Vor der ersten Nacht stehen erst noch Arbeit im Kuhstall und dann ein besonderes Steak an

dz#teinetuckert

In Wennewick findet Stephan Teine ein Quartier im Garten eines Bauernhofs, muss aber erst noch den Stall ausmisten, bevor er sein Zelt aufstellen darf. Dafür gibt‘s aber was zu essen.

Vreden

, 09.09.2019, 11:05 Uhr / Lesedauer: 3 min

Mittags im Zelt beim Oldtimer-Häckseln in Ellewick hatte Silke Bengfort mich angesprochen. Sollte ich noch ein Schlafquartier suchen und sollte ich zufällig in Richtung Wennewick unterwegs sein, könnte ich gerne mein Zelt bei ihr im Garten aufstellen.

Einladungen soll man ja nicht ausschlagen, also habe ich abends nur noch das kurze Stück vom Acker in Ellewick bis nach Wennewick unter die Traktorreifen genommen.

Wagyu-Rinder werden seit einem Jahr aus Wennewick vermarktet

Am Hof von Silke und ihrem Mann Hubert begrüßt mich als erstes die stürmische Berner-Sennenhündin Tilda. Silke öffnet mir die Tür und bietet mir erst einmal einen Kaffee an. Dann geht es in den Stall: 180 Milchkühe stehen dort. Und ein paar Wagyu-Rinder. Mehr oder weniger ein Hobby, wie Hubert Bengfort erklärt. Mit einem Bekannten zusammen hat er vor sechs Jahren mit der Aufzucht und Mast der Tiere begonnen.

Seit knapp einem Jahr vermarktet er die Tiere direkt von seinem Hof aus. „Die gehen in die nähere Umgebung, in Restaurants oder an Privatpersonen“, sagt er. Das besondere Fleisch hat einen stolzen Preis: „Das Filet kostet schonmal bis zu 100 Euro das Kilo“, erklärt er. Doch die besondere Qualität kommt nicht nur bei Feinschmeckern an. „Die Wagyu-Rinder sind genetisch so veranlagt, dass sich mehr Fett direkt ins Fleisch einlagert. So kommen die besondere Marmorierung und der Geschmack zustande“, erklärt der Landwirt.

Ab in den Stall, es gibt genug zu tun

Doch genug der Erklärungen: Silke Bengfort drückt mir Grepe, Gummistiefel und Overall in die Hand. Zusammen mit der Auszubildenden Johanna und dem neunjährigen Bjarne mache ich den Stall sauber. Kuhmist schieben statt Zelt aufbauen. So hatte ich mir das nicht vorgestellt, aber okay, was macht man nicht alles für ein Nachtquartier.

Später müssen wir dann noch zu einem etwas entfernteren Stall und einer Weide. Auch dort leben Wagyu-Rinder der Familie. Ich darf wieder Trecker fahren. Dieses Mal sogar einen richtig ausgewachsenen. Einen mit Kabine. Der Fendt von 1981 zählt zwar auch schon zu den Oldtimern, mit „meinem“ Deutz hat er aber so überhaupt gar nichts gemein: Die Gänge flutschen fast von selbst hinein, die Kabine ist rundum geschlossen und hält das Wetter draußen und der Motor ist längst nicht so laut wie der Ein-Topf von meinem Deutz. Auch diese Fahrt bekomme ich unfallfrei über die Bühne.

Zelt im Garten und ein besonderes Abendessen

Im Garten der Bengforts kann ich dann mein Zelt aufbauen. Doch bevor ich auch nur den Kocher angefasst habe, bekomme ich noch eine Einladung: Silke und Hubert wollen mir zeigen, was an ihrem Wagyu-Fleisch so besonders ist und werfen den Beefer in der Küche an. Es gibt Steaks und Burger-Patties und ich muss eingestehen, dass das Fleisch wirklich einen ganz besonders guten Geschmack hat. „Das machen wir aber auch nur zu besonderen Anlässen“, erklärt Silke Bengfort. Da der ältere Sohn Jonte an diesem Tag aber Geburtstag hat – er wird 13 – sei das schon in Ordnung.

Nach dem tollen Essen bleiben wir noch bis tief in die Nacht auf der Terrasse sitzen. Es geht um die Veränderungen in der Landwirtschaft, Hightech im Stall, Digitalisierung an allen Ecken und Enden, den nächsten Urlaub, die Arbeit in einer Zeitungsredaktion und noch viel mehr. Totmüde krabbele ich schließlich in meinen Schlafsack und lasse mich bis zum Morgen auch von den 180 Milchkühen ein paar Meter weiter nicht mehr stören.

Weiter geht die Fahrt in Richtung Südlohn

Früh am Morgen ist die Nacht aber auch schon wieder vorbei. Zelt abbauen, Duschen, Trecker packen... das braucht alles noch seine Zeit. Nach dem Frühstück sattele ich den Deutz und mache mich von Wennewick aus wieder auf den Weg. Nächster Halt ist Vreden, aber nur für einen Zwischenstopp und von da geht es weiter Richtung Südlohn.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt