Gedankensteuerung und smarte Brillen: Zukunftsmusik am Gymnasium

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Die Schüler des Vredener Gymnasiums konnten im Touch-Tomorrow-Truck Technologien der Zukunft ausprobieren: Roboter, virtuelle Realität und ein Zug, der 1200 km/h schnell werden kann.

Vreden

, 09.09.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Brian Willing baut mit geschickten Bewegungen einen kleinen Motor zusammen. Kein Problem für ihn, obwohl er das vorher noch nie gemacht hat. Denn eine smarte Brille hilft ihm dabei. Über ein Display und mithilfe von Hologrammen zeigt ihm die Technik genau, was er machen muss.

Von außen sieht das manchmal komisch aus. Denn der Zwölfklässler sitzt teils mit ausgestreckten Armen da, scheint etwas in der Luft berühren zu wollen oder drückt zwei Finger im Nichts zusammen. Durch diese Bewegungen gibt er der smarten Brille Befehle.

Brian Willing bekommt über die Brille Informationen, wie er den Motor zusammenbauen muss.

Brian Willing bekommt über die Brille Informationen, wie er den Motor zusammenbauen muss. © Victoria Garwer

„Das ist wirklich faszinierend“, sagt der Schüler. „Das kennt man ja sonst nur aus Filmen.“ Tatsächlich ist das Produkt ein Prototyp. Der Touch-Tomorrow-Truck, ein Projekt der Dr.-Hans-Riegel-Stiftung, aber bringt die Techniken der Zukunft an die Schulen.

Touch-Tomorrow-Truck am Vredener Gymnasium

In dieser Woche hat der riesige Lkw mit einer Aktionsfläche von 105 Quadratmetern auf dem Schulhof des Vredener Gymnasiums Halt gemacht. An insgesamt neun Stationen soll bei den Schülern Begeisterung für die Naturwissenschaften geweckt werden.

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Tatsächlich ist in dem Truck alles ein bisschen futuristisch. Zum Beispiel bekommt jeder Schüler einen kleinen 21-seitigen Gegenstand. Diesen legt er auf eine bestimmte Stelle und schon laufen Videos oder Texte auf den Bildschirmen. Wenn ein Thema besonders interessant ist, können die Schüler sich zusätzliche Infos für zu Hause speichern.

Hyperloop bringt Zug auf Hochgeschwindigkeit

Aber erst einmal geht es ans Ausprobieren vor Ort. Am Mittwochmorgen ist der Chemie-Leistungskurs dran. Justus und Phil stehen am sogenannten Hyperloop. „Der Zug in dieser Röhre fährt mithilfe eines Magnetschwebefeldes“, erklärt Phil. „Wenn ich jetzt in der Röhre ein Vakuum erzeuge, wird er deutlich schneller.“

Justus und Phil verstehen sofort, warum der Zug in der Röhre in einem Vakuum deutlich schneller wird.

Justus und Phil verstehen sofort, warum der Zug in der Röhre in einem Vakuum deutlich schneller wird. © Victoria Garwer

Und tatsächlich: Plötzlich rast der Zug nur so im Kreis. Aber warum? „Weil der Luftwiderstand fehlt, ist doch logisch“, meint Justus. Interessiert schauen sich die beiden die Schaubilder an, diskutieren über die Technik und die Fragen, die in den Texten aufgeworfen werden. Wie etwa wirkt sich so eine Hochgeschwindigkeit von bis zu 1200 km/h auf den menschlichen Körper aus? Könnte diese Technik tatsächlich den Zugverkehr revolutionieren?

Digitalen Ball mit Gedankensteuerung bewegen

Nebenan sind Lehrerin Sofia Wiggers und Schulleiter Dr. Jürgen Klomfaß fasziniert, was schon heute mit Gedankensteuerung möglich ist. Ein kleiner Sensor an der Stirn ist alles, was die beiden brauchen, um einen Ball am Bildschirm durch einen Parcours zu lenken.

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„Das Gerät misst die elektrischen Impulse, die das Gehirn abgibt“, erklärt Lina Bauer vom Team des Trucks. Wenn der Spieler konzentriert ist, wird der Ball schneller. Wenn er aufgeregt und abgelenkt ist, langsamer. Lenken funktioniert über Kopf- oder sogar Augenbewegung.

Der Touch-Tomorrow-Truck bietet Experimente auf 105 Quadratmetern.

Der Touch-Tomorrow-Truck bietet Experimente auf 105 Quadratmetern. © Victoria Garwer

Eingesetzt wird diese Technologie zum Beispiel bei Kindern mit ADHS. Sie haben oft Probleme, sich zu konzentrieren. Mithilfe der Gedankensteuerung lernen sie, dass etwas Positives passiert, wenn sie ihre Gedanken fokussieren. Auf dem Bildschirm würde sich in diesem Fall zum Beispiel eine Blüte öffnen.

Beratung durch die Agentur für Arbeit

Im oberen Stockwerk des Trucks befindet sich Tilo Overbeck in einer ganz eigenen Welt. Er baut gerade eine Druckerpresse auseinander. Natürlich nicht in echt, sondern in einer virtuellen Realität. Die Brille lässt es so aussehen, als wäre er tatsächlich vor Ort. „Auszubildende lernen so, wie eine Maschine aufgebaut ist, ohne wirklich eine auseinander bauen zu müssen“, erklärt Lina Braun.

Vor Ort ist auch eine Mitarbeiterin der Agentur für Arbeit. Sie erklärt den Schülern, welche Berufe eigentlich hinter den Techniken stecken, wo sie eingesetzt werden und was man in diesem Bereich studieren kann oder welche Ausbildungsberufe es gibt.

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