Tor zu bei Biogas

Symbolische Werksschließung

Mit einer ungewöhnlichen Aktion wollen die Betreiber der Vredener PlanET Biogastechnik ein Zeichen setzen: Im Rahmen des bundesweiten Aktionstages "Erneuerbare Energiewende jetzt" schließt das Werk (Up de Hacke) am Donnerstag um 10 Uhr symbolisch seine Tore.

VREDEN

, 05.03.2014, 17:15 Uhr / Lesedauer: 2 min
<p>Hendrik Becker macht sich auch politisch stark für Biogas.</p>

<p>Hendrik Becker macht sich auch politisch stark für Biogas.</p>

"Die Fachpolitiker brauchen den Druck aus der Bevölkerung", erklärt Hendrik Becker, geschäftsführender Gesellschafter der PlanET Biogastechnik zum Hintergrund der Aktion. Der von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) vorgelegte Reformentwurf für das EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz), um die Verbraucherpreise zu drücken, erscheint vielen, die auf Biogas gesetzt haben, existenzbedrohend.

"Was in Berlin diskutiert wird, würde einen praktischen Stopp für uns bedeuten", sagt Becker, der auch als Vizepräsident des Fachverbandes Biogas e. V. für diese Technik wirbt. "Zu Spitzen-Energiewendezeiten waren wir bei 800 Megawatt Zubau bundesweit, aktuell sind es 300 Megawatt. Kommt das, was Gabriel vorgesehen hat, sind es gerade noch sechs."

Erneuerbar und speicherbar

Biomasse sei die einzige Energieform, die zugleich erneuerbar und speicherbar sei, erklärt Becker. "Wir können immer produzieren, auch wenn Strom und Wind Pause haben."

Hier liege aber wohl auch der tiefere Grund dafür, dass man nun von der Politik derart drastisch ausgebremst werden soll. "Wir haben große und starke Gegenspieler", sagt Becker: "Wir sind die größten Konkurrenten für die klassische Energiewirtschaft."

Weit übers Ziel hinaus

Gabriels Pläne schössen weit übers Ziel hinaus, das Tempo des Erneuerbare-Energien-Ausbaus zu drosseln. "Wir akzeptieren, dass der Zubau in Spitzenzeiten etwas zu schnell war und dass da auch gerade im Münsterland das Tempo zu hoch war." Mit einem Zubau von 300 Megawatt "würde man eine gute Geschwindigkeit haben", meint Becker. Und: "Da wäre kein zusätzlicher Flächenaufbau notwendig."

Überhaupt seien die benötigten Flächen, etwa für Maisanbau, seit eineinhalb Jahren rückläufig, "weil die Anlagen effektiver geworden sind." Becker setzt nun auf die Unterstützung lokaler Politiker. Stadträte von CDU und Grüne haben ihr Kommen zugesagt, ebenso der Landtagsabgeordnete Bernhard Tenhumberg (CDU).

Aber auch die Bevölkerung sei ausdrücklich eingeladen, ab 10 Uhr zum Werkstor zu kommen. Schließlich gehe es nicht zuletzt um die betroffenen Arbeitsplätze. Allein PlanET beschäftigt etwa 200 Mitarbeiter in Vreden. "Da kommen Zulieferer und indirekt abhängige Arbeitsplätze hinzu", betont Becker. "Wenn wir ehrlich sind, reden wir für unsere Region über einige hundert Leute."

Keine langen Reden

Die gesamte Aktion soll nicht viel länger als eine Stunde dauern - nicht nur, weil es wirtschaftlich riskant für das Unternehmen ist, seine Tore zu schließen. Das Ganze sei eine Gratwanderung, das sei ihm bewusst. "Wir hoffen, dass alle Kunden das verstehen", sagt Becker. "Uns geht es um ein Zeichen, nicht um langatmige Reden."

 

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