Therapie statt Strafe: 20-jähriger Exhibitionist entblößt sich vor Kind

dzGerichtsprozess

Ein 20-jähriger Vredener hat sich im Februar vor einem Kind entblößt. Dafür musste er sich jetzt vor Gericht verantworten. Der Richter setzt auf Therapie vor Strafe – vorerst.

Vreden

, 18.08.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Therapie ist in diesem Fall das probate Mittel“, befand der Jugendeinzelrichter am Montag. Einem 20-jährigen Vredener war vorgeworfen worden, sich am 11. Februar dieses Jahres vor einem sechsjährigen Jungen entblößt zu haben. Am Montag musste sich der junge Mann vor dem Amtsgericht in Ahaus verantworten.

Angeklagter sprach Sechsjährigen an

Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft hatte der 20-jährige Mann den 6-jährigen Jungen vor dessen Elternhaus gefragt „wo er denn Pipi machen“ könne. Der Junge führte den 20-Jährigen zu einem Feldrand in Gaxel. Dort entblößte sich der 20-Jährige vor dem Jungen. Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft habe das den Angeklagten sexuell erregt. Der Junge habe sich beschämt abgewendet.

Nach Paragraf 183 des Strafgesetzbuches droht einem Mann, der eine andere Person durch eine exhibitionistische Handlung belästigt, eine Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder eine Geldstrafe. Eine exhibitionistische Handlung vor Kindern wirkt sich jedoch erheblich strafverschärfend aus.

Freiwillig eine Therapie begonnen

Über seinen Anwalt räumte der 20-Jährige das Tatgeschehen vollumfänglich ein. „Das war so, und es tut ihm auch leid. Es soll sich auch keinesfalls wiederholen“, erklärte der Verteidiger. Der junge Mann habe inzwischen bereits freiwillig eine Therapie begonnen.

Aus Sicht des Verteidigers stand eine Schuldunfähigkeit seines Mandanten im Raum. Psychologische Tests hätten dem Angeklagten deutlich unterdurchschnittliche Intelligenz bescheinigt. „Seine kognitive Leistungsfähigkeit ist relativ eingeschränkt“, so der Anwalt. Außerdem sei der 20-Jährige selbst ein „gebranntes Kind“, das unter einem Übergriff zu leiden gehabt habe. „Das kann aber natürlich keine Rechtfertigung für das sein, was geschehen ist“, so der Anwalt.

Einsilbige Antworten vom Angeklagten

Der Angeklagte selbst antwortete nur einsilbig auf die Nachfragen des Richters. Ob er denn bei seiner Vernehmung durch die Polizeibeamten die Fragen richtig verstanden habe, wollte der Richter zum Beispiel von ihm wissen. „Nein, habe ich nicht“, lautete die Antwort des 20-jährigen, der den Hauptschulabschluss nicht geschafft hatte.

Strafrechtlich ist der 20-Jährige bislang noch nicht in Erscheinung getreten. Nach polizeilichen Erkenntnissen aber war der Vorfall vom Februar in Gaxel nicht die erste öffentliche Entblößung des Angeklagten.

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„Das muss aufhören!“, redete der Richter dem jungen Mann eindringlich ins Gewissen. Mit einer verpflichtenden Auflage, die Therapie fortzusetzen, stellte der Richter das Verfahren mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft ein. Er schärfte dem Angeklagten aber ein: „Wenn das nochmal passiert, werden wir uns hier wiedersehen. Dann droht Ihnen auch bei möglicher Schuldunfähigkeit die Einweisung in die Psychiatrie auf unbestimmte Zeit.“

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