Trotz mehrerer Eier: Wegen Fuchs wenig Hoffnung für Flamingo-Nachwuchs

dzZwillbrocker Venn

Die rosafarbenen Flamingos sind Zwillbrocks Wahrzeichen. Obwohl sie aktuell brüten, sieht es schlecht aus für den Nachwuchs. Grund sind erneut nachtaktive Raubtiere.

Zwillbrock

, 15.06.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dr. Dietmar Ikemeyer, Geschäftsführer der Biologischen Station Zwillbrock, klingt resigniert, wenn es um das Thema Flamingos geht: „Es ist richtig, dass es einige Eier gibt und die Vögel brüten. Aber es wird für die Küken sehr schwierig werden – wegen des niedrigen Wasserstandes im See.“

Die Hoffnung, dass der rosafarbene Nachwuchs tatsächlich schlüpft und überlebt, sei daher als sehr gering zu betrachten. „Es sind schon wieder Füchse auf der Insel unterwegs. Das sehen wir auf unseren Kameras“, so Ikemeyer. Etwas gegen das Raubtier zu tun, sei fast unmöglich. „Da hilft nur viel beten; gemeinsam und synchron beten. Man kann die Dinge aktuell eigentlich nur hinnehmen.“ Schon im vergangenen Jahr hatten Füchse und Marder die Flamingo-Eier von der Insel erbeutet.

Experte betrachtet die Situation nüchtern

Der Geschäftsführer der Biologischen Station betrachtet die Sache mittlerweile sehr nüchtern: „Wir brauchen Regen. Am besten vier Wochen am Stück ohne Punkt und Komma. Dann wäre zum Beispiel der See, der die Insel normalerweise umgeben sollte, wieder gefüllt. Aber das sehe ich nicht kommen.“ Das Positive sei, dass die Flamingos in der Regel sehr alt werden.

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„Sie werden uns also noch lange erhalten bleiben, selbst wenn es in diesem Jahr wieder nichts mit dem Nachwuchs werden sollte“, so Ikemeyer. Seit 1982 brüten die Flamingos, wenn es gut läuft, in Zwillbrock. Vor vielen Jahren wurden alle Tiere mit Bändern gekennzeichnet, um ihr Alter bestimmen zu können. „Die ältesten Vögel sind knapp 30 Jahre alt, die jüngsten sind drei“, erklärt Dietmar Ikemeyer.

Große Sorgen um Amphibien

Der Biologe macht sich allerdings nicht nur Sorgen um die Flamingos: „Wenn das Wetter die nächsten fünf Jahre so bleibt und es weiter so wenig regnet, wird sich die Landschaft in unserer Umgebung gravierend verändern. Wenn wir aus dem Fenster gucken, werden wir dann etwas anderes sehen als heute.“ Der Wassermangel habe gravierende Konsequenzen für das Ökosystem.

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„In jedem Schutzgebiet, nicht nur in Zwillbrock, sieht man die Veränderungen schon jetzt“, sagt Ikemeyer. Als Beispiel nennt er die Heubachwiesen in Reken. „Dieses Naturschutzgebiet ist 6000 Hektar groß und verfügt über 30 Kleingewässer. Die waren nun über Monate komplett trocken. Alle Amphibien sind weg und kommen auch nicht direkt wieder, wenn das Wasser kurzzeitig zurückkehrt.“ Daher betont der Geschäftsführer der Biologischen Station noch einmal: „Die Trockenheit trifft Frösche und Libellen wenigstens genauso sehr wie die Flamingos.“

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