Helma Benke (l.) und Gertrud Welper stöbern in Erinnerungen – an 25 Jahre grüne Politik in Vreden. © Christiane Hildebrand-Stubbe
25 Jahre Grüne

Von grünen Exoten zu anerkannten Kommunalpolitikern in Vreden

Helma Benke und Gertrud Welper wissen um die Anfänge. Als sie noch als „grüne“ Exoten in Vredens politischer Landschaft gesehen wurden. Das ist jetzt 25 Jahre her und heute ganz anders.

Es ist der 13. Dezember 1995, als sich eine Handvoll Vredener zu einem Grünen Ortsverband zusammenschließen. Wie viele genau, wissen Helma Benke und Gertrud Welper nicht mehr so genau. „Es müssen aber mindestens sieben gewesen sein“, sagt Gertrud Welper. Anders als Helma Benke ist sie beim offiziellen Start nicht dabei, stößt aber drei Monate später dazu. Und seitdem machen sich beide Frauen wie auch ihre Mitstreiter im Ortsverband für grüne Themen im Ort stark.

Helma Benke, damals 45, führt die Flüchtlingsarbeit zu den Grünen. „Die Kreis-Grünen hatten den Flüchtlingsrat gegründet“, erinnert sie sich. Und für Gertrud Welper, damals 36, sind es die Themen Atompolitik und Frauengleichstellung, für die sie bei den Grünen in Vreden die passenden Fürsprecher findet. Und natürlich ist Ökologie von Anfang an klassisches Grünen-Anliegen und auch das der beiden Politikerinnen. Bereits bei der ersten Kommunalwahl 1999 finden sie dafür auch soviel Wählerstimmen, dass sie mit zwei Ratsmitgliedern die Vredener Kommunalpolitik mitgestalten können: Helma Benke und Gerhard Welper.

Anfängliche Skepsis bei den Etablierten

„Ein dickes Bretterbohren waren das die ersten Jahre“, sagt Helma Benke. Als Grüne und Frau im Fraktionsvorsitz habe man ihr doppelt skeptisch gegenüber gestanden. Allerdings seien Frauen in der Politik auch noch eine echte Rarität gewesen. Einmal habe sie sich zuerst über die Begrüßung des Bürgermeisters im Haupt- und Finanzausschuss sehr gewundert: „Frau Benke, meine Herren.“ Beim Blick in die Runde habe sie aber feststellen müssen, dass sie tatsächlich die einzige Frau war.

Die beiden ersten grünen Ratsmitglieder: Helma Benke und Gerd Welper.
Die beiden ersten grünen Ratsmitglieder: Helma Benke und Gerd Welper. © privat © privat

Auch wenn bereits der erste grüne Antrag vom 13. Oktober 1999 „Auf Errichtung einer Fußgängerzone in der Innenstadt“ relativ schnell eine Mehrheit findet, das ist in den Folgejahren längst nicht immer der Fall. Oft und gerade in den Gründerjahren werden viele grüne Ideen eher skeptisch beäugt. Allerdings hätten sich zuerst eher die Sozialdemokraten mit ihnen schwer getan. Helma Benke: „Die haben uns wohl als Konkurrenz gesehen.“ Gleichwohl, darin ist sie sich mit Gertrud Welper einig, habe man durchaus zur Bewusstseinsbildung im Ort beigetragen. Und auch das ist beider Meinung: „Widerstand stachelt eher an.“

Wachsende Akzeptanz

So habe man es gerade noch rechtzeitig verhindern können, dass das neue Hallenbad mit Palmöl beheizt wird. Und inzwischen sei man als Grüne in Vreden durchaus akzeptiert und respektiert. „Im Fraktionsvorsitz bin ich aber auch heute noch die einzige Frau“, weist Gertrud Welper darauf hin, dass sich daran auch nach der jüngsten Kommunalwahl nichts geändert habe. Geändert habe sich aber inzwischen allgemein das politische Klima, gebe es eine größere Aufgeschlossenheit gegenüber klassischen grünen Schwerpunkten. Für eine wachsende Akzeptanz sprechen aktuell auch fünf grüne Ratsmitglieder.

Bäume zu pflanzen, war schon immer ein Anliegen der Vredener Grünen, wie dieses
Bäume zu pflanzen, war schon immer ein Anliegen der Vredener Grünen, wie dieses “historische” Foto belegt. Und statt einer Jubiläumsfeier soll erneut ein Baum gepflanzt werden. © privat © privat

Den gestiegenen Zuspruch bei den Bürgern bekommen sie auch direkt zu spüren: Gertrud Welper berichtet, dass sie gerade von einem Ortstermin an der Winterswijker Straße käme, wo Bürger sich bei ihr gemeldet hätten. Sie fürchten, dass Bäume der geplanten Straße für das neue Baugebiet zum Opfer fallen. Bürgernähe steht nämlich ganz oben auf Vredens grüner Agenda.

Und wie sieht es mit Misserfolgen in den 25 Jahren aus? Eine Frage, die sich beide Frauen so gar nicht stellen: „Politik ist immer ein dicke Bretter Bohren. Da muss man dran bleiben, was heute nicht klappt, klappt vielleicht morgen.“ Unbedingt dazu gehöre aber eine positive Einstellung.

Politische Ziele für die Zukunft

Das haben sich beide auch für ihre künftige politische Arbeit vorgenommen. Ziele, die sie im Fokus haben: die Stadt noch fahrradfreundlicher zu machen und damit einen Beitrag zum aktiven Klimaschutz zu leisten; mehr für die Menschen mit Behinderung zu tun, Stichwort Barrierefreiheit; und ganz wichtig: Den Bildungsauftrag gerade in Corona-Zeiten noch deutlicher umzusetzen.

Immer aber nicht in Konfrontation zu den Andersdenkenden sondern im sachlichen Austausch. „Wir sind kommunikationsstark“, sagen Helma Benke und Gertrud Welper. Vielleicht eine Qualität, der sie unter anderem erfolgreiche 25 Jahre verdanken.

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