Vreden hatte bereits 2000 einen muslimischen König

Aktuelle Debatte

Seit ein Muslime in Werl Schützenkönig wurde, obwohl das in dem Verein nur Christen zusteht, ist die Diskussion in den Schützenvereinen groß. Bei den Vredener Bürgerschützen St. Georg kann man das nicht verstehen. Dort schoss Hassan al Attar den Vogel ab und wurde gefeiert.

VREDEN

06.08.2014, 17:42 Uhr / Lesedauer: 2 min
Hassan Al Attar war im Jahr 2000 Schützenkönig bei den Bürgerschützen St. Georg Vreden - darüber berichtete nicht nur diese Zeitung. Das Medieninteresse war überregional.

Hassan Al Attar war im Jahr 2000 Schützenkönig bei den Bürgerschützen St. Georg Vreden - darüber berichtete nicht nur diese Zeitung. Das Medieninteresse war überregional.

Hassan al Attar stammt gebürtig aus Damaskus, ist Muslim und wohnt mittlerweile 27 Jahre in Vreden. Bereits 2000 errang er die Königswürde bei den St.-Georg-Schützen – ohne Diskussionen. „Ich finde das lächerlich, was da gerade passiert“, sagt Hassan al Attar. Man habe ihn damals wie einen Bruder auf Händen getragen. „Es gab nie ein Problem“, erzählt er. Damals hatte auch der Vorsitzende um die Königswürde mitgeschossen. Al Attar wollte eigentlich nicht mehr schießen. Und holte schließlich doch den Vogel von der Stange. „Wir hatten einen großen Thron mit 15 Paaren und haben zwei Jahre lang tolle Feten gefeiert“, erinnert er sich. Ganz Vreden sei im Ausnahmezustand gewesen. Kein einziges fremdenfeindliches Wort sei gefallen. „Ganz im Gegenteil, der Saal war voll. Ich wurde als Deutscher angesehen. ‚Du lebst jetzt hier, als gehörst du zu uns‘, haben die Schützenbrüder gesagt“, erzählt al Attar.

Hassan al Attar lebte zu diesem Zeitpunkt bereits 13 Jahre in der Widukindstadt. Als Chefarzt im Krankenhaus war er vielen auch bekannt. „Ich weiß nicht, ob das an meiner Position lag. Aber ich glaube nicht“, meint er. Die Bürgerschützen St. Georg seien auch ein traditioneller Verein. „Aber zur Tradition gehört auch, dass alle Menschen dabei sind.“ In der Satzung des Vereins gibt es auch keine Klausel, die besagt, welcher Religion ein Schützenkönig angehören darf. Die Debatte um den muslimischen Schützenkönig in Werl kann Hassan al Attar nicht nachvollziehen. „Wenn er den Alkohol verboten hätte, dann ja. Aber so nicht“, sagt er und lacht. „Aus Vorstandssicht hat es da nie ein Problem gegeben“, erklärt Reinhard Laurich, Vorsitzender der St.-Georg-Schützen. Man habe Hassan al Attar damals nicht mal gefragt, ob er Muslim sei. „Ich halte die Diskussion für völlig daneben. Das geht nur von diesen erzkonservativen Verbänden aus.“

Bei den Vredener St.-Georg-Schützen gehe es darum, Tradition zu pflegen und ordentlich zu feiern. „Religion ist dabei völlig egal. Das war nie ein Thema und da hat nie einer danach gefragt“, sagt Laurich. Für den Schützenbruder aus Werl ging die Debatte nun doch noch gut aus. Sein Verein ist Mitglied beim Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften (BHDS), dessen Statuten nur Christen als Mitglieder erlauben. Der BHDS hatte zunächst verlangt, dass der neue muslimische König abdankt. Gestern entschied der Verband, dass der Schützenkönig sein Amt behalten darf. Der Bürgerschützenverein St. Georg Vreden ist übrigens nicht Mitglied im Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften.

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