Dr. Stephan Guttermann (Mitte) und Arzthelferin Clara Tenhumberg haben am Sonntag 55 Menschen im Senioren- und Pflegezentrum St. Ludger geimpft; rechts im Bild: Wohnbereichsleiter Norbert Schöpe. © Christiane Nitsche-Costa
Coronavirus

Trotz Impfungen: Bisher keine Lockerungen in Senioren- und Pflegeheimen

Schon Anfang Februar wurden die Impfungen in den beiden Vredener Senioren- und Pflegezentren abgeschlossen. Doch die Corona-Schutzverordnung lässt Lockerungen hier bisher trotzdem nicht zu.

Während das ganze Land nach Corona-Impfstoff lechzt, ist man beim Pflegenetz Westmünsterland schon einen Schritt weiter. Anfang Februar wurden die letzten Dosen in den insgesamt sechs Einrichtungen verimpft. Auch bei den Vredener Senioren- und Pflegezentren St. Georg und St. Ludger ist ein Großteil von Personal und Bewohnern mittlerweile vor dem Virus sicher. Laut Studien garantiert der dort verwendete Impfstoff des Herstellers Biontech/Pfizer eine Sicherheit von deutlich über 90 Prozent.

Kombiniert mit der hohen Impfbereitschaft, die laut Angaben von Pressereferentin Christiane Nitsche-Costa ebenfalls die 90-Prozent-Marke überschreitet, könnte man das Kapitel „Corona“ hier eigentlich schließen. Eigentlich. Denn die Realität sieht anders aus. „Der Alltag in den Einrichtungen hat sich vorläufig nicht geändert“, erklärte Nitsche-Costa, betont aber: „Die Stimmung ist durch die Sicherheit, die die Impfung vermittelt, spürbar besser geworden.“

FFP2-Masken gehören weiterhin zum Alltag

Trotzdem gehören die FFP2-Masken noch zur Standardausrüstung. Auch sonst gibt es weiterhin viele Vorkehrungen, die ursprünglich zur Minimierung des Infektionsrisikos eingeführt wurden. Die Pressereferentin des Pflegenetzes Westmünsterland erklärt: „Da sich die Regelungen in den entsprechenden Verordnungen nicht verändert haben, sind wir weiterhin gehalten, diese auch umzusetzen. Das tun wir selbstverständlich.“

Dazu gehört auch der etwas kuriose Umstand, dass auch Geimpfte weiterhin regelmäßig auf das Coronavirus getestet werden. Bei den Bewohnerinnen und Bewohnern steht die Schnelltestung einmal in der Woche auf der Tagesordnung. Bei Mitarbeitern ist die Taktung noch höher. An jedem zweiten Arbeitstag wird vor Schichtbeginn ein Abstrich von ihnen genommen.

Klare Vorgaben durch Schutzverordnung

Mit Blick auf die Corona-Schutzverordnung konnte auch in anderen Bereichen keine Lockerung erfolgen, wie Christiane Nitsche-Costa erklärt: „Die Schutzmaßnahmen werden durch Verordnungen und Verfügungen geregelt, die von der Landesregierung erlassen werden. Grundlage dafür sind die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts, die jeweils aktuelle Corona-Schutzverordnung und Corona-Testverordnung von Bund und Land sowie die Beschlüsse der Ministerpräsidentenkonferenz.“

In NRW ist das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales zuständig. Die aktuell geltende Test-Verordnung des Landes ist gültig bis zum Donnerstag, 11. März. Wie es danach weitergeht, ist noch offen. Beim Pflegenetz Westmünsterland sind die Wünsche an die Politik bescheiden. „Wir hoffen natürlich, dass mit der zu erwartenden neuen Verordnung innerhalb der Einrichtungen wieder ein Stück Normalität einkehren kann“, sagt Christiane Nitsche-Costa.

Wunsch nach mehr Besuch

Für die Bewohner der Senioren- und Pflegezentren steht ein Wunsch ganz oben auf der Liste: Dass sie endlich wieder mehr Besuch empfangen können. Aktuell dürfen zwei Mal täglich je zwei Besucher pro Bewohner empfangen werden. Im Außenbereich sind bis zu vier Besucher möglich. Im Frühjahr 2020 war bundesweit sogar ein generelles Besuchsverbot in Senioren- und Pflegeheimen verhängt worden. Ein Schritt, den selbst Gesundheitsminister Jens Spahn und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet aus heutiger Sicht als „großen Fehler“ einräumen.

Über den Autor
1991 in Ahaus geboren, in Münster studiert, seit April 2016 bei Lensing Media. Mag es, Menschen in den Fokus zu rücken, die sonst im Verborgenen agieren.
Zur Autorenseite
Johannes Schmittmann
Lesen Sie jetzt