Todesdrohung oder Rassismus? Streit unter Vredener Nachbarn eskaliert

dzAmtsgericht Ahaus

Ein Streit unter Nachbarn in einem Vredener Mietshaus an der Straße „Up de Bookholt“ ist eskaliert. Es soll Todesdrohungen gegeben haben. Doch auch Rassismus steht im Raum.

Vreden

, 28.05.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

In einem Vredener Mietshaus an der Straße „Up de Bookholt“ ist ein Streit unter Nachbarn so eskaliert, dass sich nun das Amtsgericht Ahaus mit dem Fall beschäftigen musste. Ein 24-jähriger Nigerianer soll seinen Nachbarn und dessen 65-jährige Freundin mit der Kopf-ab-Geste und den Worten „Ich mach euch tot“ bedroht haben. So schilderten es die beiden vermeintlichen Opfer zumindest bei der Polizei.

Auslöser für den Streit, der sich im Juni 2019 ereignete, soll das Fahrrad der 65-Jährigen gewesen sein. Dieses hatte sie direkt vor der Tür geparkt, obwohl das laut Vermieter verboten war. Der 24-Jährige ärgerte sich damals über das Verhalten, weil wohl er immer den Ärger dafür bekomme. Daher packte er sich das Fahrrad und „parkte“ es um. Das blieb nicht unbeobachtet. „Ich habe vom Balkon aus gesehen, wie er auf dem Hinterhof mein Fahrrad mit Gewalt auf den Boden geschmissen hat“, erklärte die 65-Jährige vor Gericht.

Zeugin widerspricht ihren eigenen Aussagen

Auf Englisch habe der 24-Jährige lauthals geflucht und anschließend die Kopf-ab-Geste in ihre Richtung gemacht. Auf Nachfrage des Richters, ob sie sich denn erinnern könne, was er zur ihr gesagt habe, antwortete die 65-Jährige: „Nein, er hat ja nicht auf Deutsch geantwortet.“ Damit widersprach sie aber ihrer Aussage bei der Polizei. Dort hatte sie behauptet, dass der Nigerianer zu ihr gesagt habe: „Ich mach dich tot.“

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Das machte den Richter offenbar wütend. Er nahm sich die Zeugin zur Brust: „Sie haben hier die Wahrheit zu sagen. Ansonsten drohen Ihnen ernsthafte Konsequenzen.“ Die Beteuerungen der 65-Jährigen wischte er zur Seite: „Ich habe erhebliche Zweifel an Ihren Aussagen.“ Die Stimmung des Richters verbesserte sich bei der Vernehmung des 43-jährigen Nachbarn nicht. Auch der hatte bei der Polizei angeben, an besagtem Tag bedroht worden zu sein.

Richter zeigt sich verärgert

Im Zeugenstand erklärte er dann allerdings: „Er sagte zu mir: ‚I will kill you.‘ Aber das war ein anderes Mal.“ Die unmissverständliche Geste des 24-Jährigen sei allerdings „zu 100 Prozent“ an diesem Tag gewesen. Der Richter hatte auf jeden Fall genug gehört: „Widersprüche über Widersprüche in beiden Aussagen.“ Als der 43-Jährige darauf patzig reagierte und beklagte, als Rechtsradikaler darstellt zu werden, riss dem Vorsitzenden endgültig der Geduldsfaden.

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Er stimmte Staatsanwaltschaft und Verteidigung zu und sprach den 24-Jährigen frei. Der Vermieter erhob sich daraufhin aus der letzten Reihe und erklärte in Richtung seines 43-jährigen Mieters: „Er ist ein Rassist, nichts anderes.“

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