-fache der Summe zahlen. Der Richter brummte ihm wegen Betrugs eine Geldstrafe in Höhe von 10.000 Euro auf. Die Staatsanwältin hatte in ihrem Plädoyer sogar eine viermonatige Freiheitsstrafe ohne Bewährung gefordert.

Verkauf im Internet

Darum ging es: Im Mai 2016 wurde über den Account des Vredeners auf einer Verkaufsplattform im Internet ein Laptop angeboten. Der Verkaufswert: 281,50 Euro. Ein Mann aus dem hessischen Kelsterbach schlug zu und überwies die Summe auf das Konto des Vredeners – doch den Laptop erhielt er nicht.

Mehrere Mails gingen hin und her. Mal sei das Gerät sei wegen einer falschen Lieferadresse zurückgekommen, mal wurde die Lieferung innerhalb der nächsten Tage zugesagt. Doch nichts geschah.

Dem Käufer wurde es zu bunt, er erstattete Strafanzeige gegen den Vredener. Im Juli 2017 kam es im Amtsgericht Ahaus zu einer Verhandlung. Hätte der Vredener damals eine Geldauflage gezahlt, wäre das Verfahren eingestellt worden. Doch der Mann kam der Auflage nicht nach. So wurde das Verfahren am Montag wieder eröffnet. An das zwei Jahre alte Verfahren konnte sich der Angeklagte nach eigenen Worten schon gar nicht mehr erinnern.

„Laptop meiner Frau“

Es habe sich um den Laptop seiner Frau gehandelt, erklärte der Vredener. „Sie hat das Gerät auch im Internet eingestellt und zwar über meinen Account. Ich wusste davon nichts.“ Der Richter: „Wo ist der Laptop heute?“ Der Angeklagte: „Keine Ahnung. Meine Frau ist weg.“ Der Richter: „Und das Geld?“ Der Angeklagte: „Hat meine Frau.“

Der Richter trug aus dem Mailverkehr auf der Verkaufsplattform vor. In einer der Mails hieß es: „Meine Frau hat den Laptop heute abgeschickt.“ Der Richter fragte den Vredener, warum denn die Ehefrau eine solche Formulierung wählen würde. Die Antwort des Angeklagten: „Ich weiß es nicht.“

Ob er die 281,50 Euro an den Kelsterbacher heute bezahlen könne, wollte der Richter vom Angeklagten wissen. Dann könne das Verfahren eingestellt werden. Der Vredener verneinte. „Erst Ende der Woche.“ Der Richter schüttelte den Kopf.

Viereinhalb Stunden dauerte am Montag die Anreise des Zeugen aus Kelsterbach. Nach einer knapp zehnminütigen Befragung, in der er den Sachverhalt bestätigte, durfte der Mann auch schon wieder die Rückreise antreten.

Mehrfach vorbestraft

Der Richter widmete sich als nächstes dem Auszug des Vredeners aus dem Bundeszentralregister. Elf Eintragungen sind darin aufgelistet. Der 43-Jährige ist mehrfach vorbestraft. Diebstahl, Betrug und Unterschlagung sind einige der Straftaten. Zuletzt saß der der Mann zwei Monate wegen Beihilfe zum Diebstahl im Gefängnis, seit vier Wochen ist er in Freiheit.

Die Staatsanwältin zeigte sich in ihrem Plädoyer überzeugt, dass nicht die Ehefrau, sondern der Angeklagte im Internet in Erscheinung trat. „Die Aussagen des Zeugen sind glaubhaft.“ Zudem habe der Angeklagte es nicht für nötig befunden, seit 2017 den finanziellen Schaden zu ersetzten. Sie forderte eine Freiheitsstrafe von vier Monaten. „Eine Geldstrafe würde ihren Zweck verfehlen.“

„Dann kann ich zumachen“

Der Vredener hatte vor dem Urteilsspruch das letzte Wort. Mit Blick auf eine mögliche Freiheitsstrafe sagte er: „Wenn ich noch mal weg muss, dann kann ich zumachen.“ Er habe sich erst vor Kurzem selbstständig gemacht.

Der Richter verurteilte den Vredener zu einer Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu je 100 Euro; insgesamt 10.000 Euro. Zahlen muss der Vredener die Summe in monatlichen Raten von jeweils 500 Euro.

„Nach meiner Überzeugung haben Sie den Kaufvertrag schriftlich abgewickelt“, sagte der Richter in seiner Urteilsbegründung. Eine Freiheitsstrafe sei etwas überzogen. „Die 10.000 Euro sind ganz schön viel, beruhen aber auf den von Ihnen geschilderten Einkommensverhältnissen.“ Der Vredener nannte zu Beginn der Verhandlung ein monatliches Netto-Einkommen zwischen 3000 und 4000 Euro.

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