Tolle Feier, aber kein Abiball: „Gefühlt ist der Abschluss noch nicht rund"

dzCorona-Krise

Besonders feierlich war die Schulentlassfeier am Georgianum. Doch auf den Abiball mussten alle verzichten. Etwas Wichtiges fehlt und deshalb wird er nachgeholt, berichten die Stufensprecher.

Vreden

, 27.06.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Welcher Abiturient erinnert sich nicht daran zurück? Mit der offiziellen Übergabe des Reifezeugnisses wurde man gefühlt „ein Stück größer“ und fühlte sich angekommen in der Welt der Erwachsenen. Doch erst mit dem Abiball am Abend konnte man den berühmten Strich unter die Schullaufbahn machen, erst mit den Eltern und später am Abend gerne auch ohne. Und exakt dieser „Strich“ wurde der aktuellen Abiturientia aufgrund der Corona-Krise genommen. Wie fühlt sich das an? Wir haben bei den Stufensprechern am Gymnasium Georgianum, Emily Rosing und Noah Robers, nachgefragt.

„Viel besser hätte man die Abschlussfeier kaum gestalten können, es war klasse, alle noch mal gesehen zu haben“, blickt Noah Robers auf den Tag im Widukindstadion zurück. „Alle Beteiligten haben alles dafür getan, dass es ein würdiger Tag für uns alle werden wird. Er wurde viel besser, als wir vor Wochen noch gedacht hatten“, freut sich Emily Rosing. Womöglich sei die Feier im Freien so noch feierlicher gewesen als sonst in der Aula. „Besonders“ – wie vieles für diesen Jahrgang. Natürlich mit den Einschränkungen, die die Krise nun mal mit sich bringt.

Es wurde coronakonform gefeiert

Doch in einem sind sich beide einig: „Gefühlt ist der Abschluss noch nicht rund“, findet Emily Rosing. Noah Robers spricht mit der Erfahrung der Abibälle seiner Brüder: „Beim Abiball kann man mal in anderer Atmosphäre mit den Lehrern sprechen – auch mal über Themen und Anekdoten abseits der Schule. Da sprechen meine Brüder noch heute von." Weiter: „Als der Tag der Lockdowns gekommen war, hatten wir noch Hoffnung. Doch dann brach der Chaos-Tag weg, dann war schnell klar, dass es keinen Abiball geben wird.“ Dass auch der Chaos-Tag weggefallen war, das „schmerzte schon“, berichtet Emily Rosing. „Zum Glück hatten wir noch nicht so viel Geld dafür in die Hand genommen.“

Auf Distanz überreicht und gut desinfiziert: Das Zeugnis 2020.

Auf Distanz überreicht und gut desinfiziert: Das Zeugnis 2020. © Heinz Schwarze-Blanke

Geld ausgegeben hatten schon einige der Abiturienten – nämlich für die festliche Kleidung zum Abiball. „Einige hatten sich schon extra Kleider zugelegt und diese natürlich auch getragen“, so Emily Rosing. Auch die Jungs hätten sich „selbstverständlich in Schale geschmissen“, so Noah Robers. Gefeiert wurde dann „coronakonform“ zunächst in den Familien, später am Abend dann in Cliquen. „Bei uns ist schon die Post abgegangen – und wie ich gehört habe, bei den anderen auch“, lässt der Vredener durchblicken. Das kann Emily Rosing nur bestätigen: „Wir haben sicher das Beste draus gemacht.“

Emotionen werden fehlen, neue Erfahrungen kommen hinzu

Der Abiball soll in jedem Fall nachgeholt werden. „Wir haben das Wochenende vor der Kirmes 2021 ausgeguckt“, sagt die Vredenerin. Standesgemäß soll diese Party in der Schule stattfinden. Dass dann „sicher anders gefeiert“ werden wird, davon sind beide überzeugt. „Die Emotion des Moments wird sicher nicht zurückzuholen sein“, erklärt Emily Rosing. Noah Robers sieht es praktisch: „Eigentlich hatten wir das erste Wiedersehenstreffen für 2025 geplant, nun haben wir halt ein schnelles Wiedersehen.“ Der Vorteil: „Neben dem Rückblick auf die gemeinsame Schulzeit bringt dann jeder Einzelne weitere Erfahrungen aus dem einen Jahr mehr mit.“

Dass seine Schulkarriere ein solches Ende nehmen würde, damit hatte Noah Robers vor zwölf Jahren sicher nicht gerechnet. „Wir sind in jedem Fall ein einzigartiger Jahrgang“, sagt Emily Rosing lachend.

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Nach einer kurzen Pause freuen sich beide, dass der nächste Schritt im Leben nun ein verlässliches Fundament hat. Emily Rosing bleibt Vreden treu und legt ein Freiwilliges Soziales Jahr an einer Grundschule ein, Noah Robers zieht es in die Großstadt. Er beginnt ein Duales Studium bei Airbus in Hamburg. Und von seinen Erfahrungen können beide dann in gut einem Jahr berichten – beim Abiball 2020 reloaded...

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